Pensionen und sonstige Vers... / 1.11 Mehrere Versorgungsbezüge

Bei mehreren Versorgungsbezügen mit unterschiedlichem Bezugsbeginn bestimmen sich der maßgebende Prozentsatz für den steuerfreien Teil der Versorgungsbezüge, der Höchstbetrag des Versorgungsfreibetrags sowie der Zuschlag zum Versorgungsfreibetrag nach dem Beginn des jeweiligen Versorgungsbezugs. Die Summe aus den jeweiligen Freibeträgen für Versorgungsbezüge wird nach § 19 Abs. 2 Satz 6 EStG auf den Höchstbetrag des Versorgungsfreibetrags und den Zuschlag zum Versorgungsfreibetrag nach dem Beginn des ersten Versorgungsbezugs begrenzt. Fällt der maßgebende Beginn mehrerer laufender Versorgungsbezüge in dasselbe Kalenderjahr, können die Bemessungsgrundlagen aller Versorgungsbezüge zusammengerechnet werden, da in diesen Fällen für sie jeweils dieselben Höchstbeträge gelten.

 

Praxis-Beispiel

Beispiel 1 Versorgungsbeginn bei Bezug mehrerer Versorgungsbezüge im gleichen Kalenderjahr

A erhält seit dem 1.5.2018 (= 8 Monate in 2018) eine Werkspension von monatlich 300 EUR (Bemessungsgrundlage für den Versorgungsfreibetrag = 3.600 EUR) und ab 1.7.2018 eine weitere Werkspension von monatlich 200 EUR (Bemessungsgrundlage für den Versorgungsfreibetrag = 2.400 EUR).

Da die Versorgungsbezüge erstmals für 2018 gezahlt wurden, ergeben sich für die Berechnung des Versorgungsfreibetrags ein Prozentsatz von 19,2 % und ein Höchstbetrag von 1.440 EUR. Die Bemessungsgrundlagen für die Versorgungsbezüge können zusammengerechnet werden, weil der Beginn beider Werkspensionen in das Jahr 2018 fällt: 3.600 EUR + 2.400 EUR = 6.000 EUR. Davon werden berücksichtigt:

 
19,2 % von 6.000 EUR = 1.152 (maximal 1.440 EUR) 1.152 EUR
+ Zuschlag zum Versorgungsfreibetrag + 432 EUR
Summe 1.584 EUR

Werden Versorgungsbezüge nur für einen Teil des Kalenderjahres gezahlt, ermäßigen sich der Versorgungsfreibetrag und der Zuschlag zum Versorgungsfreibetrag für jeden vollen Kalendermonat, für den keine Versorgungsbezüge gezahlt werden, in diesem Kalenderjahr um je 1/12. Bei Zahlung mehrerer Versorgungsbezüge erfolgt eine Kürzung nur für Monate, für die keiner der beiden Versorgungsbezüge geleistet wird:

 
zeitanteiliger Ansatz für 8 Monate: 1.584 EUR : 12 × 8 = 1.056 EUR
 

Praxis-Beispiel

Beispiel 2 Versorgungsfreibetrag bei Bezug von eigenen Versorgungsbezügen und Hinterbliebenenbezügen

Die Eheleute A und B erhalten jeweils eigene Versorgungsbezüge, A seit 2005, B seit 2006. Im Jahr 2018 verstirbt A. Der überlebenden Ehefrau B werden ab 2018 zusätzlich zu ihren eigenen Versorgungsbezügen von monatlich 400 EUR Hinterbliebenenbezüge von 250 EUR gezahlt.

Der Versorgungsfreibetrag und der Zuschlag zum Versorgungsfreibetrag der B richten sich nach dem Jahr des Beginns ihrer eigenen Versorgungsbezüge, d. h. 2006. Der Versorgungsfreibetrag beträgt demnach 38,4 % von 4.800 EUR (= 12 x 400 EUR) = 1.844 EUR, der Zuschlag zum Versorgungsfreibetrag beträgt 864 EUR.

Der Versorgungsfreibetrag und der Zuschlag für die Hinterbliebenenbezüge richten sich nach dem Jahr des Beginns der Versorgungsbezüge des verstorbenen A, d. h. 2005. Der Versorgungsfreibetrag für die Hinterbliebenenbezüge beträgt demnach 40 % von 3.000 EUR (= 12 x 250 EUR) = 1.200 EUR, der Zuschlag zum Versorgungsfreibetrag beträgt 900 EUR.

Die Summe der Versorgungsfreibeträge beträgt 1.844 EUR + 1.200 EUR = 3.044 EUR. Der insgesamt berücksichtigungsfähige Höchstbetrag bestimmt sich nach dem Jahr des Beginns des ersten Versorgungsbezugs (2005: 3.000 EUR). Da der Höchstbetrag überschritten ist, ist der Versorgungsfreibetrag auf insgesamt 3.000 EUR zu begrenzen. Auch die Summe der Zuschläge zum Versorgungsfreibetrag (864 EUR + 900 EUR =) von 1.764 EUR ist nach dem maßgebenden Jahr des Versorgungsbeginns (2005) auf insgesamt 900 EUR zu begrenzen.

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Finance Office Professional. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Finance Office Professional 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Artikel.


Meistgelesene beiträge