Küting/Weber, Handbuch der ... / IV. Folgen des Auseinanderfallens von Handels- und Steuerbilanz
 

Rn. 321

Stand: EL 22 – ET: 03/2016

Zwingende ebenso wie bedingte Divergenzen zwischen HB und StB haben insbes. mit dem BilMoG in ihrer Anzahl ganz erheblich zugenommen (a. A. Schanz, D./Schanz, S. 2009a, S. 17, die eine Annäherung von HB und StB konstatieren). Mit besonderer Deutlichkeit sichtbar wird dies i. R.d. Erstellung der standardisierten steuerlichen E-Bilanz i. S. d. § 5b EStG. Der durch die Finanzverwaltung geforderte Umfang standardisierter Anpassungen von Ansätzen/Beträgen an steuerliche Vorschriften (vgl. BMF 2011, S. 855) vergegenwärtigt das gesamte (mögliche) Ausmaß der Abweichungen. Die mit dem BilMoG vorangetriebene Verselbständigung der StB wird unter Standardisierung der Bilanzinhalte durch § 5b EStG und dessen Verständnis durch die Finanzverwaltung weiter forciert. Die Anforderungen an ein Tax-Accounting sind in den letzten Jahren massiv gestiegen. Eine integrierte Steuer-Bufü, die bereits unterjährig eine steuerliche Beurteilung und buchhalterische Verarbeitung von Geschäftsvorfällen gewährleistet, hat die Erstellung von StB im Wege manueller Korrekturen in Drittsystemen im Anschluss an die Erstellung der HB weitestgehend abgelöst.

 

Rn. 322

Stand: EL 22 – ET: 03/2016

Die Bedeutung latenter Steuern hat mit der fortschreitenden Abkopplung der HB von der StB massiv zugenommen. Diese Entwicklung setzt sich aktuell mit der interpersonellen steuerlichen Verknüpfung von Passivierungsbeschränkungen unter Durchbrechung des Realisations- und AK-Prinzips durch § 4f und § 5 Abs. 7 EStG in einem weiten Anwendungsfeld fort. Parallel werden Prüffelder (bspw. die steuerliche Verzeichnisführung i. S. d. § 5 Abs. 1 Satz 2 f. EStG bei latenzbegründender abweichender Ausübung steuerlicher Wahlrechte) und Prüfmöglichkeiten (bspw. durch die Überleitungsrechnung i. R.d. E-Bilanz-Verpflichtung i. S. d. § 5b EStG) der Finanzbehörden stetig erweitert.

 

Rn. 323

Stand: EL 22 – ET: 03/2016

Bestehende Einheitsbilanzklauseln führen – soweit deren Umsetzung aufgrund zwingender Abweichungen nicht ohnehin ausgeschlossen ist – zu suboptimalen Bilanzierungsergebnissen. Der Spielraum bei einseitigen handels- oder steuerrechtlichen Wahlrechten wird aufgrund der gegebenen Bindung an Gebote/Verbote auf Null reduziert. Eine mit Einheitsbilanzklauseln angestrebte Vereinfachung (vgl. Priester, H.-J. 1991, S. 624 ff.) vermag die damit insbes. bei einseitigen steuerlichen Wahlrechten einhergehenden steuerlichen Nachteile respektive nicht nutzbaren steuerlichen Vorteile (vgl. Bsp. § 6b EStG) nicht zu kompensieren. Bei dualen Wahlrechten ist bei Einheitsbilanzklauseln aufgrund der erforderlichen einheitlichen Ausübung eine Präferenzbildung zwischen handels- und steuerbilanziellen RL-Zielen notwendig, obschon dem Stpfl. mit der autonomen Ausübung steuerlicher Wahlrechte durch § 5 Abs. 1 Satz 1 EStG gerade die Möglichkeit eröffnet wurde, in beiden Systemen zielkonform zu agieren. Noch bestehende Einheitsbilanzklauseln sollten entspr. überprüft bzw. auf die Vereinbarung neuer Klauseln verzichtet oder diese auf eine einheitliche Ausübung dualer Wahlrechte unter entspr. Zielpräferenzierung beschränkt werden (vgl. Hennrichs, J. 2009, S. 539 f.; Herzig, N. 2010, S. 6 ff.; Zwirner, C. 2010, S. 491 ff.).

 

Rn. 324-330

Stand: EL 22 – ET: 03/2016

vorläufig frei

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