Kapitel 1: Einführung in di... / 1. Statische Bilanztheorie
 

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Nach der auf Simon zurückgehenden sogenannten statischen Bilanztheorie wird dem Jahresabschluss die Aufgabe zugewiesen, das Reinvermögen des Kaufmann, also das Vermögen unter Abzug des Fremdkapitals, zu einem bestimmten Stichtag in der Bilanz darzustellen.[283] Im Wege der Gegenüberstellung des zum Stichtag bewerteten Vermögens einerseits und der Verbindlichkeiten andererseits soll das zum Stichtag vorhandene Reinvermögen ermittelt und dessen Zusammensetzung aufgegliedert werden. Hierbei folgt der Jahresüberschuss bzw. der Periodenerfolg als Nebeneffekt aus der Vermögensermittlung als einer Saldogröße, weil sich das Unternehmensvermögen am Anfang und am Ende der Periode miteinander vergleichen lassen.

 

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In der ökonomischen Diskussion wurden zwei Ansätze der statischen Theorie entwickelt, die Fortführungs- und Zerschlagungsstatik. Die Fortführungsstatik,[284] die von Simon selbst befürwortet wurde, will den Wert des Unternehmens bei Fortführung der Unternehmenstätigkeit, also nach heutigem Sprachgebrauch den going concern abbilden. Dieser Gedanke findet seinen Niederschlag im Grundsatz der Fortführung der Unternehmenstätigkeit in § 252 Abs. 1 Nr. 2 HGB. Jedoch geht Simon von der Einzelbewertung der Vermögensgegenstände und Schulden aus, nicht von einer Bewertung des Unternehmens als Gesamtheit. Als Vermögen erfasst werden sämtliche bewegliche und unbewegliche Gegenstände, Forderungen und alle entgeltlich erworbenen immateriellen Gegenstände.

 

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Hingegen werden bei der Zerschlagungsstatik,[285] die von der Rechtsprechung des Reichsoberhandelsgericht maßgeblich entwickelt wurde, das Vermögen und die Schulden unter der Prämisse der hypothetischen Zerschlagung und Liquidation bewertet und gegliedert. Die Aufgabe der Bilanz besteht dabei in erster Linie in der Ermittlung des Schuldendeckungspotenzials des Kaufmanns. Durch den Ansatz von Einzelverkaufspreisen beim Vermögen wird das Haftungspotenzial des Unternehmens bzw. das Vermögen, das die Gläubiger im schlechtesten Fall verwerten könnten, dargestellt. Als Vermögen werden nach diesem Ansatz nur diejenigen Bestandteile angesetzt, die sich auch einzeln verkaufen ließen.

[283] Simon, Die Bilanzen der Aktiengesellschaft, 4. Aufl., Berlin 1910.
[284] Der Begriff geht zurück auf Moxter, Bilanzlehre, Band I, 3. Aufl., Wiesbaden 1984, 6.
[285] Auch diesen Begriff prägte Moxter (vorige Fn.).

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