Bertram/Brinkmann/Kessler/M... / 2.1 Anwendbare Bewertungsmethoden
 

Rz. 10

Für die auf den Konzernabschluss anwendbaren Bewertungsmethoden ist grds. auf die Bewertungsmethoden abzustellen, die für das MU maßgeblich sind. Zur Anwendung kommen bei MU in der Rechtsform der KapG entsprechend grds. die Bewertungsvorschriften der §§ 252256a HGB, die durch § 274 HGB und ggf. weitere branchenspezifische Regelungen zu ergänzen sind. Aus Sicht des Konzerns sind im Wesentlichen folgende explizite Bewertungswahlrechte relevant:

 
HGB Explizite Bewertungswahlrechte
§ 253 Abs. 2 Satz 1 und 2 Zinssatz zur Ermittlung des Barwerts von Pensionsrückstellungen entweder auf Basis von laufzeitadäquaten, über zehn Jahre ermittelten durchschnittlichen Marktzinssätzen oder pauschal mit einer unterstellten Laufzeit von 15 Jahren ermittelten über zehn Jahre ermittelten Marktzinssätzen
§ 253 Abs. 3 und 4 Bestimmung der Abschreibungsmethode
§ 253 Abs. 3 Satz 4 Abschreibungen auf Finanzanlagen bei voraussichtlich nur vorübergehender Wertminderung
§ 255 Abs. 2 Bemessung der HK; Einbezug von angemessenen Teilen der Kosten der allgemeinen Verwaltung sowie angemessener Aufwendungen für soziale Einrichtungen des Betriebs, freiwillige soziale Leistungen und die betriebliche Altersvorsorge
§ 255 Abs. 3 Bemessung der HK; Einbezug von Fremdkapitalkosten zur Finanzierung der Herstellung
§ 255 Abs. 4 Wahl einer allgemein anerkannten Bewertungsmethode, wenn kein Marktpreis verfügbar
§ 256 i. V. m. § 240 Abs. 3 und 4 Bewertungsvereinfachungsverfahren

Tab. 1: Explizite Bewertungswahlrechte für Kapitalgesellschaften im Einzelabschluss mit Relevanz für den Konzernabschluss

 

Rz. 11

Hinzu kommen noch einige implizite Wahlrechte, die an Bedeutung gewonnen haben, da einerseits mit dem BilMoG weitere explizite Wahlrechte gestrichen wurden und andererseits Neuregelungen zu impliziten Bewertungswahlrechten geführt haben. Konkret sind dies im Wesentlichen:

 
HGB Implizite Bewertungswahlrechte
§ 252 Abs. 1 Nr. 2 Einschätzung der Erfüllung der going concern-Prämisse
§ 252 Abs. 1 Nr. 4 Gebot der Vorsicht: Realisations- und Imparitätsprinzip
§ 252 Abs. 1 Nr. 5 Zeitliche Abgrenzung von Aufwendungen und Erträgen
§ 253 Abs. 1 Abschätzung des Erfüllungsbetrags bei Rückstellungen (insb. z. B. die Trendannahmen bei Pensionsverpflichtungen) sowie deren Laufzeit
§ 253 Abs. 1 Zeitwertbewertung bei Rückstellungen und Planvermögen im Zusammenhang mit Altersversorgungsverpflichtungen
§ 253 Abs. 3 Vornahme außerplanmäßiger Abschreibungen
§ 253 Abs. 5 Zeitpunkt des Wegfalls der Gründe für vorgenommene außerplanmäßige Abschreibungen (Wertaufholungsgebot)
§ 254 Bildung von Bewertungseinheiten
§ 255 Abs. 1 Bemessung von Anschaffungskosten und Anschaffungsnebenkosten
§ 255 Abs. 2a Trennung von Forschungs- und Entwicklungskosten
§ 256a Währungsumrechnung
§ 274 Bemessung der aktiven und passiven latenten Steuern

Tab. 2: Zentrale implizite Bewertungswahlrechte für Kapitalgesellschaften im Einzelabschluss mit Relevanz für den Konzernabschluss

 

Rz. 12

Die Bewertungsvorschriften für KapG gelten auch für Unt anderer Rechtsformen, sofern diese gem. § 13 Abs. 2 PublG zur Aufstellung eines Konzernabschlusses verpflichtet sind und dieser befreiende Wirkung für eine untergeordnete KapG entfalten soll. § 13 Abs. 3 PublG relativiert die grds. aus Abs. 2 folgende Pflicht zur Anwendung der Vorschriften für KapG insofern wieder. Wird nicht auf eine befreiende Wirkung entsprechend § 291 HGB abgestellt, müssen die Vorschriften für KapG nicht angewandt werden. Ist dennoch ein TU, das selbst MU ist, in der Rechtsform einer KapG organisiert, ist für dieses ein Teilkonzernabschluss unter Beachtung der Vorschriften für KapG aufzustellen.

 

Rz. 13

Ist das MU in der Rechtsform einer KapG organisiert und handelt es sich um ein Kreditinstitut oder ein VersicherungsUnt, sind die besonderen Bewertungsvorschriften der §§ 340e–g HGB (Kreditinstitute) und 341bh HGB (VersicherungsUnt) zu beachten. Bedingung für die Anwendung der Sondervorschriften auf ein TU ist, dass es sich bei diesem ebenfalls um ein Kreditinstitut respektive VersicherungsUnt handelt.

 

Rz. 14

Ein weder nach HGB noch PublG zur Aufstellung eines Konzernabschlusses verpflichtetes Unt hat die Bewertungsvorschriften für große KapG zu beachten, sofern die freiwillige Erstellung eines Konzernabschlusses erfolgt und dieser eine befreiende Wirkung für untergeordnete KapG entfalten soll.

 

Rz. 15

Die Anwendung von Bewertungsvorschriften anderer EU-Länder auf den Konzernabschluss deutscher MU ist unzulässig.

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Finance Office Professional. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Finance Office Professional 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Artikel.


Meistgelesene beiträge