Steuern in der Rechnungslegung / 4.1 Allgemeine Grundsätze der IFRS-Rechnungslegung als Grundlage der Abbildung von Steuern
 

Rz. 122

Das Conceptual Framework sowie IAS 1 enthalten ähnlich wie das HGB mit den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung allgemeine Rechnungslegungsgrundsätze. Diese sind zwar für die Auslegung von Rechnungslegungsfragen nur subsidiär heranzuziehen, aber sie helfen u. a. den Abschlusserstellern, die bestehenden IFRS anzuwenden und mit Bilanzierungsfragen umzugehen, die noch Gegenstand zu entwickelnder Standards sind, sowie den Abschlussprüfern bei der Beurteilung, ob Abschlüsse IFRS-konform sind.

Das Conceptual Framework teilt die Rechnungslegungsgrundsätze in die Kategorien "fundamentale qualitative Anforderungen an die Finanzberichterstattung", "fördernde qualitative Anforderungen an die Finanzberichterstattung" und die "Kosten" als Beschränkungen für nützliche Informationen ein. Darüber hinaus enthält IAS 1 ebenfalls noch einige allgemeine Rechnungslegungsgrundsätze, die zum Teil einzelne Grundsätze des Conceptual Framework präzisieren (z. B. Wesentlichkeit oder Saldierung von Posten als Präzisierung der verlässlichen Darstellung von Finanzinformationen) und zum anderen Teil Grundsätze enthalten, welche die "zugrunde liegende Annahmen" der Rechnungslegung beinhalten.

 

Rz. 123

Insbesondere die nachfolgend genannten Rechnungslegungsgrundsätze haben eine wesentliche Bedeutung für die Abbildung von Steuern in der IFRS-Rechnungslegung:

  • Grundsatz der Periodenabgrenzung (IAS 1.27 – 1.28)

    Gem. diesem Grundsatz sind die Auswirkungen von Geschäftsvorfällen und anderer Ereignisse in Bilanz und Ergebnisrechnung zu den Zeitpunkten zu erfassen, wenn die Kriterien für die in Bilanz und Ergebnisrechnung erfassten Elemente vorliegen, und nicht, wenn ein Zahlungsmittel oder -äquivalent eingeht oder bezahlt wird. Dieser Grundsatz hat – im Vergleich zur deutschen Rechnungslegung – tendenziell eine größere Bedeutung, da er in der Struktur der IFRS-Rechnungslegung eine herausgehobene Position hat. Ausgenommen hiervon ist die Kapitalflussrechnung, die gerade möglichst exakt die in einer Periode angefallenen Zahlungsströme abbilden soll.

  • Grundsätze der Verständlichkeit von Information (Conceptual Framework.QC 30 – QC 32)

    Dieser Grundsatz ist insbesondere für die nicht ertragsabhängigen Steuern heranzuziehen, da deren Ausweis in den einzelnen IFRS-Standards nicht explizit geregelt ist.

  • Grundsatz der Entscheidungsrelevanz von Informationen (Conceptual Framework.QC 6 – QC 11), insbesondere Grundsatz der Wesentlichkeit (Conceptual Framework.QC 11) im Zusammenhang mit den die qualitativen Anforderungen an die Finanzberichterstattung beschränkenden Kosten (Conceptual Framework. QC 35 – QC 39)

    Die Wesentlichkeit hat sowohl eine quantitative als auch eine qualitative Komponente. Im Zweifelsfall ist auf die Informationserwartung der Abschlussadressaten und die Unternehmensspezifika abzustellen; hinsichtlich der Abbildung von Steuern kann – im Vergleich mit anderen Geschäftsvorfällen – von einer erhöhten Informationserwartung der Abschlussadressaten ausgegangen werden, sodass enge Grenzen gezogen werden müssen.

  • Grundsätze der glaubwürdigen Darstellung von Informationen (Conceptual Framework. QC 12 – 16)

    Eine Darstellung ist gem. Conceptual Framework. QC 12 Satz 2 dann als glaubwürdig zu charakterisieren, wenn Informationen die ihnen zugrunde liegenden Sachverhalte möglichst getreu widerspiegeln, die sie vorgeben abzubilden. Zu den Komponenten der glaubwürdigen Darstellung zählen im Einzelnen die Grundsätze der Vollständigkeit, der Neutralität und der Freiheit von Fehlern. Die in dem dem Conceptual Framework vorausgehenden IAS-Framework noch als eigenständige Sekundäranforderung genannte wirtschaftliche Betrachtungsweise ist nunmehr in der glaubwürdigen Darstellung von Finanzinformationen unmittelbar eingeschlossen, da nach Auffassung des IASB Finanzinformationen nur dann als eine glaubwürdige Darstellung eines ökonomischen Phänomens gelten können, wenn diese – ungeachtet ihrer rechtlichen Form – die ökonomische Substanz der ihnen zugrunde liegenden Transaktionen, Ereignisse oder Umstände abbilden. Aus der wirtschaftlichen Betrachtungsweise und dem hierauf aufbauenden IAS 1.33 kann beispielsweise das Absetzen der Energiesteuer von den Umsatzerlösen bei Mineralöl und Erdgas vertreibenden Unternehmen gefolgert werden.

Das Conceptual Framework führte zu einer Streichung des vormals im IAS-Framework als Sekundäranforderung der Verlässlichkeit enthaltenen Vorsichtsprinzips wegen der Unvereinbarkeit mit dem Grundsatz der Neutralität. Aufgrund der Kritik an der Streichung des Vorsichtsprinzips im DP/2013/1 enthält ED/2015/3. Kapitel 2.18 nunmehr eine Referenz des Grundsatzes der Neutralität zum Vorsichtsprinzip im Sinne eines vorsichtigen Vorgehens beim Treffen von Einschätzungen (insb. Bewertungsentscheidungen) unter Unsicherheit. Die vorsichtige Ermittlung von Wertansätzen bei Unsicherheit soll sowohl die Überbewertung von Vermögenswerten und Erträgen (bzw. die Unterbewertung von Schulden bzw. Aufwendungen) als auch die Überbewertung von Schulden u...

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