Rechnungsabgrenzung auch für kleinere Beträge Pflicht
Praxis-Hinweis: Es ist ratsam, bei größeren Beträgen zeitlich richtig abzugrenzen
Die BFH-Entscheidung (BFH, Urteil v. 16.3.2021, X R 34/19) ist als misslich anzusehen, dürfte sich aber in der Praxis kaum negativ auswirken. Misslich ist sie vor allem deswegen, weil der gleiche Senat im Jahr 2010 durchaus ein Wahlrecht im Hinblick auf die Bildung eines Rechnungsabgrenzungspostens in Fällen von geringer Bedeutung eingeräumt hat. An dieser Aussage hält der Senat ausdrücklich nicht mehr fest. In der Praxis werden sich die Auswirkungen gleichwohl in Grenzen halten.
Bei größeren Beträgen wird regelmäßig auf die zutreffende Rechnungsabgrenzung geachtet. Kleinere Fälle, für die die Buchungen unterbleiben, greifen die Finanzbehörden kaum auf, da diese unbedeutend sind. Denn: Es handelt sich zumeist lediglich um eine Verschiebung um ein Jahr. Es ist schon etwas verwunderlich, dass die Finanzverwaltung im Streitfall die Nichtbildung eines Rechnungsabgrenzungspostens für Versicherungen, Werbemaßnahmen und Abos von unter 2.000 EUR aufgegriffen hat. Nur in bedeutsamen Fällen sollten Steuerpflichtige in jedem Fall Wert auf eine zutreffende Verbuchung legen.
FG ließ zu, dass keine Rechnungsabgrenzungsposten gebildet wurden
Der Kläger erzielte in den Streitjahren Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Für verschieden Aufwendungen bildete er keinen Rechnungsabgrenzungsposten, obwohl die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt waren. Das Finanzamt hielt die Bildung von Rechnungsabgrenzungsposten für erforderlich und erließ entsprechende Steuerbescheide. Gegen diese wandte sich der Kläger im Rechtsbehelfsverfahren erfolglos. Das Finanzgericht urteilte allerdings im Sinne des Klägers. Die Finanzverwaltung wandte sich im Wege der Revision an den BFH.
BFH gab Finanzverwaltung recht – es sind auch geringe Beträge abzugrenzen
Dieser gab der Revision statt und hob das Urteil des FG Baden-Württemberg auf. Die Voraussetzungen für die Bildung von aktiven Rechnungsabgrenzungsposten lagen hier unstrittig vor. Es bestanden Einnahmen und Ausgaben, die für die periodengerechte Erfassung des Gewinns einem anderen Wirtschafsjahr zuzuweisen waren. Weder der Grundsatz der Wesentlichkeit noch der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit schränken dabei die Pflicht zum Ansatz es Rechnungsabgrenzungspostens ein. Eine Beschränkung auf wesentliche Fälle lässt sich aus dem Gesetz nicht ableiten. Insbesondere ist nicht erkennbar, dass der Aufwand zur Bildung eines Abgrenzungspostens in keinem Verhältnis zur Verbesserung des Einblicks in die Vermögens- und Ertragslage des Unternehmens steht.
Diese Informationen könnten Sie auch interessieren:
-
Grenzen für geringwertige Wirtschaftsgüter
1.776
-
Erhöhung der Schwellenwerte für die Unternehmensgrößenklassen in Kraft getreten
1.724
-
Nutzungsdauer von Computerhardware und Software auf ein Jahr reduziert
1.4921
-
Rückstellungen für die Aufbewahrung von Geschäftsunterlagen
1.2852
-
Voraussetzungen des Investitionsabzugsbetrags und wann die Anwendung sinnvoll ist
1.128
-
Urlaubsrückstellung berechnen
912
-
Auflösung von Investitionsabzugsbeträgen
693
-
Abstimmung Bewirtungskosten: Welche Kosten vollständig abziehbar sind
631
-
Voraussetzungen für die Einstufung als Kleinstkapitalgesellschaft
616
-
Wann ist die Leasingsonderzahlung zu 100 % als Betriebsausgabe abzugsfähig?
567
-
Antizipierte finanzielle Effekte in der Nachhaltigkeitsberichterstattung
11.03.2026
-
DRSC-Stellungnahme zu den Simplified ESRS
09.03.2026
-
ESMA veröffentlicht Public Statement zur Umsetzung von IFRS 18
26.02.2026
-
IASB veröffentlicht Vorschläge zur Änderung an IAS 28
26.02.2026
-
Stellungnahmen zum VSME-Standard an das BMJV eingegangen
25.02.2026
-
EU-Kommission ergänzt EU-Taxonomie weiter
24.02.2026
-
Änderungshinweis zur Lageberichterstattung: DRSC schlägt Klarstellungen zum Umgang mit der CSRD vor
23.02.2026
-
Prüfung der Wirksamkeit von Risikomanagement- und Internen Kontrollsystemen: eine Herausforderung
19.02.2026
-
IDW S 17 zur Beurteilung der Angemessenheit börsenkursbasierter Kompensation beschlossen
16.02.2026
-
Omnibus-Paket zu Nachhaltigkeitsberichts- und Aufsichtspflichten beschlossen
02.02.2026