COVID-19 verändert die Arbeitswelt und zwingt viele Unternehmen zum ersten Mal, New Work zu leben. Der Begriff New Work beschreibt den grundlegenden nachhaltigen Wandel, getrieben von tiefgreifenden Veränderungen, die auf gesellschaftlicher sowie auf Unternehmensebene stattfinden. Demzufolge greift er auch auf eine neue Definition des Arbeitsbegriffs zurück. Damit gehen neue Anforderungen an Manager, Führungskräfte und Mitarbeiter einher. Ziel ist ein Wandel des Verständnisses und der Ausgestaltung von Arbeit in der Praxis.[1]

Es stellt sich die Frage, ob der Wandel nur krisentauglich oder auch nach der Krise unumgänglich ist. Seit deren Ausbruch arbeiten immer mehr Menschen im Homeoffice – sofern ihre Tätigkeiten dafür geeignet sind. Auch in Unternehmen, die diese Form der Tätigkeit bislang nur tageweise oder nicht für alle Mitarbeiter ermöglicht haben, wurden inzwischen häufig so viele Angestellte wie möglich ins Homeoffice geschickt. Allerdings zeigt sich dabei auch, dass nicht überall die technischen Voraussetzungen dafür vorhanden sind – es mangelt bspw. an der notwendigen Anzahl von Notebooks für die Mitarbeiter oder an Lizenzen für VPN (virtuelles privates Netzwerk)-Zugänge.[2] Die nachfolgende Abbildung verdeutlicht den aktuellen Trend zum Homeoffice. Bereits vor der Krise zeichnete sich der Trend zum Homeoffice ab, in der Krise hat sich dieser Trend deutlich fortgeschrieben, wodurch auch nach der Krise mit einem Anstieg an Homeoffice-Arbeit zu rechnen ist.

Abb. 30: Anteil der Beschäftigten (verarbeitendes Gewerbe) im Homeoffice[3]

Einschlägige Studien zeigen, dass Unternehmen aus der Not heraus das Thema New Work gut umgesetzt haben. Zum Beispiel blieben Organisationen sowie ihre Mitarbeiter durch Arbeit und Kooperation auf Distanz leistungsfähig, obwohl die bisherige IT-Ausstattung nur auf mobiles Arbeiten von unterwegs ausgerichtet ist (nicht jedoch auf die Besonderheiten eines stationären Arbeitsplatzes). Darüber hinaus haben die Unternehmen und vor allem die Mitarbeiter mehrheitlich bewiesen, auch in Krisensituationen eine existenzbedrohende Situation gemeinsam agil zu bewältigen. Die Entwicklung wurde durch die fortschreitende digitale Transformation angeschoben, die eine digitale, kooperative Arbeitsumgebung erst ermöglicht. Begleitet wurde dies durch die Gestaltung einer nachhaltigen Arbeitsorganisation sowie einer ressourcenschonenden Umsetzung der Kommunikation. Dies zeigte sich in der vermehrten Nutzung virtueller Kommunikation statt Dienstreisen.

Für das Controlling bedeutet dies, alle Faktoren, die das Themenfeld New Work betreffen, zu durchleuchten und alle Aspekte (Chancen und Risiken) in der Szenarioanalyse zu berücksichtigen:

  • Investition in Hardware (z. B. mobile Lösungen) und Software (z. B. Konferenz, Datenverwaltung und -austausch)
  • Personalmanagement (flexiblere Arbeitsmodelle, Führung auf Distanz, Aus- und Weiterbildung)
  • Auswirkungen von Homeoffice auf den Arbeitsschutz (Arbeitszeit, Überwachung und Datensicherheit)

Dabei muss das Controlling stets die Personalkapazität im Blick haben, d. h. alle zuvor genannten Chancen und Risiken bedingen mitunter die Personalkapazität, bspw. flexiblere Arbeitsmodelle.

Eine weitere Entwicklung, die vor der Krise Einzug in den Arbeitsalltag gehalten hat, ist Gig-Work (unabhängige und flexible Formen der Arbeit). Es handelt sich hierbei um eine unabhängige sowie flexible Form von kleinen, zeitlich befristeten Aufträgen über Onlineplattformen.[4] Der Begriff "Gig" stammt aus der Musikbranche und umschreibt einen kurzen bezahlten Auftritt. Vor der Krise galt diese Arbeitsform als Wettbewerbsvorteil, jedoch hat sich währenddessen gezeigt, dass gerade Gig-Worker stark von der Krise betroffen sind. Für Verdienstausfälle im Krankheitsfall müssen sie selbst aufkommen; das betrifft aktuell selbstständig arbeitende Taxifahrer und Lieferanten genauso wie die Gruppe der Freelancer: Designer, Software-Entwickler oder Produktspezialisten. Im Rahmen einer Studie von SAP Fieldglass und Oxford Economics (s. Abb. 30) wurde ermittelt, wie hoch der Bedarf an Gig-Workern ist. Diesbezüglich gaben 38 Prozent der befragten Manager an, bereits über die einschlägigen Plattformen Freelancer rekrutiert zu haben. In vielen Unternehmen wird der Bedarf zukünftig noch größer werden. Für die nächsten Jahre prognostiziert die Studie einen deutlichen Anstieg der Nachfrage. Ein weiteres Beispiel stellt die Ausschreibung von Problemen auf Innovationsplattformen dar, Unternehmen nutzen Open-Innovation-Plattformen, um Innovationsvorhaben voranzutreiben. Potenzial dieser Neuerung stellt die Zeiteinsparung bei der Ideengenerierung und -entwicklung dar, was zu einer Beschleunigung des Innovationsprozesses führt. Durch die bereits vorhandenen Problemlöser auf der Plattform werden zudem Kosten für die Suche nach geeigneten Partnern reduziert bzw. der Zugang zu einer bestimmten Community überhaupt geschaffen.[5]

Abb. 31: Steigender Bedarf an Gig-Workern[6]

Die Steuerung von Gig-Workern erfordert v...

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