Jörg Baetge/Peter Wollmert/... / D. Public-Sector-spezifische Regelungen
 

Tz. 44

Stand: EL 40 – ET: 02/2020

Der IPSASB hat zahlreiche Standards verabschiedet, die sich eng an entsprechende IFRS anlehnen. Daneben hat der IPSASB aber auch verschiedene Standards zur Regelung von spezifisch öffentlichen Fragestellungen verabschiedet, bei denen nicht auf privatwirtschaftliche Regelungen zurückgegriffen werden konnte. Bei diesen Standards handelt es sich um Leitlinien zur Abbildung von Wertminderungen bei ertraglosem Vermögen (IPSAS 21), um Leitlinien zu Anhangangaben über finanzstatistische Kennzahlen (IPSAS 22), um Leitlinien zur Realisierung von Erträgen aus einseitigen Leistungsbeziehungen (IPSAS 23), um Leitlinien zur Darstellung von Informationen über Budgetzahlen (IPSAS 24), um Leitlinien zur Abbildung von gewährten Dienstleistungskonzessionen/PPP-Projekten (IPSAS 32), um Leitlinien für die Erstmalige Anwendung der IPSAS (IPSAS 33) sowie um Leitlinien zur Bilanzierung von Sozialleistungen ­(IPSAS 42). Da insoweit folglich nicht auf einschlägige Kommentierungen zu den IFRS zurückgegriffen werden kann, werden nachfolgend die wesentlichen Inhalte dieser Standards dargestellt. Zudem werden ausgewählte Regelungen aus IPSAS 29 zu gewährten Förderdarlehen (concessionary loans) sowie zu öffentlichen Bürgschaften dargestellt, welche ebenfalls als spezifisch öffentliche Fragestellungen nicht auf entsprechenden Regelungen in den IFRS beruhen. Darüber hinaus sei in Bezug auf die Bilanzierung von Fusionen im öffentlichen Sektor auf die Leitlinien zur Abbildung von Zusammenschlüssen im öffentlichen Sektor (IPSAS 40) verwiesen. Für Erwerbe im öffentlichen Sektor greift IPSAS 40 auf die Bestimmungen des IFRS 3 Unternehmenszusammenschlüsse zurück. Abschließend wird zudem kurz in die empfohlenen Praxishinweise (RPG) des IPSASB eingeführt.

I. Wertminderungen bei ertraglosen Vermögenswerten (IPSAS 21)

 

Tz. 45

Stand: EL 40 – ET: 02/2020

Der Standard IPSAS 21 enthält Grundsätze zur bilanziellen Abbildung von Wertminderungen bei ertraglosem Vermögen (dh. für Vermögenswerte, die keine Zahlungsmittel generieren); Anwendungsfälle sind insbesondere die Bewertung von Infrastrukturvermögen. Dazu werden Verfahren vorgegeben, die eine öffentliche Einheit anwendet, um zu bestimmen, ob ein ertragloser Vermögenswert in seinem Wert gemindert ist, und um sicherzustellen, dass bestehende Wertminderungsverluste erfasst werden. Der Standard konkretisiert ferner, wann eine öffentliche Einheit eine Wertaufholung vorzunehmen hat und welche Informationen im Anhang anzugeben sind. Der Anwendungsbereich des Standards wird durch jenen von IPSAS 26 begrenzt, der Leitlinien zu Behandlung von Wertminderungen bei ertragbringenden Vermögenswerten enthält. Beide IPSAS haben gemeinsam, dass sie Ideen und Konzepte aus IAS 36 "Wertminderung von Vermögenswerten" aufgreifen. Allerdings lehnt sich lediglich IPSAS 26 eng an IAS 36 an.

 

Tz. 46

Stand: EL 40 – ET: 02/2020

Der Anwendungsbereich von IPSAS 21 umfasste zunächst nur solches Sachanlagevermögen, das zu fortgeführten Anschaffungs- oder Herstellungskosten nach IPSAS 17.43 bewertet wird. Sachanlagen die unter Anwendung der Fair-Value-Option zu Zeitwerten (revaluation model) bewertet werden, wurden hingegen erst im Rahmen einer im Jahr 2016 erfolgten Ergänzung von IPSAS 21 (und IPSAS 26) thematisiert.

 

Tz. 47

Stand: EL 40 – ET: 02/2020

Die Bewertungskonzeption von IPSAS 21 sieht vor, dass ein ertragloser Vermögenswert dann als wertgemindert gilt, wenn der Buchwert des Vermögenswerts seinen erzielbaren Leistungsbetrag (recoverable service amount) überschreitet (IPSAS 21.25). Der erzielbare Leistungsbetrag ist nach IPSAS 21.35 der höhere Wert aus dem um Veräußerungskosten bereinigten Veräußerungszeitwert und dem relevanten Nutzwert (value in use). Im Allgemeinen ist es jedoch nicht erforderlich, sowohl den beizulegenden Zeitwert abzüglich der Verkaufskosten als auch den Nutzungswert eines Vermögenswertes zu bestimmen. Wenn einer dieser Werte den Buchwert des Vermögenswertes übersteigt, ist der Vermögenswert nicht wertgemindert und es ist nicht erforderlich den anderen Wert zu schätzen.

Abb. 6: Bewertungskonzeption in IPSAS 21

 

Tz. 48

Stand: EL 40 – ET: 02/2020

Zur Ermittlung des Nutzungswertes werden drei Methoden vorgegeben:

  • Methode der um Abschreibungen bereinigten Wiederbeschaffungskosten (depreciated replacement cost approach) nach IPSAS 21.45: Diese Methode entspricht der Zeitwertermittlung im Sinne von IPSAS 17.44 und stellt auf eine Wiederbeschaffung oder Ersatzbeschaffung ab, wobei fiktive planmäßige Abschreibungen abzuziehen sind.
  • Methode der Instandsetzungskosten (restoration cost approach) nach IPSAS 21.48: Diese Methode setzt an den Instandsetzungskosten an, die im Falle einer Beeinträchtigung von öffentlichem Vermögen zur Beseitigung dieser Beeinträchtigung anfallen. Der verbleibende Nutzwert ergibt sich aus der Subtraktion der Instandsetzungskosten von den um Abschreibungen bereinigten Wiederbeschaffungskosten für nicht beeinträchtigte Vermögenswerte (assets).
  • Methode der Leistungseinheiten (service units approach) nach IPSAS 21.49: Nach dieser M...

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