Start-ups: Hochmotivierte Teams beschreiten neue Wege und verändern Geschäftsmodelle Bild: Haufe Online Redaktion

Bis vor wenigen Jahren waren auch die GAFA-Konzerne (Google bzw. nun Alphabet, Apple, Facebook und Amazon) noch Start-ups mit ungewissem Ausgang. Nun dominieren sie immer mehr Geschäftsfelder. Dr. Alex von Frankenberg erläutert, was mittelständische Unternehmen von diesen „Start-ups“ lernen können und sollten.

Bisher undenkbare, sehr neue Wege beschreiten

Was Start-ups auszeichnet, ist vor allem das Brennen für eine Idee, die von hochmotivierten Teams mit großen Visionen, viel Engagement und auch einer Bereitschaft zum Scheitern umgesetzt wird. Dabei werden oft bisher undenkbare, sehr neue Wege beschritten. Die 4 genannten Konzerne haben jeweils bestehende Geschäftsmodelle disruptiv verändert bzw. vollkommen Neues entwickelt – d.h. nicht nur in einer bestehenden Art und Weise weiterentwickelt, sondern mit neuer Technologie bzw. neuartigen Geschäftsmodellen das etablierte Geschäft grundlegend verändert. Außerdem werden die GAFA-Konzerne mit der Ausnahme von Apple immer noch von den ursprünglichen Gründern geleitet, also Unternehmern und nicht von Managern. Unternehmer bzw. Eigentümer sind ganz anderen Risiken ausgesetzt und haben eine viel längere, oft generationenübergreifende Perspektive.

Den eigenen, bestehenden Wettbewerbsvorteil mit einem besseren Modell überholen

Unternehmen des Mittelstands sind oft „Hidden Champions“ im Weltmarkt und haben im bestehenden Geschäft teils enorme Wettbewerbsvorteile. Zu agieren wie ein Start-up heißt, die Bereitschaft mitzubringen, sich selbst zu überholen, zu versuchen, seinen eigenen bestehenden Wettbewerbsvorteil außer Kraft zu setzen, indem man daran arbeitet, die Bedürfnisse der Kunden mit neuartigen, eventuell disruptiven Modellen/Techniken zu erfüllen. Wenn man das weiterdenkt, wird die Problematik dahinter erst so richtig deutlich. Über mehrere Generationen hat man eine Problemlösungsfähigkeit entwickelt, die von einem selbst eventuell außer Kraft gesetzt werden soll. Man soll also selbst daran arbeiten, das worauf man i.d.R. sehr stolz ist, zu erneuern, d.h. obsolet zu machen. Wenn die Möglichkeit tatsächlich besteht, ist es allerdings besser, das selbst zu tun, als das Feld anderen zu überlassen – denn es wird passieren, die Frage ist nur wann.

Pioniergeist und Neugier trotz jahrelangem Erfolg erhalten und weiterentwickeln

Was oft speziell in den regelmäßig immer noch eigentümergeführten Unternehmen hinzukommt, ist, dass der in Start-ups so prägende Pioniergeist, das Andersdenken, die Freiheit, die hohe Motivation für Neues oft schwer herzustellen sind. Die Eigentümer haben zumeist über Jahrzehnte das Unternehmen geführt, vorangetrieben und oft auch alles selbst erfolgreich entschieden. Jetzt müssen sie lernen loszulassen, vielleicht jungen andersdenkenden Menschen Freiräume zu gewähren, Entscheidungen zu dezentralisieren. In dem anstehenden Generationswechsel liegt natürlich ein Risiko, aber vor allem die Chance, dass erfolgreiche Mittelständler weiterhin unternehmerisch mit langfristiger Perspektive geführt werden – ähnlich wie die GAFA-Konzerne.

Dr. Alex von Frankenberg ist seit 2005 Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds und seit 2000 im Bereich Venture Capital/Start-up

Schlagworte zum Thema:  Strategisches Controlling, Strategie, Startup

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