"Informationsfluss und Disposition sind im Unternehmen so zu organisieren, dass das Finanzwesen wie ein System der Blutversorgung funktioniert."[1] Es stellt sich die Frage: Wer übernimmt welche Aufgabe des Finanzmanagement- und ‐Controlling-Prozesses? Diese Frage nach der institutionellen Gestaltung lässt sich nicht allgemeingültig beantworten. Kontextfunktionen spielen dabei eine wesentliche Rolle. Hier sind die Größe und die Branche des Unternehmens von wesentlicher Bedeutung. Hinzu kommt der individuelle Entwicklungsstand des Controllings. Grundsätzlich lassen sich in größeren Unternehmen drei Organisationseinheiten unterscheiden, die sich mit dem Thema Finanzen befassen:

  • Unternehmensleitung (Vorstand, Geschäftsführung),
  • Bereich Controlling und
  • Bereich Finanzen.

Da das finanzielle Gleichgewicht eines Unternehmens nur einheitlich für das Gesamtunternehmen realisierbar ist, "tendiert selbst bei dezentraler Managementstruktur die Organisation der Finanzfunktion zur Zentralisation."[2]

Hinzu kommt, dass die Aufrechterhaltung des finanziellen Gleichgewichts im weiteren Sinne sich auch auf die Ergebnissteuerung bzw. deren Überwachung erstrecken muss. Hieraus folgt, dass die eben genannten drei Organisationseinheiten in größeren Unternehmen neben Finanzen auch das Controlling allgemein, das interne und das externe Rechnungswesen sowie Bilanzen, Steuern, Versicherungen etc. umfassen.

In der Regel ist auf Vorstands- bzw. Geschäftsführungsebene der "Chief Financial Officer" (CFO) für alle Aufgaben des Finanz-, Controllings- und Rechnungswesenbereiches zuständig (s. Abb. 8).

Abb. 8: Grundschema Organisationsstruktur des CFO-Bereichs

Die Aufgabenstellung und Position des CFO hat in den letzten Jahren eine starke Aufwertung erfahren. Für die Zukunft ist ein weiterer Bedeutungszuwachs zu erwarten.[3] Der CFO wird als "The New Value Integrator"[4] gesehen, der die Integration von "financial efficiency" und "business insight" verkörpert (s. Abb. 9).

Eine wichtige Entwicklung zur Effizienzsteigerung stellt dabei – die Möglichkeiten der Informationstechnologie nutzend – die Integration des externen und internen Rechnungswesens dar.

Abb. 9: Entwicklungspfade im CFO-Bereich[5]

Große Herausforderungen an das Finanzmanagement stellen die immer komplexer werdenden regulatorischen Vorschriften.[6] Eine Studie zu den Ressortzuständigkeiten des Finanzvorstandes von DAX- und MDAX-Konzernen[7] zeigt auch, dass das Ressort des CFO einen zunehmend integrativen Charakter annimmt, der auch durchaus fachfremde Themen (wie z. B. Personal) beinhalten kann.

  • In Großunternehmen wird innerhalb des CFO-Bereichs die Controlling-Organisation häufig nach betrieblichen Funktionen strukturiert. Der Finanzcontroller hat dann dabei i. d. R. eine eigene Stelle bzw. Abteilung (s. Abb. 10 und 11). Die Zusammenarbeit mit den anderen Controllingbereichen, insbesondere mit Risiko- und Investitionscontrolling, ist dabei wichtig.

Abb. 10: Strukturierung des Controllings in Großunternehmen nach Einsatzbereichen

Abb. 11: Beispiel der CFO-Organisation in einem Konzern mit der Differenzierung zwischen Mutter- und Tochterunternehmen[8]

  • Im Mittelstand ist die starke Differenzierung der CFO-Organisation natürlich nicht notwendig. In mittelständischen Unternehmen sind dem CFO – und dem CFO-Bereich – vielfach auch operative administrative Aufgaben zugeordnet (s. Abb. 12).[9] In mittelständischen Unternehmen sind die Aufgaben des Finanzcontrollings i. d. R. organisatorisch nicht ausdifferenziert. Häufig ist Finanzcontrolling sogar Teil des Bereichs Finanzen und wird vom Leiter dieses Bereichs in Personalunion wahrgenommen.

Abb. 12: Beispiel der CFO-Organisation in einem mittelständischen Unternehmen

Die Zuordnung der Aufgaben des Finanzmanagements auf die Grundbausteine der CFO-Organisation kann sehr differieren. Grundsätzlich lässt sich aber feststellen, dass die strategisch orientierten strukturellen Gestaltungsaufgaben vom CFO selbst wahrgenommen werden. Die eher operativen (mittel- und kurzfristigen) Aufgaben des liquiditätssteuernden Finanzmanagements liegen i. d. R. auf der zweiten Organisationsebene beim Leiter des Bereichs Finanzen.

Es hängt von der Größe und Komplexität eines Unternehmens ab, ob im Controlling-Bereich eine eigene Stelle für den Finanzcontroller vorgesehen wird. Wesentlich ist, dass der Controller-Bereich sowohl in Richtung des operativen Finanzmanagements als auch in Bezug auf die strategischen Finanzmanagementaufgaben beim CFO als "Business Partner" seine koordinative Unterstützung gewährt.

Die integrative Verantwortung des CFO – als Mitglied der Unternehmensführung – für Finanzen und Rentabilität verlangt, dass alle Organisationseinheiten des CFO-Bereichs eng zusammenarbeiten, damit die Interdependenzen zwischen Ergebnis und Liquidität beachtet werden.

Eine besondere organisatorische Herausforderung stellt das Finanzmanagement und -Controlling in Konzernen dar. Hier sind die finanziellen Beziehungen unter Berücksichtigung der rechtlichen Selbstständigk...

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