Kapitel 14: Konzernabschlus... / II. IFRS

1. Erstkonsolidierung nicht beherrschender Anteile

 

Tz. 542

Die nicht beherrschenden Anteile verkörpern das Eigenkapital eines Tochterunternehmens, das einem Mutterunternehmen weder unmittelbar noch mittelbar zugeordnet wird (IFRS 10.Anhang A).

Nach IFRS 3.19 besteht für die nicht beherrschenden Anteile am erworbenen Unternehmen zum Erwerbszeitpunkt, die einen gegenwärtigen Anteil am Nettovermögen verkörpern und zu einem anteilsmäßigen Erlös im Liquidationsfall führen, ein Wahlrecht. Danach hat die Bewertung dieser Anteile entweder zum beizulegenden Zeitwert oder mit dem anteiligen nach IFRS 3 ermittelten Wert des Nettovermögens – d. h. als Saldo aus den anteiligen identifizierbaren Vermögenswerten und Schulden – des erworbenen Unternehmens (Firmenwertoption) zu erfolgen.[730] Von diesem Wahlrecht kann für jeden Unternehmenszusammenschluss separat Gebrauch gemacht werden.[731]

 

Tz. 543

Das Wahlrecht des IFRS 3.19 hat keine Gültigkeit für andere Bestandteile des Anteils ohne beherrschenden Einfluss, zu denen bspw. Wandelschuldverschreibungen zu zählen sind. Diese sind stattdessen zum beizulegenden Zeitwert bzw. in Übereinstimmung mit den einschlägigen IFRS – etwa IFRS 2 oder IAS 32 – zu bewerten. Diese Unterscheidung geht auf das Annual Improvements Project 2010 zurück und unterbindet die vorher gegebene Möglichkeit, die erwähnten anderen Bestandteile bei Rückgriff auf die Bewertung mit dem anteiligen nach IFRS 3 ermittelten Wert des Nettovermögens mit null zu bewerten (IFRS 3.BC221 A). In der Konsequenz sind demnach nun sämtliche nicht zum sog. qualifizierten Anteil gehörenden Anteile unweigerlich zum beizulegenden Zeitwert zu bewerten.[732]

Nachfolgende Übersicht zeigt die verwendbaren Wertmaßstäbe für ausgewählte Eigenkapitalanteile:[733]

 
Eigenkapitalanteil des Erwerbsobjekts Anzuwendender Wertmaßstab gemäß IFRS 3
Anteile am Grundkapital Wahlrecht zwischen Anteil am Nettovermögen oder beizulegendem Zweitwert
Vorzugsaktien (mit Anspruch auf anteiligen Liquidationserlös) Wahlrecht zwischen Anteil am Nettovermögen oder beizulegendem Zweitwert
Vorzugsaktien (ohne Anspruch auf anteiligen Liquidationserlös) Ausschließlich beizulegender Zeitwert
Eigenkapitalanteil einer Wandelschuldverschreibung Ausschließlich beizulegender Zeitwert
Bezugsrechte Ausschließlich beizulegender Zeitwert
Optionen auf eigene Anteile Ausschließlich beizulegender Zeitwert
Optionen im Rahmen anteilsbasierter Vergütungen Auf dem Markt basierender Wert gemäß IFRS 2

Verwendbare Wertmaßstäbe für ausgewählte Eigenkapitalanteile

[730] Baetge/Hayn/Ströher, in: Baetge u. a., IFRS-Ko, IFRS 3 Rn. 253.
[731] Lüdenbach/Christian, IFRS-Essentials, Herne 2010, 445.
[732] Baetge/Hayn/Ströher, in: Baetge u. a., IFRS-Ko, IFRS 3 Rn. 253. Ausführlich hierzu auch Buschhüter, in: Buschhüter/Striegel, IFRS, IFRS 3 Rn. 109–112.
[733] Baetge/Hayn/Ströher, in: Baetge u. a., IFRS-Ko, IFRS 3 Rn. 254.

2. Folgekonsolidierung nicht beherrschender Anteile

 

Tz. 544

Die Bestimmungen des IFRS 3.19 sehen vor, dass sich der nicht beherrschende Anteil zum Erstkonsolidierungsstichtag entweder als Anteil am Reinvermögen zu jenem Zeitpunkt oder unter Einbeziehung eines goodwill als Anteil am Unternehmenswert (full-goodwill-Methode) ermittelt. Die Folgekonsolidierung dieser nicht beherrschenden Anteile fällt in den Regelungsbereich des IFRS 10.B94. Hiernach entwickelt sich der nicht beherrschende Anteil – ohne goodwill – zu den Folgekonsolidierungszeitpunkten als

  • anteiliges Reinvermögen zum Zeitpunkt der Erstkonsolidierung,
  • zuzüglich des Anteils der nicht Beherrschenden an den sich ergebenden Änderungen des Eigenkapitals
  • inklusive der anteiligen Auflösung von stillen Reserven.[734]

Bei Anwendung der full-goodwill -Methode entwickelt sich der nicht beherrschende Anteil als

  • anteiliges Reinvermögen zum Zeitpunkt der Erstkonsolidierung und
  • Minderheiten-goodwill zum Zeitpunkt der Erstkonsolidierung,
  • zuzüglich des Anteils der nicht Beherrschenden an den sich ergebenden Änderungen des Eigenkapitals
  • inklusive der anteiligen Auflösung von stillen Reserven und
  • abzüglich einer ggf. erforderlichen Wertminderung des goodwill.[735]
[734] Lüdenbach/Hoffmann/Freiberg, IFRS, § 32 Rn. 156 f.
[735] Lüdenbach/Hoffmann/Freiberg, IFRS, § 32 Rn. 157.

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