Gewerbesteuer: Übersicht zur Berechnung und Rückstellung

Zusammenfassung

 
Überblick

In diesem Beitrag finden Sie eine komprimierte Darstellung der Gewerbesteuerberechnung und Gewerbesteuerrückstellung.

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Regelungen zur Gewerbesteuerberechnung finden sich in den §§ 7, 8, 9, 10, 10a, 11, 14 und 16 GewStG; dazu die entsprechenden Richtlinien R 7-11 und 14-16 GewStRL und die amtlichen Hinweise H 7-11 und 14-16 GewStH. Regelungen zu Gewinnkorrekturen nach dem Einkommensteuergesetz finden sich in den §§ 4 Abs. 5, 4 Abs. 5b EStG. Die einkommensteuerrechtliche Steuerermäßigung bei Einkünften aus Gewerbebetrieb ist in § 35 EStG geregelt.

Gesetz zur weiteren steuerlichen Förderung der Elektromobilität und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften vom 12.12.2019. Anzuwenden ab 1.1.2020.

Erleichterungen in Zusammenhang mit den Belastungen des Coronavirus sind im BMF-Schreiben und den gleichlautenden Erlassen der Länder v. 19.3.2020, IV A 3 – S 0336/19/10007 : 002 dargestellt.

1 Gewerbesteuer: So wird die Gewerbesteuer berechnet

Die Gewerbesteuer wird berechnet aus

  • dem Gewinn aus Gewerbebetrieb,
  • den Hinzurechnungen und Kürzungen,
  • den Verlustverrechnungen aus den Vorjahren,
  • evtl. Freibeträgen,
  • der Gewerbesteuermesszahl und
  • dem Hebesatz.
 
+ Gewinn aus Gewerbebetrieb § 7 GewStG
  Hinzurechnungen (I)   Summe § 8 Nr. 1a-f GewStG
  Freibetrag 100.000  
  Differenz = Rest  
  Ansatz × 25 %  
+ Hinzurechnungsbetrag (I) =    
+ Hinzurechnungen (II) § 8 Nrn. 2-12 GewStG
Kürzungen § 9 GewStG
= Gewerbeertrag § 10 GewStG
Gewerbeverlust § 10a GewStG
= Zwischensumme (abgerundet auf volle 100 EUR) § 11 Abs. 1 Satz 3 GewStG
Freibetrag: Einzel-UN, PersGes 24.500 EUR § 11 Abs. 1 Satz 3 Nrn. 1, 2 GewStG
    KapGes 0 EUR
    Bestimmte juristische Personen 5.000 EUR
= Gewerbeertrag nach Freibetrag  
× Steuermesszahl 3,5 % § 11 Abs. 2 GewStG
= Gewerbesteuermessbetrag § 11 Abs. 1 Satz 1 GewStG und § 14 GewStG
× Hebesatz (Prozentzahl der Gemeinde) § 16 GewStG
= Gewerbesteuer  

Tab. 1: Berechnungsschema Gewerbesteuer

2 Wie der Gewerbeertrag berechnet wird

2.1 Grundlage ist der "Gewinn aus Gewerbebetrieb"

Die Ermittlung des Gewinns aus Gewerbebetrieb richtet sich nach dem Einkommen- bzw. Körperschaftsteuergesetz.[1] Als Gewinn aus Gewerbebetrieb gelten bei

  • Einzelunternehmen: die Einkünfte aus Gewerbebetrieb;[2]
  • Personengesellschaften: der einheitlich und gesondert festgestellte Gewinn aus Gewerbebetrieb;[3]
  • Kapitalgesellschaften und juristischen Personen: das körperschaftsteuerliche Einkommen.[4]

In der Regel werden die einkommensteuerlichen Gewinne bzw. körperschaftsteuerlichen Einkommen mit dem Gewinn aus Gewerbebetrieb übereinstimmen. Eine rechtliche Bindung besteht jedoch nicht. Im Extremfall kann es vorkommen, dass z. B. eine fehlerhafte Einkommensteuer nicht mehr geändert werden kann, gleichzeitig aber die Gewerbesteuer noch nicht verjährt ist und der Gewinn aus Gewerbebetrieb für die Gewerbesteuer abweichend von der fehlerhaften Einkommensteuer berechnet werden kann.

Bilanzierungswahlrechte dürfen nur einheitlich in der Einkommensteuer/Körperschaftsteuer einerseits und Gewerbesteuer andererseits ausgeübt werden.

Gewinnkorrekturen laut Einkommensteuergesetz (EStG)

Der Gewinn aus Gewerbebetrieb wird nach einkommensteuerlichen (bzw. körperschaftsteuerlichen) Vorschriften ermittelt. Dazu wird der Gewinn laut Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) entsprechend diesen Vorschriften angepasst. Einkommensteuerrechtliche Gewinnkorrekturen sind z. B. die Hinzurechnung der Gewerbesteueraufwendungen zzgl. Nebenleistungen.[5]

 
Achtung

Gewerbesteuer ist keine Betriebsausgabe

Unabhängig von der Rechtsform sind entstandene Gewerbesteuern und darauf entfallende Nebenleistungen (Säumniszuschläge, Verspätungszuschläge, Zinsen und Zwangsgelder) seit 2008 nicht mehr abzugsfähig.[6]

 
Praxis-Beispiel

Einkommensteuerliche Gewinnkorrekturen

 
S GuV (Einzelunternehmen) H
Aufwand 93.000 EUR Erlöse 200.000 EUR
Gewerbesteuer 14.000 EUR    
Bewirtungskosten 10.000 EUR    
Gewinn 83.000 EUR    
Summe 200.000 EUR Summe 200.000 EUR

Einkommensteuerliche Gewinnermittlung

 
Gewinn laut GuV 83.000 EUR  
+ Gewerbesteuer 14.000 EUR Die Gewerbesteuer ist nicht als Betriebsausgabe abziehbar.
+ Nicht abziehbare Bewirtungskosten 3.000 EUR Von den Bewirtungskosten sind 30 % nicht abziehbar und dem Gewinn wieder hinzuzurechnen.
= Gewinn 100.000 EUR  
Der einkommensteuerliche Gewinn beträgt 100.000 EUR. Damit beträgt der Gewinn aus Gewerbebetrieb ebenso 100.000 EUR.
 
Hinweis

Anpassung der Handelsbilanz an bilanzsteuerrechtliche Vorschriften

Wird der Gewinn nach Handelsrecht ermittelt, ist der Handelsbilanzgewinn in einen steuerlichen Gewinn zu überführen;[7] z. B. durch eine Überleitungsrechnung.

2.2 Hinzurechnungen: Welche Aufwendungen dem Gewinn aus Gewerbebetrieb nach § 8 GewStG hinzugerechnet werden müssen

2.2.1 Berechnungsmodus für bestimmte Hinzurechnungen

Seit 2008 werden die Hinzurechnungen gem. § 8 Nr. 1. GewStG nach folgenden Grundsätzen ermittelt: :

  • Es wird nicht mehr zwischen Dauerschulden und sonstigen kurzfristigen Schulden unterschieden – alle Schuldzinsen werden hinzugerechnet.
  • Sämtliche Hinzurechnungen erfolgen auch dann, wenn diese beim Empfänger der Entgelte der Gewer...

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