Verluste, die bei der Ermittlung des Gesamtbetrags der Einkünfte nicht ausgeglichen worden sind, werden bis zu einem Betrag von 1 Mio. EUR bei Einzelveranlagung und 2 Mio. EUR bei Zusammenveranlagung abgezogen.[1] Auf den Verlustrücktrag kann ganz oder teilweise verzichtet werden.

 
Hinweis

Vorübergehende Erhöhung des Verlustrücktrags für die Jahre 2020 und 2021 als Corona-Steuerhilfsmaßnahme

Für die Jahre 2020 und 2021 wird der steuerliche Verlustrücktrag auf bis zu 10 Mio. EUR bzw. 20 Mio. EUR (bei Zusammenveranlagung) erweitert. Darüber hinaus können die Steuerpflichtigen schon in den Steuererklärungen 2019 und/oder 2020 einen mit einer hohen Liquiditätswirkung verbundenen vorläufigen Verlustrücktrag für 2020 bzw. 2021 geltend machen.

Begründet wird die Maßnahme damit, dass aufgrund der Corona-Krise und der damit verbundenen Einschränkungen des öffentlichen Lebens viele Steuerpflichtige dadurch negativ betroffen sind, dass sich ihre Einkünfte im Vergleich zu den Vorjahren erheblich verringern werden und für den Veranlagungszeitraum (VZ) 2020 sowie ggf. auch 2021 ein erheblicher – rücktragsfähiger – Verlust[2] zu erwarten sein wird.

Die zu erwartenden rücktragsfähigen Verlustbeträge können im Vorauszahlungsverfahren bereits für den VZ 2019 pauschal mit 30 % des Gesamtbetrags der Einkünfte (GdE), berücksichtigt werden, wenn zuvor die Vorauszahlungen für 2020 auf 0 EUR herabgesetzt worden sind. Sie können in gleicher Höhe auch im Rahmen einer vorläufigen Berücksichtigung eines etwaigen Verlustrücktrags bei der Veranlagung für das Jahr 2019 berücksichtigt werden. Im GdE enthaltene Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit sind dabei nicht zu berücksichtigen. Die Berücksichtigung eines höheren vorläufigen Verlustrücktrags als 30 % des GdE ist möglich, wenn der Steuerpflichtige dies für 2020 anhand detaillierter Unterlagen nachweisen kann, wie z. B. anhand betriebswirtschaftlicher Auswertungen. Entsprechendes gilt für die Steuerfestsetzungen für den VZ 2020 und die Berücksichtigung des Verlustrücktrags für 2021. Bei der Veranlagung für das Jahr 2020 und/oder 2021 ist der Verlustrücktrag nach 2019 bzw. 2020 bei Abweichung des Betrags von dem vorläufig berücksichtigten Verlust­rücktrag entsprechend zu ändern.[3]

Ab dem VZ 2022 beträgt der Höchstbetrag für den Verlustrücktrag wieder 1 Mio. EUR (2 Mio. EUR bei Zusammenveranlagung).[4]

 
Wichtig

Vorrangiger Abzug des Verlustrücktrags

Wegen des vorrangigen Abzugs des Verlustrücktrags vor Sonderausgaben usw.[5] ist die Begrenzung oder der Verzicht[6] zu empfehlen, weil sich sonst Grundfreibetrag, Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen möglicherweise nicht auswirken und dem Steuerpflichtigen damit Abzugsbeträge verloren gehen können.

[2] § 10d Abs. 1 Satz 1 EStG i. d. F. des Zweiten Gesetzes zur Umsetzung steuerlicher Hilfsmaßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise (Zweites Corona-Steuerhilfegesetz) v. 29.6.2020, BGBl 2020 I S. 1512, erweitert durch das Dritte Gesetz zur Umsetzung steuerlicher Hilfsmaßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise (Drittes Corona-Steuerhilfegesetz) v. 10.3.2021, BGBl 2021 I S. 330.
[3] §§ 110, 111 EStG i. V. m. § 52 Abs. 52, 53 EStG i. d. F. des Zweiten Gesetzes zur Umsetzung steuerlicher Hilfsmaßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise (Zweites Corona-Steuerhilfegesetz) v. 29.6.2020, BGBl 2020 I S. 1512; Gesetzesbegründung zu §§ 110, 111 EStG, BT-Drucks. 19/20058 S. 25-26. Die §§ 110 und 111 EStG wurden ergänzt durch Art. 1 des Dritten Gesetzes zur Umsetzung steuerlicher Hilfsmaßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise (Drittes Corona-Steuerhilfegesetz) v. 10.2.2021, BGBl 2021 I S. 330.
[4] § 10d Abs. 1 EStG i. V. m. § 52 Abs. 18b letzter Satz EStG i. d. F. des Art. 2 des Zweiten Gesetzes zur Umsetzung steuerlicher Hilfsmaßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise (Zweites Corona-Steuerhilfegesetz) v. 29.6.2020, BGBl 2020 I S. 1512; § 10d Abs. 1 EStG i. V. m. § 52 Abs. 18b letzter Satz EStG i. d. F. des Art. 2 und i. V. m. Art. 6 Abs. 2 des Dritten Gesetzes zur Umsetzung steuerlicher Hilfsmaßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise (Drittes Corona-Steuerhilfegesetz) v. 10.2.2021, BGBl 2021 I S. 330.

4.3.1 Höchstbetrag

Die Betragsbegrenzung gilt personenbezogen für alle Verluste des einzelnen Steuerpflichtigen, nicht pro Einkunftsart. Das gilt auch bei Personengesellschaften oder -gemeinschaften. Daher gilt in solchen Fällen der Höchstbetrag für jeden Beteiligten. Der Anteil des einzelnen Beteiligten an dem Verlust ergibt sich aus der einheitlichen und gesonderten Feststellung für die Gesellschaft oder Gemeinschaft. Über die Gewährung des Höchstbetrags wird im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung des einzelnen Steuerpflichtigen entschieden.[1] Wegen des allgemeinen Verweises auf § 10d EStG in den gesetzlichen Regelungen über die Verlustverrechnungsbeschränkungen[2] sind diese in die Betragsbegrenzung mit einzubeziehen.[3]

 
Praxis-Beispiel

Begrenzung des Verlustrü...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Finance Office Premium. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Finance Office Premium 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge