Direktversicherung / 3 Altverträge: Zusagen vor dem 1.1.2005

Bis 31.12.2004 spielte es keine Rolle, ob es sich handelte um

  • Kapitalversicherungen einschließlich Risikoversicherungen,
  • Rentenversicherungen oder
  • fondsgebundene Lebensversicherungen

und welche Laufzeit vereinbart wurde.

3.1 Übergangsregelung für Altverträge

Die Versicherungsprämien können durch den Arbeitgeber lohnsteuer- und sozialversicherungsrechtlich unterschiedlich behandelt werden. Übernimmt der Arbeitgeber die pauschale Lohnsteuer von 20 % zzgl. Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer, sind die Beiträge sozialversicherungsfrei.

Pauschalierungsvoraussetzungen

Mit dem Alterseinkünftegesetz zum 1.1.2005 wurde der § 3 Nr. 63 ESG neu gefasst und die Pauschalbesteuerung bei der Direktversicherung abgeschafft. Die Pauschalierung durfte seit dem nur noch angewandt werden

  • bei arbeitgeberfinanzierten Altverträgen bzw.
  • bei Direktversicherung durch Gehaltsumwandlung nur dann, wenn der Arbeitnehmer bis zum 30.6.2005 eine Verzichtserklärung schriftlich abgegeben hatte, in der er auf die Steuerfreiheit nach § 3 Nr. 63 EStG verzichtete.
  • wenn neben einem "alten" Direktversicherungsvertrag ein "neuer" Vertrag abgeschlossen wird und die bisher erteilte Versorgungszusage nicht um zusätzliche biometrische Risiken erweitert wird. Dies gilt auch, wenn der Vertrag bei einem anderen Versicherungsunternehmen abgeschlossen wurde.

Pauschalierungsfähig sind nur solche Beträge und Zuwendungen für den Arbeitnehmer,

  • die 1.752 EUR im Kalenderjahr nicht übersteigen (Pauschalierungsgrenze);
  • sie müssen außerdem aus einem ersten Dienstverhältnis bezogen werden.

Übersteigen die Beiträge und Zuwendungen 1.752 EUR im Kalenderjahr, müssen sie in Höhe des übersteigenden Betrags dem normalen Lohnsteuerabzug unterworfen werden.

Die Pauschalierungsvoraussetzungen sind ab 2018 dahingehend vereinfacht worden, dass die Pauschalierung – auch bei Arbeitgeberwechsel – uneingeschränkt angewendet werden darf, wenn sie vor 2017 mindestens für einen Beitrag angewandt wurde. Alle anderen Voraussetzungen sind nicht mehr zu prüfen. Im Falle des Arbeitgeberwechsels genügt es, wenn der Arbeitnehmer nachweist, dass vor dem 1.1.2018 mindestens ein Beitrag nach § 40b EStG a. F. pauschal besteuert wurde (z. B. durch eine Gehaltsabrechnung oder die Bescheinigung durch Arbeitgeber oder Versicherung).

 

Hinweis

Pauschalbesteuerung sichert Steuerbegünstigung

Bei weiterer Anwendung der Pauschalversteuerung bleiben spätere Auszahlungen nach Ablauf von 12 Jahren insgesamt steuerfrei. Die Rentenzahlungen sind lediglich mit einem niedrigeren Ertragsanteil zu versteuern.

3.2 Pauschalversteuerung kann Beitragsfreiheit auslösen

In der Sozialversicherung ist zu unterscheiden:

  • ob die Beiträge vom Arbeitgeber zusätzlich zu den übrigen Lohnbezügen gezahlt werden oder
  • ob sie vom Arbeitnehmer im Wege der Gehaltsumwandlung finanziert werden.

Die Leistungen zu einer Direktversicherung bleiben immer beitragsfrei, wenn sie vom Arbeitgeber zusätzlich zum Arbeitslohn erbracht und pauschal versteuert werden.

Finanziert der Arbeitnehmer selbst die Direktversicherung durch Barlohnumwandlung, bleiben die Beitragszahlungen bei einem Altvertrag nur sozialversicherungsfrei, wenn sie durch Einmalzahlungen erbracht werden. Liegt Entgeltumwandlung und keine Einmalzahlung vor, sind die Beiträge sozialversicherungspflichtig. Auch hier gilt die Voraussetzung, dass die Beiträge nach § 40b EStG a. F. pauschal versteuert werden.

3.3 Vervielfältigungsregelung bei Beendigung des Dienstverhältnisses

Für Beiträge und Zuwendungen, die der Arbeitgeber aus Anlass der Beendigung des Dienstverhältnisses erbracht hat, vervielfältigt sich der Betrag von 1.752 EUR mit der Anzahl der Kalenderjahre, in denen das Dienstverhältnis des Arbeitnehmers zu dem Arbeitgeber bestanden hat, vermindert um die pauschal versteuerten Beiträge in den letzten 6 vorangegangenen Kalenderjahren.

3.4 Gehaltsumwandlung mit Abwälzung der pauschalen Lohnsteuer

Will der Arbeitgeber keine Beiträge zur Direktversicherung zusätzlich zum Arbeitslohn übernehmen, kann der Arbeitnehmer insoweit auf einen Teil seines Gehalts in Höhe der Versicherungsbeiträge verzichten. Der Arbeitgeber überweist dann die Versicherungsbeiträge und führt die pauschale Lohnsteuer ab. Da die Beiträge durch Barlohnumwandlung finanziert werden, unterliegt nur der gekürzte Barlohn dem Lohnsteuerabzug.

Die auf den Arbeitnehmer abgewälzte pauschale Lohnsteuer gilt nach § 40 Abs. 3 EStG als zugeflossener Arbeitslohn und mindert nicht die Bemessungsgrundlage für die individuelle Lohnsteuer.

 

Praxis-Beispiel

Direktversicherung mit Gehaltsumwandlung

Ein Arbeitnehmer erhält ein Bruttogehalt von monatlich 3.500 EUR (Steuerklasse IV, kinderlos, keine Kirchensteuer, 0,9 % Zusatzbeitrag). Monatlich werden 146 EUR durch Gehaltsumwandlung in die Direktversicherung eingezahlt. Der Arbeitgeber wälzt die pauschale Lohnsteuer auf den Arbeitnehmer ab.

 
Lohnabrechnungszeitraum 2019

Steuerpflichtig

EUR

SV-pflichtig

EUR

Pauschal versteuert

EUR

Gesamt

EUR
Gehalt 3.500,00     3.500,00
Direktversicherung durch Gehaltsumwandlung –146,00   146,00  
Steuer-Brutto 3.354,00      
Sozialversicherungs-Brutto   3.500,00    
Abwälzungsbetrag pauschale Lohnsteuer (20 % von 146 EUR)       –29,20
Abwälzungsbetrag pauschaler Solidaritätszuschlag (5,...

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