Küting/Weber, Handbuch der ... / V. Die Definitionsgrundsätze für den Jahreserfolg
 

Rn. 84

Stand: EL 13 – ET: 12/2011

Die Definitionsgrundsätze dienen primär der Rechenschaft durch die Ermittlung eines vergleichbaren Periodenerfolgs. Mit JA soll der Totalerfolg eines UN in Periodenerfolge aufgeteilt werden (vgl. Schmalenbach, E. 1956, S. 49 f.; Rieger, W. 1959, S. 203 ff.; Kosiol, E. 1949, S. 44). Deshalb ist bei der Bilanzierung zu entscheiden:

(1) Welche Auszahlungen und Einzahlungen des Jahres rechnet man dem Jahr als Aufwand und Ertrag zu?
(2) Welche davor oder danach geleisteten Zahlungen werden ebenfalls als Aufwand und Ertrag des Jahres verrechnet?
(3) Welche der Zahlungen sind in die Bilanz als ›Zahlungs-Speicher‹ (Schmalenbach, E. 1956, S. 57 ff.) einzustellen?

Auf diese Fragen geben die Definitionsgrundsätze für den Jahreserfolg Antworten.

 

Rn. 85

Stand: EL 13 – ET: 12/2011

Das Realisationsprinzip ist der erste Pfeiler der periodengerechten Erfolgsermittlung (vgl. § 252 Abs. 1 Nr. 4 Halbs. 2). Es besagt, wie die VG vom Beginn des Kombinationsprozesses, der Beschaffung, bis zu dessen Ende, dem Absatz, anzusetzen sind und wann eine UN-Leistung als am Markt abgesetzt anzusehen ist. Das Realisationsprinzip enthält somit zwei Komponenten (vgl. Leffson, U. 1987, S. 247 und 252):

(1) Das Realisationsprinzip legt fest, dass die dem UN zugehenden und die selbst erstellten Güter und Leistungen mit den AHK (vgl. Baetge, J./Uhlig, A. 1985, S. 275) angesetzt werden. Diese Festlegungen, nach denen die gekauften Bestände auf der Basis ihrer Anschaffungspreise und die hergestellten Bestände auf der Basis der anteiligen Anschaffungspreise der Einsatzfaktoren anzusetzen sind, werden entspr. § 255 Abs. 1 und 2 als das AK- bzw. das HK-Prinzip bezeichnet.
(2)

Das Realisationsprinzip legt den Zeitpunkt fest, zu dem Güter und Leistungen des bilanzierenden UN nicht mehr mit den AHK angesetzt werden, sondern die aus ihrem Verkauf entstehenden Erträge i. H. d. Absatzpreises als realisiert angesehen werden. In diesem Zeitpunkt vollzieht das Gut bzw. die Leistung einen Wertsprung zum Absatzmarkt und der erzielte Erlös in Form eines Zahlungsmittel- oder Forderungszugangs wird zum Maßstab der Bewertung (vgl. Leffson, U. 1987, S. 247 f.). Dieser Realisationszeitpunkt ist erreicht, wenn vier Bedingungen erfüllt sind, nämlich wenn

– ein Kaufvertrag abgeschlossen wurde,

– die geschuldete Lieferung oder Leistung erbracht worden ist,

– die Güter den Verfügungsbereich des liefernden oder leistenden UN verlassen haben und

– die Abrechnungsfähigkeit gegeben ist.

 

Rn. 86

Stand: EL 13 – ET: 12/2011

Diese Festlegung des Realisationszeitpunkts beruht auf der Überlegung, die Realisierung einzelgeschäftlicher Gewinne an den Umsatz zu binden. Damit dient das Realisationsprinzip gleichzeitig einer objektiven, vorsichtigen Gewinnermittlung (vgl. Moxter, A. 1985a, S. 23 sowie Selchert, HdR-E, HGB § 252, Rn. 85, in dem das Realisationsprinzip kodifiziert und dem Vorsichtsgedanken untergeordnet wird). Das Realisationsprinzip leistet somit auch einen Beitrag zur Kap.-Erhaltung, weil es neben einem möglichst objektiv feststellbaren auch einen relativ späten Zeitpunkt festlegt, bis zu dem die angeschafften/hergestellten Güter nicht höher als zu AHK anzusetzen sind. Trotz der Kap.-Erhaltungstendenz dient das Realisationsprinzip zugleich der Ermittlung des (vergleichbaren und) periodengerechten Erfolgs. Bei Dominanz der Kap.-Erhaltung müsste der letztmögliche Zeitpunkt, nämlich der Zahlungszeitpunkt (vgl. Schneider, D. 1976, S. 116), als Realisationszeitpunkt gewählt werden und nicht der i. d. R. davor liegende Leistungszeitpunkt, zu dem das Gut den Verfügungsbereich des liefernden UN verlässt. Durch die heute überwiegend akzeptierte Festlegung des Leistungszeitpunkts als Realisationszeitpunkt werden die aus dem Absatz von UN-Leistungen entstehenden Erträge leistungsbezogen und nicht streng zahlungsbezogen, also nicht primär nach Maßgabe des Vorsichtsprinzips (vgl. HdR-E, Kap 4, Rn. 39), periodisiert.

 

Rn. 86a

Stand: EL 13 – ET: 12/2011

Mit dem BilMoG hat der Gesetzgeber an der bisherigen Bedeutung und an dem bisherigen Verständnis des Realisationsprinzips festgehalten. Er hat allerdings für eng umschriebene Ausnahmen Durchbrechungen des Realisationsprinzips zugelassen, welche die Interpreta­tion dieses Prinzips für andere Bilanzierungssachverhalte nicht beeinflussen (vgl. Solmecke, H. (2009), S. 222 f.; Baetge, J./Kirsch, H.-J./Thiele, S. (2010), S. 132 f.). Die Ausnahmen betreffen die Bewertung des Planvermögens für Altersversorgungsverpflichtungen mit Zeitwerten sowie die Zeitbewertung des Handelsbestands von Kreditinstituten.

 

Rn. 87

Stand: EL 13 – ET: 12/2011

Mit Hilfe des zweiten Pfeilers der periodengerechten Erfolgsermittlung, des Grundsatzes der Abgrenzung der Sache nach, sollen diesen Werten auf der Ertragsseite die entspr. (die ›nämlichen‹) Aufwendungen gegenübergestellt werden (vgl. § 252 Abs. 1 Nr. 5 sowie § 249 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1, Abs. 1 Satz 3, Abs. 2). Welche Aufwendungen den Erträgen aus dem ­Absatz von UN-Leistungen der Sache nach ...

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