Zinsen

Zusammenfassung

 
Begriff

Zinsen zählen wie Dividenden zu den Erträgen des Betriebs, wenn die Kapitalforderungen bzw. Wertpapiere zum Betriebsvermögen gehören. Zinsen sind begrenzt abziehbare Betriebsausgaben, wenn diese als Entgelt für die Überlassung von Fremdkapital für betriebliche Konten gezahlt werden müssen. Zinsen aufgrund eines Darlehens für die Anschaffung eines konkreten Wirtschaftsguts sind vollumfänglich Betriebsausgaben.

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Zinsen für die Überlassung von betrieblichem Kapital sind Betriebseinnahmen: § 4 Abs. 3 EStG, § 5 EStG; Abgeltungsteuer: BMF, Schreiben v. 18.1.2016, IV C 1 – S 2252/08/10004:017, BStBl 2016 I S. 85, und BMF, Schreiben v. 3.12.2014, IV C 1 – S 2401/08/10001:011, BStBl 2014 I S. 1586, zuletzt geändert durch BMF, Schreiben v. 16.9.2019, IV C 1 – S 2252/08/10007:0275, BStBl 2019 I S. 889; Saldierungsverbot: §§ 246 Abs. 2, 243 Abs. 2 HGB; Schuldzinsenabzug § 4 Abs. 4a EStG; H 4.7. EStH 2019; BMF, Schreiben v. 16.7.2012, IV A 3 – S 0361/12/10001, BStBl 2012 I S. 686.

1 Betriebliche Zinserträge: Gewinnerhöhend zu erfassen

Zinsen werden als Entgelt für die Überlassung von Kapital gezahlt. Z. B. kann der Unternehmer auch Zinsen vom Kunden verlangen, wenn dieser nicht fristgerecht bezahlt.[1] Diese Verzugszinsen sind betriebliche Erträge und wirken sich gewinnerhöhend aus. Da sie i.  d.  R. nicht durch die betriebliche Leistungserstellung bedingt sind, gehören Zinsen zum sog. neutralen Ergebnis.

 
Praxis-Beispiel

Buchung von Zinserträgen

Erhaltene Zinserträge, z.  B. i. H.  v. 1.000 EUR, werden wie folgt verbucht:

 

Konto

SKR 03 Soll
Kontenbezeichnung Betrag

Konto

SKR 03 Haben
Kontenbezeichnung Betrag
1200 Bank 1.000 2650 Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge 1.000
 

Konto

SKR 04 Soll
Kontenbezeichnung Betrag

Konto

SKR 04 Haben
Kontenbezeichnung Betrag
1800 Bank 1.000 7100 Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge 1.000

Verzugszinsen sind umsatzsteuerrechtlich Schadensersatz und daher kann keine Umsatzsteuer vom Schuldner verlangt werden.[2]

[1] §§ 286, 288 BGB; ab 29.7.2014: Verzugszinsen unter Kaufleuten wurden von 8 % auf 9 % erhöht. Zusätzlich kann der Gläubiger bei Eintritt des Verzugs eine Pauschale von 40 EUR vom Schuldner verlangen, solange dieser keine Privatperson ist; s. dazu BGH, Beschluss v. 18.1.2018, III ZR 174/17, Vorlage an den EuGH zur Anrechnung des Pauschalbetrags auf vorgerichtliche Rechtsanwaltskosten; EuGH, Beschluss v. 11.4.2019, C-131/18: Bejahung der Anrechnung.

2 Private Kapitalerträge: Als Einkünfte aus Kapitalvermögen zu versteuern

Für Einkünfte aus Kapitalvermögen (Kapitalanlagen sind im Privatvermögen) gilt die Abgeltungsteuer.

Das Abzugssystem umfasst auch den Solidaritätszuschlag und ggf. den Einbehalt der Kirchensteuer. Werbungskosten, die im Zusammenhang mit den Kapitaleinkünften stehen, unterliegen einem Abzugsverbot.[1] Dafür gibt es den Sparer-Pauschbetrag.[2]

[1] FG Münster, Urteil v. 30.9.2015, 3 K 1277/11: Der Ausschluss des Werbungskostenabzugs für Kapitaleinkünfte ab 2009 gemäß § 20 Abs. 9 EStG ist verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden.

2.1 Durch die Anwendung der Abzugsteuer entfällt meist der Ansatz in der Steuererklärung

Sofern die Einkünfte i. S. d. § 20 EStG dem Kapitalertragsteuerabzug unterlegen haben, ist die Einkommensteuerschuld des Anlegers abgegolten.[1] Sie muss daher nicht mehr in der privaten Steuererklärung aufgenommen werden. Ist der persönliche Steuersatz niedriger als der Satz der Abgeltungssteuer, kann die Günstigerprüfung beantragt werden.[2] Diese Prüfung führt das Finanzamt durch und dazu muss die Anlage KAP bei der Jahressteuererklärung vollständig ausgefüllt werden. Werden Ehepartner/eingetragene Lebenspartner gemeinsam veranlagt, müssen beide Eheleute/Lebenspartner diese Anlage ausfüllen.

Die Abgeltungswirkung des § 43 Abs. 5 Satz 1 Halbs. 1 EStG tritt auch ein, wenn die Kapitalertragsteuer nur zum Schein einbehalten worden ist. Eine tatsächliche Anmeldung und Abführung der Kapitalertragsteuer ist für die Abgeltungswirkung nicht erforderlich.[3]

Für nach dem 31.12.2014 zugeflossene Kapitalerträge gilt bezüglich der Kirchensteuer für Kapitalerträge das automatisierte Abzugsverfahren.

Die Kreditinstitute müssen seit 2015 unter Angabe der Identifikationsnummern ihrer Kunden einmal jährlich im Zeitraum vom 1.8. bis 30.9. beim Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) anfragen, ob die Kunden zum 31.7. des Jahres kirchensteuerpflichtig waren (automatisiertes Kirchensteuerabzugsverfahren gem. § 51a Abs. 2c Satz 1 Nr. 3 Satz 1 EStG).[4]

Auf Basis der den Abzugsverpflichteten vom BZSt bereitgestellten Informationen, wird dann die auf die Abgeltungsteuer entfallende Kirchensteuer einbehalten und an das Finanzamt abgeführt.

 
Praxis-Tipp

Zinsen bei Darlehensverträgen mit nahen Angehörigen: Fremdvergleich

Darlehensverträge mit nahen Angehörigen unterliegen der strengen Prüfung des Fremdvergleichs.[5] ,[6]

Wird der Darlehensvertrag mit einem Angehörigen steuerlich nicht anerkannt, kann der Darlehensnehmer die gezahlten Zinsen nicht als Betriebsausgaben/Werbungskosten absetzen. Der Angehörige, der sie tatsächlich vereinnahmt hat, muss sie aber den...

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