Weitere Abschlussbestandteile

1 Eigenkapitalveränderungsrechnung (im Verhältnis zur Gesamtergebnisrechnung)

IAS 1.106 ff. sieht als besonderen Bestandteil des Jahresabschlusses eine Eigenkapitalveränderungsrechnung (statement of changes in equity) vor, die mindestens Folgendes zeigt:

  • das Gesamtergebnis (als Summe aus GuV-Ergebnis und ohne Berührung der GuV des direkt im Eigenkapital erfassten sonstigen Ergebnisses (other comprehensive income – OCI),
  • die Wirkung der Änderungen von Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden sowie der Berichtigung von Fehlern.
  • die Transaktionen mit Eigenkapitalgebern (Einlagen, Entnahmen, Ausschüttungen).

Die Angaben zur Entwicklung einzelner Eigenkapitalkategorien und als deren Bestandteil die Angaben zu den Komponenten des sonstigen Ergebnisses (der Gesamtergebnisrechnung) können wahlweise im Anhang geleistet werden (IAS 1.106A).

Die nachfolgende Darstellung der Eigenkapitalveränderungsrechnung sieht eine Aufschlüsselung in der Eigenkapitalveränderungsrechnung selbst vor:

 
  Gez. Kap. Kap. RL Neubew. RL RL
Zeitbew.
Akkum. Gewinn Summe
Saldo 1.1.01            
+/– Änderung Bilanzierungs- und
Bewertungsmethoden sowie
Bilanzkorrektur
           
= Angepasster Saldo 1.1.01            
Ergebnis aus Zeitbewertung
bestimmter Finanzinstrumente
           
+/– Überschuss/Fehlbetrag aus
Neubewertung von ...
(z. B. Grundstücken)
           
= Sonstiges Gesamtergebnis (OCI)            
+ Periodenergebnis            
= Gesamtergebnis            
– Dividenden            
+ Kapitalerhöhung            
+ Angepasster Saldo 1.1.01 (s. o.)            
= Saldo 31.12.01            

Tab. 1: Eigenkapitalveränderungsrechnung im Einzelabschluss

 

Beispiel

  1. Die Equity GmbH verfügt per 1.1.01 über ein gezeichnetes Kapital von 100 TEUR sowie Gewinnrücklagen und einen Gewinnvortrag von je 50 TEUR.
  2. In 01 wird ein grundlegender Fehler der Vorjahre korrigiert (bisher buchmäßig bilanzierte, tatsächlich aber unterschlagene Vorräte 10 TEUR; keine Steuerwirkung).
  3. Bei erfolgsneutral zum Zeitwert erfassten Wertpapieren liegt der Zeitwert per 1.1. um 10 TEUR und per 31.12. noch um 8 TEUR über den Anschaffungskosten (jeweils nach latenten Steuern).
  4. Grund und Boden wird neu bewertet (Zuschreibung 30 TEUR).
  5. Die GuV der Periode weist ein Ergebnis von 74 TEUR aus.
  6. Eine Dividende von 10 TEUR (auf das Vorjahresergebnis) wird ausgeschüttet.
  7. In 01 wird außerdem das Kapital um 20 TEUR nominal bei einem Agio von 15 TEUR erhöht.

Der Steuersatz beträgt 40 %.

 
  Gez. Kap. Kap. RL Neubew. RL RL
Zeitbew.
Akkum. Gewinn Summe
Saldo 1.1.01 (1 und 3) 100     10 100 210
– Bilanzkorrektur (2)         -10 -10
= Angepasster Saldo 1.1.01 100     10 90 200
Ergebnis aus erfolgsneutraler Zeitbewertung
Wertpapiere (nach Steuer)
(1 und 3)
     
–2
 
–2
+ Überschuss aus Neubewertung von Grund und Boden (nach Steuern) (4)    
18
   
18
= Sonstiges Gesamtergebnis     18 -2   16
+ Periodenergebnis (5)         74 74
= Gesamtergebnis     18 –2 74 90
– Dividende (6)         –10 –10
+ Kapitalerhöhung (7) 20 15       35
+ Angepasster Saldo 1.1.01 100     10 90 200
= Saldo 31.12.01 120 15 18 8 154 315

Nach § 297 Abs. 1 HGB ist ein ähnlicher "Eigenkapitalspiegel" auch für den handelsrechtlichen Konzernabschluss vorgeschrieben.

Im Konzernabschluss (nach HGB oder IFRS) ist auch der Minderheitenanteil (nicht beherrschende Anteile) als Eigenkapital zu berücksichtigen. Das vorstehende Schema ist dann wie folgt zu variieren:

 
  Gez. Kap. und Kap. RL RL Währ., Zeit- und Neubew. Akkum. Gewinn Summe Mehrheitsges. Nicht beherr. Anteile Summe
Saldo 1.1.01            
+/– Änderung Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden
sowie Bilanzkorrektur
           
= Angepasster Saldo 1.1.01            
Ergebnis aus erfolgsneutraler Zeitbewertung
bestimmter Finanzinstrumente
           
+/– Überschuss/Fehlbetrag aus Neubewertung von …
(z. B. Grundstücken)
           
= Sonstiges Gesamtergebnis (OCI)            
+ Periodenergebnis            
= Gesamtergebnis            
– Dividenden            
+ Kapitalerhöhung            
+ Angepasster Saldo 1.1.01 (s. o.)            
= Saldo 31.12.01            

Tab. 2: Eigenkapitalveränderungsrechnung im Konzernabschluss

2 Kapitalflussrechnung

IAS 1.10 und IAS 1.111 verlangen von allen Unternehmen die Aufstellung einer Kapitalflussrechnung. Der Bilanzadressat soll die Fähigkeit des Unternehmens beurteilen können, Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente zu erwirtschaften. Während § 297 Abs. 1 HGB die Aufstellung einer Kapitalflussrechnung nur für den Konzernabschluss fordert, gelten die IFRS-Vorschriften ebenso für den Einzelabschluss.

Der Aufbau der Kapitalflussrechnung ist im Einzelnen in IAS 7 erläutert. Gegenüber dem Deutschen Rechnungslegungsstandard Nr. 22 (DRS 22) besteht in Inhalt und Aufbau der Kapitalflussrechnung weitgehende Übereinstimmung. Die Kapitalflussrechnung ist nach der Entstehung der Geldflüsse in drei Bereiche gegliedert:

  • Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit,
  • Cashflow aus Investitionstätigkeit (Anschaffung und Veräußerung von Anlagevermögen),
  • Cashflow aus Finanzierungstätigkeit (Darlehensaufnahmen und -tilgungen, Kapitaleinlagen und Dividenden).

Aus der S...

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