Betriebsprüfung, Zuschätzungen von Umsätzen

Wo die Probleme sind:

  • Das richtige Konto
  • Kassenbuch
  • Vermögenszuwachs
  • Geldverkehrsrechnung

1 So kontieren Sie richtig!

 

Praxis-Wegweiser:

"Das richtige Konto"

Kontenbezeichnung

Erlöse 19 % USt
Eigener Kontenplan SKR 03
  8400
IKR  
8500 SKR 04
  4400
 

Kostenstelle/

Schlüssel
 

Praxis-Wegweiser:

"Das richtige Konto"

Kontenbezeichnung

Privatentnahmen allgemein
Eigener Kontenplan SKR 03
  1800
IKR  
3100 SKR 04
  2100
 

Kostenstelle/

Schlüssel

So kontieren Sie richtig!

Wenn das Finanzamt eine Betriebsprüfung durchführt, prüft es zunächst die Ordnungsmäßigkeit der Buchführung. Wenn z. B. die Kassenführung nicht ordnungsgemäß ist und sich sogar Fehlbeträge ergeben, geht der Betriebsprüfer davon aus, dass nicht alle Betriebseinnahmen erfasst worden sind.

Er wird eine Zuschätzung vornehmen, mit der er das Konto "Erlöse 19 % USt" 8400 (SKR 03) bzw. 4400 (SKR 04) erhöht. Da die zugeschätzten Erlöse nicht im Betriebsvermögen vorhanden sind, muss der Betriebsprüfer unterstellen, dass die Beträge entnommen wurden. Somit erhöhen sich ebenfalls die Beträge auf dem Konto "Privatentnahmen allgemein" 1800 (SKR 03) bzw. 2100 (SKR 04).

 

Buchungssatz:

Entnahmen

an Erlöse

19 % USt

2 Praxis-Beispiel für Ihre Buchhaltung: Betriebsprüfer stellt Kassenfehlbetrag fest und schätzt Erlöse hinzu

Bei Herrn Krüger hat sich der Betriebsprüfer des Finanzamts angemeldet. Der Betriebsprüfer stellt einen Kassenfehlbetrag von 2.400 EUR fest. Er schätzt nicht nur diesen Fehlbetrag hinzu, sondern zusätzlich einen Betrag von 575 EUR, der üblicherweise als Kassenbestand vorhanden ist. Bei der Zuschätzung von 2.975 EUR handelt es sich um einen Bruttobetrag, sodass sich die Nettoerlöse um 2.500 EUR und die Umsatzsteuer um 475 EUR erhöhen. Eine Verbuchung dieses Vorfalls in der Buchführung von Herrn Krüger würde wie folgt aussehen:

Buchungsvorschlag:

 
Konto SKR 03 Soll Kontenbezeichnung Betrag Konto SKR 03 Haben Kontenbezeichnung Betrag
1800 Privatentnahmen allgemein 2.975 8400 Erlöse 19 % USt 2.975
 
Konto SKR 04 Soll Kontenbezeichnung Betrag Konto SKR 04 Haben Kontenbezeichnung Betrag
2100 Privatentnahmen allgemein 2.975 4400 Erlöse 19 % USt 2.975

3 Möglichkeiten der Zuschätzung bei fehlerhafter Buchführung

Das Finanzamt kann den Gewinn i. d. R. nur dann durch Zuschätzung erhöhen, wenn die Buchführung nicht ordnungsgemäß ist und sich Anhaltspunkte dafür ergeben, dass nicht alle Einnahmen erfasst worden sind. Zündstoff für Auseinandersetzungen mit dem Finanzamt bietet immer wieder das Kassenbuch.

Vermutet der Betriebsprüfer "schwarze" Einnahmen, schätzt er diese ebenfalls dem Gewinn hinzu. Ähnlich verfährt er, wenn er die Vermögens- und Einkommensverhältnisse nur schlecht überblicken kann. Bei dieser Zuschätzung wird er sich vornehmlich zweier Schätzungsverfahren bedienen: der Vermögenszuwachsrechnung und der Geldverkehrsrechnung.

3.1 Bei bargeldintensiven Branchen – Betriebsprüfungsschwerpunkt: Kasse

Bei Betrieben mit einem hohen Anteil an Barerlösen wird der Betriebsprüfer einen Schwerpunkt auf die Überprüfung der Kasse legen. Er wird sich dabei vorwiegend auf die Zeiträume konzentrieren, in denen der Kassenbestand verhältnismäßig niedrig war, weil hier die Wahrscheinlichkeit von Kassenfehlbeträgen am größten ist. Übersteigen die Ausgaben eines Zeitraums den Anfangsbestand und die Einnahmen des gleichen Zeitraums, liegt ein Kassenfehlbetrag vor. Grundlage für eine Zuschätzung ist jedoch nicht die Summe aller Fehlbeträge, sondern nur der jeweils höchste Fehlbetrag zuzüglich des Betrags, der üblicherweise als Kassenbestand vorhanden war.

3.2 Wie ein Kassenfehlbetrag berechnet wird

 
  Kassenbestand am 2.1.01   3.250 EUR
  Einnahmen vom 2.1. bis 19.1.01 + 14.320 EUR
  Ausgaben vom 2.1. bis 19.1.01 ./. 18.500 EUR
  Kassenfehlbetrag am 19.1.01 ./. 930 EUR
+ Einnahmen vom 20.1. bis 30.1.01 + 8.400 EUR
./. Ausgaben vom 20.1. bis 30.1.01 ./. 10.100 EUR
  Kassenfehlbetrag am 30.1.01 ./. 2 630 EUR

Der höchste Kassenfehlbetrag beläuft sich auf 2.630 EUR. 2.630 EUR und normaler Kassenbestand ergeben dann den Betrag, um den der Betriebsprüfer die Einnahmen erhöhen wird.

Es ist nun einmal nicht möglich, mehr Bargeld aus der Kasse herauszunehmen, als tatsächlich in ihr enthalten ist. Betriebsprüfer ermitteln nicht den Grund für Kassenfehlbeträge. Sie erhöhen einfach den Gewinn. Es liegt deshalb beim Unternehmer , festzustellen, warum ein Fehlbetrag aufgetreten ist.

Das Entstehen von Kassenfehlbeträgen kann nämlich folgende Ursachen haben:

  • Es ist ein Rechenfehler unterlaufen, sodass tatsächlich kein Minus vorhanden ist.
  • Bareinnahmen sind verspätet ins Kassenbuch eingetragen worden.
  • Barausgaben sind zeitlich unzutreffend ins Kassenbuch eingetragen worden, was bei Reisekostenabrechnungen häufiger der Fall ist.
  • Privateinlagen sind nicht oder zeitlich verspätet ins Kassenbuch eingetragen worden.

Erst wenn keine dieser Möglichkeiten zutrifft, ist davon auszugehen, dass Betriebseinnahmen nicht erfasst worden sind.

4 Was der Betriebsprüfer durch die Vermögenszuwachsrechnung ermittelt

Bei der Vermögenszuwachsrechnung vergleicht der Betriebsprüfer den Vermögensbestand am Ende des Vergleichszeitraums mit dem Vermögensstand am Anfang des Vergleichszeitraums. Hierbei wird auch das Privatvermögen einbezogen. Berücksichtigt werden auch alle Ausgaben und Einnahmen in diesem Vergleichszeitraum. Es handelt sich um eine aufwendige und umfassende Berechnung. Anhand des Ergebnisses dieser Vergleichs...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Finance Office Professional. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Finance Office Professional 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge