Küting/Weber, Handbuch der ... / ee) Risikovorsorge des Leasinggebers
 

Rn. 174

Stand: EL 18 – ET: 12/2013

Durch den Abschluss eines Leasingvertrags geht der Leasinggeber "vielschichtig gelagerte Risiken" (Tacke, H. R. 1999, S. 142) ein, die sich bspw. in Bonitäts- und Zinsänderungsrisiken sowie leasingtypische Risiken (Objekt- und Vertragsrisiko) einteilen lassen (vgl. Findeisen 1998, § 19, Rn. 61). Für sie ist bilanzielle Vorsorge zu treffen.

 

Rn. 175

Stand: EL 18 – ET: 12/2013

Unter dem Bonitätsrisiko versteht man "die tatsächliche Durchsetzbarkeit der Leasingforderung in Abhängigkeit von der Zahlungsfähigkeit des Leasingnehmers" (Gelhausen, H. F./Henneberger, M. 2012, Rn. 169). Hinsichtlich der bilanziellen Beurteilung ist es wichtig zu unterscheiden, ob die Forderung gegenüber dem Leasingnehmer bereits rechtl. entstanden ist oder ob es sich um noch nicht fällige zukünftige Forderungen handelt.

 

Rn. 176

Stand: EL 18 – ET: 12/2013

Für die erste Gruppe gelten die allg. Bewertungsvorschriften für Forderungen. Aufgrund des im UV geltenden strengen NWP hat der Leasinggeber, sofern er konkrete Erkenntnisse über eine mangelnde Zahlungsfähigkeit des Leasingnehmers besitzt, auf die ausgewiesene Leasingforderung eine Einzelwertberichtigung vorzunehmen (vgl. hierzu allg. ADS 1995, § 253, Rn. 533; Kozikowski/Roscher, in: Beck Bil-Komm. 2012, § 253, Rn. 569ff.; Brösel/Olbrich, HdR-E, HGB § 253, Rn. 192). Darüber hinaus ist grds. auf die nicht einzelwertberichtigten Forderungen zur Berücksichtigung latenter Ausfallrisiken eine Pauschalwertberichtigung zu bilden (vgl. Kozikowski/Roscher, in: Beck Bil-Komm. 2012, § 253, Rn. 580). Somit sind grds. die bereits fälligen und nicht einzelwertberichtigten Leasingforderungen in die Ermittlung der Pauschalwertberichtigung einzubeziehen (vgl. Findeisen 1998, § 19, Rn. 62; a. A. Tacke, H. R. 1999, S. 143, der eine Pauschalwertberichtigung auf bereits fällige Leasingforderungen ablehnt, da es sich bei diesen Forderungen um bereits überfällige und damit nicht mehr einwandfreie Forderungen handele).

 

Rn. 177

Stand: EL 18 – ET: 12/2013

Nach dem HFA (1/1989, S. 626) sind sowohl das akute als auch das latente Ausfallrisiko zukünftiger Leasingraten aufgrund mangelnder Bonität des Leasingnehmers mittels Bildung einer Rückstellung für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften zu berücksichtigen (zustimmend Figge, H. 1990, S. 14; Gelhausen, H. F./Henneberger, M. 2012, Rn. 170). Hinsichtlich der Erfassung latenter Bonitätsrisiken in der Drohverlustrückstellung bestehen in der Literatur jedoch Zweifel. Darüber hinaus ergibt sich eine unmittelbare Überschneidung zu den Objektrisiken aufgrund des Wertminderungsrisikos am Objekt (vgl. HdR-E, Kap 6, Rn. 179). In der StB ist für GJ, die nach dem 31.12.1996 begonnen haben, die Bildung einer Drohverlustrückstellung untersagt.

 

Rn. 178

Stand: EL 18 – ET: 12/2013

Zinsänderungsrisiken entstehen prinzipiell dann, wenn eine laufzeitkongruente Finanzierung des Leasinggegenstands nicht erreicht werden kann (vgl. Tacke, H. R. 1999, S. 144); Es entsteht dann ein Zinsänderungsrisiko, wenn eine Überwälzung der potenziellen Zinsänderung auf den Leasingnehmer nicht gelingt. Hat der Leasinggeber bspw. die Finanzierungskosten auf Basis seiner fest vereinbarten Finanzierungskonditionen über die Leasingraten an den Leasingnehmer weitergegeben, besteht durch das Auslaufen der Festzinsvereinbarung vor Beendigung der Grundmietzeit bei steigendem Zinsniveau die Gefahr, dass dem Leasinggeber tatsächlich höhere Finanzierungskosten entstehen als an den Leasingnehmer weiterberechnet (vgl. Findeisen 1998, § 19, Rn. 67; Gelhausen, H. F./Henneberger, M. 2012, Rn. 171). Gesagtes gilt natürlich gleichermaßen für Leasinggegenstände, die durchgehend auf der Grundlage variabler Zinssätze finanziert werden.

Stellt der Leasinggeber zum BilSt fest, dass er eine vollständige Amortisation seiner Kosten über die Leasingraten aufgrund eines gestiegenen Marktzinsniveaus nicht erreichen kann, hat er den aus diesem Umstand resultierenden und auf den noch schwebenden Teil des Dauerschuldverhältnisses entfallenden Verlust handelsrechtl. im Weg einer Drohverlust­rückstellung zu berücksichtigen (vgl. auch Findeisen 1998, § 19, Rn. 67; Gelhausen, H. F./Henneberger, M. 2012, Rn. 171; Tacke, H. R. 1999, S. 145).

 

Rn. 179

Stand: EL 18 – ET: 12/2013

Ist aufgrund der Vertragsgestaltung davon auszugehen, dass der Leasinggeber eine vollständige Amortisation seiner Kosten erlangt, besteht bei ihm ein Risiko aufgrund gesunkener Wiederbeschaffungskosten im Regelfall nur, wenn der Leasingnehmer wegen mangelnder Bonität die Zahlung der vereinbarten Leasingraten nicht leisten kann. Unter dieser Voraussetzung wird das Wertminderungsrisiko bei Ausfallgefahr auf den Leasinggeber zurückübertragen. Folglich muss der Leasinggeber u. U. außerplanmäßige Abschreibungen auf den niedrigeren beizulegenden Wert zur Berücksichtigung des Objektrisikos vornehmen.

Der HFA (1/1989, S. 626) verlangt darüber hinaus, die den Objektrisiken zugehörigen Restwertrisiken entweder über außerplanmäßige Abschreibungen od...

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