Umsatzsteuer, Kleinunternehmer

Wo die Probleme sind

  • Das richtige Konto
  • Grenzwertermittlung
  • Option zur Umsatzsteuer
  • Kontrolle der Grenzwerte
  • Umsatz bei der Differenzbesteuerung

1 So kontieren Sie richtig!

 
Praxis-Wegweiser: Das richtige Konto
Kontobezeichnung SKR 03 SKR 04 Eigener Kontenplan Bilanz/GuV
Erlöse als Kleinunternehmer i. S. d. § 19 Abs. 1 UStG 8195 4185   Erlöse als Kleinunternehmer i. S. d. § 19 Abs. 1 UStG
Erlöse 19 % USt 8400 4400   Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und Sachanlagen

So kontieren Sie richtig!

Nach Ablauf eines jeden Jahres muss geprüft werden, ob die Umsatzgrenze von 17.500 EUR (ab 2020: 22.000 EUR) überschritten bzw. unterschritten wird. Sinkt der Umsatz, sodass der Grenzwert von 17.500 EUR (ab 2020: 22.000 EUR) nicht überschritten wird, kann ein Wechsel zur Kleinunternehmerregelung vollzogen werden. Wird der Grenzwert überschritten, muss der Unternehmer ab dem 1.1. des nächsten Jahres seine Umsätze der Umsatzsteuer unterwerfen. Solange er den Grenzwert nicht überschreitet, bucht er seine, nicht der Umsatzsteuer unterliegenden, Umsätze auf das Konto "Erlöse als Kleinunternehmer i. S. d. § 19 Abs. 1 UStG" 8195/4185 (SKR 03/04) zu buchen.

 

Buchungssatz:

Bank

an Erlöse als Kleinunternehmer i. S. d. § 19 Abs. 1 UStG

1.1 Praxis-Beispiel für Ihre Buchhaltung: Buchung des steuerfreien Umsatzes

Herr Braun hat mit seiner unternehmerischen Tätigkeit am 1.3.02 begonnen. Sein tatsächlicher Umsatz, der ihm im Jahr 02 zufließt, beträgt 13.600 EUR. Der hochgerechnete Jahresumsatz beträgt somit 13.600 EUR : 10 × 12 Monate = 16.320 EUR. Er kann deshalb die Befreiung, seine Umsätze nicht der Umsatzsteuer unterwerfen zu müssen, als Kleinunternehmer in Anspruch nehmen.

Ergebnis: Herr Braun überschreitet nicht den Grenzwert von 17.500 EUR (ab 2020: 22.000 EUR) und kann somit auch im Jahr 03 seine Umsätze als Kleinunternehmer ohne Umsatzsteuer (rein netto) lassen.

Buchungsvorschlag:

 
Konto SKR 03/04 Soll Kontenbezeichnung Betrag Konto SKR 03/04 Haben Kontenbezeichnung Betrag
1200/1800 Bank 13.600 EUR 8195/4185 Erlöse als Kleinunternehmer 13.600 EUR
 
Achtung

Erhöhung der Umsatzgrenze ab 2020

Der Bundesrat hat am 8.11.2019 dem Bürokratieentlastungsgesetz III zugestimmt, wodurch die Umsatzgrenze ab 1.1.2020 auf 22.000 EUR erhöht wird.[1]

 
Wichtig

Der Jahresumsatz ist maßgeblich

Bei der Grenze von 17.500 EUR (ab 2020: 22.000 EUR) wird auf den Jahresumsatz des Vorjahres abgestellt. Wird der Betrieb unterjährig eröffnet, ist der Jahresumsatz auf volle 12 Monate hochzurechnen.

[1] BT-Drucks. 19/14421.

2 Wer als Kleinunternehmer keine Umsatzsteuer zahlen muss

Kleinunternehmer im Sinne des § 19 Abs. 1 UStG brauchen für ihre Umsätze keine Umsatzsteuer zu zahlen. Kleinunternehmer ist derjenige, dessen Umsatz

  • im Vorjahr nicht höher war als 17.500 EUR (ab 2020: 22.000 EUR) und
  • im laufenden Jahr voraussichtlich nicht höher als 50.000 EUR sein wird.

Werden beide Grenzwerte nicht überschritten, wird die Umsatzsteuer nicht erhoben, d. h., die Umsätze unterliegen nicht der Umsatzsteuer. Die Kehrseite ist, dass auch der Vorsteuerabzug entfällt. Wer dies nicht will, kann seine Umsätze freiwillig der Umsatzsteuer unterwerfen (= Option zur Umsatzsteuer). An diese Wahl ist der Unternehmer für insgesamt 5 Jahre gebunden.

 
Praxis-Tipp

Die Umsatzgrenze muss jedes Jahr überprüft werden

Nach Ablauf eines jeden Jahres muss geprüft werden, ob die Umsatzgrenze von 17.500 EUR unter- oder überschritten wird. Sinkt der Umsatz, sodass der Grenzwert von 17.500 EUR (ab 2020: 22.000 EUR) nicht überschritten wird, kann ein Wechsel zur Kleinunternehmerregelung vollzogen werden. Weist der Unternehmer nach wie vor die Umsatzsteuer aus, optiert er automatisch zur Umsatzsteuer. Daran ist er dann für die nächsten 5 Jahre gebunden.

Überschreitet der Unternehmer den Grenzwert, muss er ab dem 1.1. des nächsten Jahres seine Umsätze der Umsatzsteuer unterwerfen und dementsprechend in seinen Rechnungen Umsatzsteuer offen ausweisen. Wird die Umsatzsteuer in der Rechnung nicht ausgewiesen, muss die Umsatzsteuer aus dem Gesamtbetrag herausgerechnet werden.

In diesem Zusammenhang spielt es keine Rolle, ob die Grenze bewusst überschritten wurde und ob bekannt war, welche Konsequenzen damit verbunden sind.

Die Grenze von 17.500 EUR (ab 2020: 22.000 EUR) ist starr, sodass auch ein geringfügiges Überschreiten die Anwendung von § 19 UStG ausschließt.[1] Im entschiedenen Fall erzielte der betreffende Kleinunternehmer Umsätze von 18.172 EUR. Er war der Auffassung, dass bei einer so geringfügigen Überschreitung der Umsatzgrenze die Kleinunternehmerregelung Anwendung finden müsse. Aber nach Ansicht der Finanzrichter schließt auch ein nur geringfügiges Überschreiten der Umsatzgrenze die Anwendung der Kleinunternehmerregelung aus.

Der Unternehmer wird die Umsatzsteuer, die er versehentlich nicht berechnet hat, nicht nachberechnen können, wenn es sich um Privatkunden handelt, die nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt sind. Bei umsatzsteuerpflichtigen Kunden ist dies anders, weil sie zum Vorsteuerabzug berechtigt sind und ihnen deshalb durch eine Nachberechnung der Umsatzsteuer kein Nachteil entsteht.

 
Praxis-Beispiel

Korrektur gegenüber den Kunden: Die Umsatz...

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