Risiko von Forderungsausfällen proaktiv reduzieren

Vor dem Hintergrund von Zahlungsverzögerungen und einer drohenden Insolvenzwelle müssen sich CFOs mit der Frage auseinandersetzen: Wie können Zahlungsrisiken minimiert werden? Dabei priorisieren die Finance-Verantwortlichen drei Maßnahmen.

Die Studie „DNA of a CFO“ des Kreditversicherers Euler Hermes zeigt, dass sich CFOs vor allem um Zahlungsverzögerungen große Sorgen machen. Doch wie kann auf diese Situation reagiert werden? Laut dem Studienergebnis ergreifen die Finanzprofis vor allem folgende drei Maßnahmen:

  1. Verbesserte Planung und proaktives Cashflow-Management
  2. Diversifizierung
  3. Versicherung

Planung, Diversifizierung und Absicherung

Die befragten CFOs gaben an, dass aus ihrer Sicht bereits im Vorfeld an einer Risikominimierung gearbeitet werden muss. Verschiedene Szenarien können geplant werden. Aber auch Insolvenz-Scouting und Screening-Aktivitäten könnten nun deutlich an Bedeutung gewinnen.

Die Überprüfung des eigenen Geschäftsmodells ist ebenfalls relevant: Wer nur wenige Großkunden hat, von denen das Unternehmen abhängig ist, könnte bei einer Insolvenzwelle schnell mitbetroffen sein. Doch wer sich breit aufstellt, verschiedene Kundenkreise und Branchen bedient, ist krisenresistenter. Mithilfe von Diversifizierung wird das Risiko gestreut und Gewinnchancen verbessert.

Auch Versicherungen werden an Bedeutung gewinnen. Hier dürfte auch interessant sein, wie Kreditversicherer in Zukunft arbeiten werden und welche Konditionen sie "nach Corona" anbieten werden. Doch die Absicherung der eigenen Forderungen rückt gerade bei vielen CFOs vermehrt in den Fokus. Factoring, der Verkauf von Forderungen, wird als Finanzierungsmöglichkeit immer häufiger in Betracht gezogen. Im ersten Halbjahr 2020 konnte die Factoringbranche trotz Corona-Pandemie die Umsätze auf 134,9 Milliarden EUR steigern. Im ersten Halbjahr 2019 waren es noch 1,6 Prozent weniger (132,8 Milliarden EUR). Der Factoring-Verband weist darauf hin, dass diese positive Entwicklung auch an den Maßnahmen der Bundesregierung in Zusammenarbeit mit den Warenkreditversicherern lag. Hier wurde ein Schutzschirm geschaffen, um Lieferantenkredite abzusichern.

Welche Maßnahmen Unternehmen noch ergreifen

Auch der Kreditversicherer Coface hat Unternehmen zu ihren Zahlungserfahrungen befragt. Dabei zeigt sich, dass Zahlungsziele seltener angeboten werden. Im Jahr 2019 räumten noch 81% der Unternehmen ihren Kunden Zahlungsziele ein, 2020 waren es nur noch 62%. Die Hälfte der Unternehmen gewähren ihren Kunden eine Zahlungsfrist zwischen 0 und 30 Tagen. Ist hier bereits zu erkennen, dass Unternehmen vorsichtiger agieren und ihr Forderungsmanagement entsprechend verschärfen? Der pünktliche Zahlungseingang scheint mehr forciert zu werden.

Kreditversicherer sind gefragt

Kreditversicherer stehen nun ebenfalls vor der Herausforderung, wie sie ihre Geschäfte künftig gestalten können. Viele Unternehmen haben erkannt, wie wichtig es ist, die Forderungen abzusichern. Doch durch die Coronakrise stiegen auch die Risiken für die Kreditversicherer. Gemeinsam mit dem Bund wurde ein Schutzschirm gespannt. Der Bund agierte also als Rückversicherer für die Kreditversicherer. Doch mit dem Auslaufen des Schutzschirms werden sich voraussichtlich auch die Bedingungen der Kreditversicherer etwas verschärfen. Frank Liebold verantwortlicher Country Director für das deutsche Kreditversicherungsgeschäft von Atradius, weist daraufhin, dass bei Neugeschäften nun genau hingeschaut wird, in welcher Branche und in welchen Exportmärkten welche Risiken lauern und ob tatsächlich nur Corona-bedingt Unternehmen in der Krise sind: „Wenn mancherorts nachhaltig ganze Märkte wegbrechen, müssen wir auch im Interesse unserer Kunden vorsichtig sein und auch schon einmal Nein sagen.“ Auch Prämien werden laut Liebold voraussichtlich steigen, je nach Risikosituation. Diese Entwicklung sollten Unternehmen beobachten.

Empfehlungen für Unternehmen

  • Rechnungen sollten pünktlich gestellt und der Zahlungseingang regelmäßig kontrolliert werden. Dabei sollte noch einmal überdacht werden, welche Zahlungsfristen gewährt werden können.
  • Experten rechnen mit Insolvenzwellen, daher sollte auch der Umfang der Risiken, die sich durch mögliche Insolvenzen von wichtigen Geschäftspartnern ergeben, frühzeitig analysiert werden.
  • Durch Diversifizierung, wie beispielsweise die Anpassung oder Ausbreitung der Produktpalette auf weitere Märkte und Branchen, können Risiken gestreut werden.
  • Unternehmen können alternative Finanzierungsformen wie Factoring einsetzen und ihre Liquiditätssituation verbessern.
  • Versicherungen und Bankbürgschaften können genutzt werden, um offene Forderungen abzusichern.

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Schlagworte zum Thema:  Forderungsmanagement, Cashflow