Bertram/Brinkmann/Kessler/M... / 2.2 Einheitliche Anwendung von Bewertungsmethoden
 

Rz. 16

Die in den Konzernabschluss gem. § 300 Abs. 2 HGB übernommenen VG und Schulden der in den Konzernabschluss einbezogenen Unt sind nach den auf den Jahresabschluss des MU anwendbaren Bewertungsmethoden einheitlich zu bewerten (Vereinheitlichung der Bewertung). Für gleichartige Sachverhalte ist unter gleichen wertbestimmenden Bedingungen folglich eine unterschiedliche Ausübung von Bewertungswahlrechten unzulässig. Eine Neuausübung von Ermessensentscheidungen im Konzernabschluss gegenüber den Jahresabschlüssen der einbezogenen Unt, etwa im Rahmen der Frage der Nutzungsdauer von VG, ist aufgrund des Grundsatzes der Willkürfreiheit nur möglich, solange die Änderung für den Zweck der Einheitlichkeit des Ansatzes erforderlich ist.

 

Hinweis: Ansatzstetigkeit

Die §§ 300 bzw. 308 HGB fordern die einheitliche Ausübung von Ansatzwahlrechten nicht explizit. Vielfach wird deshalb argumentiert, dass die Ausübung der Ansatzwahlrechte auch bei gleichartigen Sachverhalten nicht zwingend für alle KonzernUnt in gleicher Weise durchgeführt werden muss und folglich auch nicht dem Stetigkeitsgebot unterliegt, sodass die Entscheidung für einen wahlweisen Ansatz zu jedem Abschlussstichtag neu getroffen werden kann. Gleichwohl ist eine einheitliche Ausübung als Voraussetzung für eine adäquate Darstellung eines den tatsächlichen Verhältnissen entsprechenden Bildes der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage zu sehen. Mit Bezug auf die Generalnorm kann zudem angenommen werden, dass der im HGB verwendete Begriff Bewertungsmethoden, deren Beibehaltung gem. § 298 Abs. 1 HGB i. V. m. § 252 Abs. 1 Nr. 6 HGB explizit gefordert wird, als Oberbegriff aller auf den Jahresabschluss angewandten Rechnungslegungsmethoden zu verstehen ist, was eine Subsumtion der Ansatzwahlrechte bedeutet. Deshalb ist davon auszugehen, dass im Konzernabschluss die Ansatzentscheidung für gleichartige Sachverhalte einheitlich auszufallen hat und gleiche Sachverhalte im Zeitablauf gleich darzustellen sind, zumal durch das Willkürverbot eine weitere Grenze gesetzt wird.

 

Rz. 17

Bei der Bewertung sind Sachverhalte als gleichartig anzusehen, wenn art- und funktionsgleiche VG oder Schulden unter gleichen wertbestimmenden Bedingungen zu bewerten sind, woraus im Umkehrschluss folgt, dass unterschiedliche Sachverhalte entsprechend unterschiedlich zu behandeln sind. So können z. B. verschiedene Abschreibungsmethoden und -fristen bei gleichartigen Anlagen gerechtfertigt sein, wenn stark unterschiedliche Nutzungsbedingungen vorliegen.

 

Praxis-Beispiel

Ein Kran, der auf einer Wüstenbaustelle eingesetzt wird und dessen Abtransport aus Kostengründen nach Fertigstellung zugunsten einer Entsorgung vor Ort nicht vorgesehen ist, ist im Konzernabschluss über eine kürzere Nutzungsdauer abzuschreiben als ein gleicher Kran in einer Gegend mit besserer Infrastruktur.

Liegen solche Unterschiede nicht vor, ist unter Verwendung gleicher Rechengrößen zu verfahren. Bestehen in Bezug auf die Bewertung Ermessensspielräume, sind diese ebenfalls gleich auszufüllen. Damit ist zumindest bei Personenidentität keine Abweichung zwischen dem Jahresabschluss und dem Konzernabschluss bzgl. Ermessensspielräumen möglich, die nicht aus Wertaufhellungsgründen, die in den Zeitraum zwischen Aufstellung des Jahresabschlusses und der Aufstellung des Konzernabschlusses angefallen sind, begründet werden kann.

 

Rz. 18

Problemresistent ist die Definition der Art-, Funktions- und Wertebestimmungsgleichheit nicht. Unstrittig ist, dass Unterschiede stets zu berücksichtigen sind. Die Beurteilung der Gleichartigkeit hat nach strengen Maßstäben zu erfolgen, um eine Nivellierung der Bewertung art- und funktionsverschiedener VG und Schulden zu vermeiden. Strittig ist, welche Unterschiede für eine Gleichbehandlung ausschlaggebend sind und welche nicht. Dieses Problem tritt etwa in Bezug auf die in die HK einzubeziehenden Gemeinkosten bei unterschiedlichen Fertigungsstandorten auf.

 

Praxis-Beispiel

Ein in den Konzernabschluss einzubeziehendes Unt, das in der Automobilbranche tätig ist, muss Gemeinkosten nicht in der gleichen Höhe in die HK einbeziehen wie ein ebenfalls zu konsolidierendes TU aus der Lebensmittelindustrie. Eine einheitliche Abgrenzung ist zudem nicht geboten, wenn zwei TU in der Automobilindustrie tätig sind, sich die Produktions- und Kostenstrukturen aber signifikant unterscheiden. Denkbar ist etwa die Serienfertigung von Standardfahrzeugen auf der einen Seite im Vergleich zur Fertigung exklusiver Fahrzeuge in Handarbeit auf der anderen Seite.

Sind hingegen beide einzubeziehenden TU in der Automobilindustrie tätig, weichen ihre Produktions- und Kostenstrukturen aber nur minimal voneinander ab (etwa Serienproduktion auf gleichem Stand der Technik mit kaum abweichenden Kostenstrukturen), ist eine einheitliche Abgrenzung geboten.

 

Rz. 19

Auch länderspezifische Bedingungen können bei gleichen VG und Schulden die Anwendung unterschiedlicher Bewertungsmethoden oder Rechengrößen bedingen. Zu den bewertungsbestimmenden Faktoren kö...

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