Küting/Weber, Handbuch der ... / 1. Komponentenabschreibung
 

Rn. 301

Stand: EL 22 – ET: 03/2016

Handelsbilanziell ist nach Auffassung des IDW eine komponentenweise planmäßige AfA abnutzbarer VG des Sachanlagevermögens einschl. Nachaktivierung von Ersatzaufwendungen zulässig (vgl. IDW RH HFA 1.016 2009, S. 362 f.). Mit dem Ziel verursachungsgerechter Aufwandsperiodisierung in Fällen, in denen die ND wesentlicher Komponenten von der ND des Gesamt-VG abweicht, werden als selbständig AfA-fähig solche Komponenten des Sachanlagevermögens eingestuft, die physisch separierbar und im Verhältnis zum gesamten VG wesentlich sind (Wahlrecht). Als (einziges) Beispiel wird der Fall eines Gebäudes angeführt, das für AfA-Zwecke in die Komponenten "Dach" (ND: 20 Jahre) und "restliches Gebäude" (ND: 60 Jahre) zerlegt werden könne. Mangels physischen Austauschs separierbarer Komponenten sind Großreparaturen (d. h. einer der Hauptanwendungsfälle vormals zulässiger Aufwandsrückstellungen, deren Wegfall mit BilMoG Anlass für die Diskussion komponentenweiser AfA als "Aufwandskompensation" war) von einer komponentenweisen AfA ausgenommen. Aufwendungen für den Ersatz komponentenweise abgeschriebener VG-Teile sind nach IDW RH HFA 1.016 in der Folge als (fiktive) nachträgliche AHK zu aktivieren und wiederum über die ND der betr. Komponente abzuschreiben; eine unmittelbar erfolgswirksame Behandlung als Erhaltungsaufwand scheidet nach dieser Auffassung aus. Dieser Handhabung steht nach Auffassung des HFA weder der Einzelbewertungsgrundsatz entgegen, noch werde der VG-Begriff tangiert, da lediglich die Methode planmäßiger AFA modifiziert werde. Für den Niederstwerttest wird weiterhin auf das gesamte Sachanlagegut abgestellt.

 

Rn. 302

Stand: EL 22 – ET: 03/2016

Eine komponentenweise AfA fügt sich keineswegs friktionslos in die handelsrechtlichen GoB ein. Aus dem Grundsatz der Einzelbewertung folgt vielmehr, dass ein selbständiger VG auch dann nur eine einheitliche ND haben kann, wenn die ND unselbständiger Bestandteile abweicht (vgl. BFH-Urt. v. 14.04.2011, IV R 46/09, BStBl. II 2011, S. 696). Einer steuerlichen Relevanz komponentenweiser AfA auf der Grundlage des Maßgeblichkeitsprinzips auch für die Besteuerung steht bereits deren fehlender GoB-Rang sowie die Tatsache entgegen, dass Aufwendungen für den funktionsgleichen Ersatz von Komponenten eines WG im Regelfall nicht als AHK i. S. d. § 255 zu qualifizieren sind. Für die Aktivierung fiktiver AHK, die ihrer Art nach gerade keine AHK i. S. d. HGB sind, greift die Maßgeblichkeit nicht durch. Darüber hinaus stünde einer komponentenweisen planmäßigen steuerlichen AfA von WG des AV der steuerliche Bewertungsvorbehalt (vgl. § 5 Abs. 6 EStG), konkret die typisierenden AfA-Vorschriften des EStG entgegen. § 7 EStG stellt für die planmäßige AfA explizit auf die betriebsgewöhnliche ND des WG ab. Das hieraus abgeleitete Prinzip der Einheitlichkeit der AfA verbietet es, WG in ihre Bestandteile zu zerlegen und diese isoliert abzuschreiben (vgl. BFH-Beschl. v. 22.08.1966, GrS 2/66, BStBl. III 1966, S. 672; BFH-Beschl. v. 26.11.1973, GrS 5/71, BStBl. II 1974, S. 132; Kulosa 2015a, § 7 EStG. Rn. 21). Mit dem WG ist steuerlich zugleich das AfA-Objekt abgegrenzt (vgl. Briesemeister, S./Joisten, C./Vossel, S. 2011, S. 667). Eine differenzierte AfA von Teilen eines WG ist insbes. mit dem Vereinfachungsgedanken des § 7 EStG nicht vereinbar. Sie wird vom BFH demgem. zutreffend abgelehnt (vgl. BFH-Urt. v. 14.04.2011, IV R 46/09, BStBl. II 2011, S. 696). Steuerlich ist einheitlich abzuschreiben, auch eine komponentenweise Nachaktivierung von Erhaltungsaufwendungen scheidet aus, Aufwendungen für den Ersatz von Komponenten eines WG sind steuerlich unmittelbar aufwandswirksam zu erfassen (vgl. i. Herzig, N./Briesemeister, S./Joisten C./Vossel, S. 2010, S. 561 f.).

 

Rn. 303

Stand: EL 22 – ET: 03/2016

Wird das handelsrechtlich höchst fragwürdige, nach IDW RH HFA 1.016 gleichwohl eröffnete und damit potenziell in der Bilanzierungspraxis wahrgenommene Wahlrecht zur komponentenweisen AfA und Nachaktivierung von Ersatzaufwendungen ausgeübt, kommt es zu Abweichungen zwischen HB und StB, die in diesem Fall (ausnahmsweise) nicht auf eine GoB-brechende Steuergesetzgebung, sondern auf ein handelsrechtliches Fehlverständnis des Einzelbewertungsgrundsatzes und Anschaffungskostenprinzips zurückgehen.

 

Rn. 304-305

Stand: EL 22 – ET: 03/2016

vorläufig frei

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