Funktionsweise einer Blockchain Bild: Vontobel Zertifikate (2016) basierend auf Financial Times (2016) ⁄

Die Innovation Blockchain hat das Potenzial, operative Prozessabläufe und damit bestehende Geschäftsmodelle zu revolutionieren. Unternehmen und speziell Controller sollten sich in der strategischen Planung mit ihr auseinandersetzen.

Wer hat was wann wie getan? – eine Blockchain dokumentiert alles

Ursprünglich wurde die Blockchain-Technologie für die Kryptowährung Bitcoin entwickelt. Doch inzwischen wurde das strategische Potenzial erkannt, existierende Geschäftsmodelle damit grundsätzlich zu verändern. Mit ihrer Hilfe wird es Unternehmen ermöglicht, Prozesse systematisch und kontinuierlich zu dokumentieren. So können beispielsweise lückenlos Informationen darüber festgehalten werden, „wer was wann wie getan habe“. Laut Prof. Dr. Gilbert Fridgen vom Fraunhofer FIT, könnten Revisionen […] wesentlich schneller, einfacher und kostengünstiger vonstattengehen, wenn alle prüfungsrelevanten Dokumente in eine Blockchain eingeschrieben würden“. Diese Prozesstransparenz, insbesondere in Verbindung mit sogenannten Smart Contracts, könnte die operative Steuerung eines Unternehmens sowie existierende Geschäftsmodelle nachhaltig transformieren und Unternehmensprozesse systematisch optimieren.

Smart Contracts, eine Spezialanwendung der Blockchain, sind digitale, intelligente Verträge, die die Interaktion der jeweils involvierten Gruppen nach vorab definierten Bedingungen gewährleisten und diese automatisch vonstattengehen lassen. Die dadurch erzeugte Verbindlichkeit, einhergehend mit der Tatsache, dass Aktionen irreversibel, durchgängig und lückenlos sind, ist besonders in sensiblen und vertraulichen Geschäftsbereichen attraktiv.

Blockchain übernimmt langfristig Aufgaben von Intermediären

Besondere Implikationen wird die Blockchain-Technologie auf die Geschäftsmodelle der Banken und Versicherungen, aber auch auf herkömmliche Vertriebs-, Produktions- und Logistikketten haben. Waren beispielsweise bisher Banken für den Abwicklungsprozess von Finanztransaktionen tätig, so könnte dies zukünftig durch die Blockchain-Technologie übernommen werden. Mit dieser Technologie können Transaktionen schneller und kostengünstiger vonstattengehen, da ein autonomer Prozess Überweisungen sowie deren Überprüfung regeln und ausführen könnte (s. Abb.). Langfristig könnten somit Intermediäre wie Banken oder Börsen ersetzt werden. Folglich könnte ein Aktienkauf zukünftig direkt zwischen Verkäufer und Käufer ablaufen.

Smart Contracts übernehmen Lieferdokumentation und Zahlungsprozess in der Logistik

Die Logik der Blockchain-Technologie übersteigt bereits heute die Grenzen des Finanzsektors und könnte ganze Industrie- u. Wirtschaftszweige, im Speziellen die Bereiche Produktion und Logistik (die gesamte Supply Chain) nachhaltig beeinflussen. So könnte zukünftig die finanztechnische Abwicklung in einer Lieferkette so aussehen, dass durch Smart Contracts Rechnungen durch einen vollautomatisierten und hochautonomen Prozess, d.h. ohne Banken, ausgestellt und ausgeführt werden können. Im übertragenen Sinne bedeutet dies beispielsweise, dass alle beteiligten Parteien der jeweiligen Supply Chain innerhalb weniger Minuten Rechnungen begleichen oder ihr Geld erstattet bekommen könnten, wenn der Lieferant die vertraglich vereinbarte Menge zur vertraglich vereinbarten Zeit liefern konnte. In der Logistik dokumentiert die Blockchain-Technologie den Transportweg eines Gegenstands kontinuierlich dokumentiert und kann somit seine Authentizität gewährleisteen.

Blockchain – was steckt dahinter?

Die Blockchain ist die Technologie, die der Kryptowährung Bitcoin zugrunde liegt. Sie ist eine Art Datenbank, in welcher Daten bzw. Transaktionen auf Millionen von Computern dezentral in einem Peer-to-Peer Netzwerk, in Blöcken abgespeichert und verwaltet werden (s. Abb.). Jeder dieser Blöcke („Block“) enthält verschlüsselte Informationen über vorhergehende Blöcke. Diese Blöcke sind logisch und zeitlich lückenlos miteinander verknüpft, wodurch eine zusammenhängende Kette („Chain“) entsteht. Durch einen Verifikationsprozess mit Hilfe eines kryptografischen Verfahrens lässt sich überprüfen, ob die entsprechenden Informationen mit denjenigen aus dem vorhergehenden Block übereinstimmen, so dass digitale Daten nicht kopiert oder manipuliert werden können. Sobald Bitcoin-Transaktionen abgewickelt werden, werden dessen Sender oder Empfänger automatisch Teilnehmer des Blockchain-Netzwerks.

Grundsätzlich werden Daten in der Blockchain durch das kontinuierliche Weiterführen in den nächsten Block lückenlos dokumentiert. Die Blocks bilden somit eine Datenbank bestehend aus fortlaufend abgeglichenen und authentischen Informationen. Die sichere Verschlüsselung der Daten sorgt laut Markus Krall, Managing Director der Unternehmensberatung Goetzpartners, für Datenintegrität, Sicherheit, Transparenz und verteiltes Wissen. Die Verlagerung von einer zentralen zu einer dezentralen Datenverwaltung ermöglicht deren Teilnehmern zusätzlich, dass sie sämtliche Informationen in Echtzeit erhalten und Intermediäre wie Banken abgelöst werden.

Schlagworte zum Thema:  Bitcoin, Innovation

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