KI-Transformation

Warum das Controlling jetzt zum Taktgeber werden kann


KI_abstraktes Netzwerk Daten visualisiert

KI ist in deutschen Unternehmen kein Zukunftsthema mehr. Sie wird bereits operativ eingesetzt – auch im Finanz- und Rechnungswesen. Die Studie „Erfolgstreiber der KI-Transformation“ zeigt jedoch deutlich: Zwischen ersten Anwendungen und einer echten Transformation liegt ein weiter Weg. Entscheidend ist nicht, ob KI genutzt wird, sondern wie systematisch sie strategisch verankert, organisatorisch gesteuert und kulturell getragen wird.

Die KI-Transformation ist ein Marathonlauf

Betrachtet man den Finanzbereich, so reicht das Einsatzspektrum heute von Betrugserkennung über automatisierte Rechnungsverarbeitung bis hin zu KI-gestützten Prognosen und Entscheidungsunterstützung. Gerade privatwirtschaftliche Unternehmen weisen laut den Studienergebnissen hier bereits einen hohen Implementierungsgrad auf. Die untersuchten öffentlichen Einrichtungen haben einen deutlich geringeren Reifegrad in der KI-Nutzung in den drei ausgewählten Themenfeldern des Finanzbereichs.

Implementierungsstand von KI im Finanz- und Rechnungswesen

Häufig bleiben die KI-Anwendungen allerdings funktional begrenzt. Sie optimieren einzelne Prozessschritte, ohne (um im Management- und CFO-Kontext zu bleiben) die Steuerungslogik insgesamt zu verändern. Die eigentliche Transformation beginnt erst dort, wo KI nicht nur partielle Effizienzgewinne realisiert, sondern z.B. im CFO-Bereich Planungs-, Forecast- und Risikoprozesse KI-gestützt neu strukturiert und datenbasierte Entscheidungen mit KI-Hilfe zur Selbstverständlichkeit werden.

Fünf Erfolgsfaktoren entscheiden über KI-Transformation

Die Studienergebnisse machen deutlich, dass der Erfolg der KI-Transformation nicht primär von der eingesetzten Technologie abhängt. Vielmehr wirken fünf Steuerungs­dimensionen für den Transformationserfolg zusammen:

  • Strategie und Führung,
  • Prozesse und Umsetzung,
  • Technologie und Infrastruktur,
  • Ethik und Governance sowie
  • Mitarbeiter und Kultur.

Besonders erfolgskritisch sind dabei Strategie, Prozessarchitektur und die technologische Basis. Der Erfolg von KI ist damit weniger eine Frage einzelner Tools als eine Frage der adäquaten Ausgestaltung des Managementsystems mit dem Ziel der KI-Implementierung im Unternehmen. Für den CFO-Bereich und das Controlling ist das eine zentrale Erkenntnis. Kaum ein Bereich verfügt über vergleichbare Kompetenz bezüglich der unternehmensbezogenen Zielsysteme, der Kennzahlenarchitekturen und sowie der Wirkungsanalysen im Sinne eines Treibermodells. Das prädestiniert dafür, die KI-Transformation eng zu begleiten oder sogar zu führen.

Was KI-Transformationsführer anders machen – und was Finance daraus lernen kann

Besonders aufschlussreich sind in der Studie die Unterschiede zwischen sogenannten „KI-Transformationsführern“ und „-folgern“. Erfolgreiche Organisationen zeichnen sich durch eine klare, langfristig angelegte KI-Strategie aus, die von der Unternehmensführung sichtbar getragen wird. Sie priorisieren Ressourcen im Hinblick auf KI-Initiativen konsequent und verknüpfen KI-Pilotprojekte frühzeitig mit Skalierungsüberlegungen.

Proof-of-Concepts dienen nicht als Selbstzweck, sondern als Brücke in den Regelbetrieb. Entscheidend ist dabei ein stringentes KPI-System, das Wirkung, Qualität und Risiken gleichermaßen misst. Genau hier kann das Controlling als Transformationsbegleiter Transparenz schaffen und als Businesspartner die richtigen Entscheidungen mit initiieren.

Daten- und IT-Infrastruktur sind häufig Engpassbereiche

Gleichzeitig zeigen die Studienergebnisse auch: Ohne eine belastbare Daten- und IT-Infrastruktur bleibt jede KI-Ambition Stückwerk. Skalierbare Plattformen, automatisierte Datenaufbereitung und standardisierte Prozesse bilden den Unterbau einer erfolgreichen KI-Transformation im Unternehmen. Finanzbereiche sind dabei nicht nur Anwender, sondern Treiber von Datenqualität und Standardisierung. Das Controlling sollte hierbei unterstützen und z.B. die Stammdatenklärung treiben, konsistente Definitionen festzulegen helfen und integrierte Datenmodelle sicherstellen. Dies schafft die Voraussetzung für verlässliche und erfolgreiche KI-Anwendungen.

Ein weiterer Befund der Studie betrifft die Aspekte Ethik und Governance. Datenschutz, Transparenz und verantwortliche Nutzung werden von den befragten Organisationen als zentrale Risikofelder wahrgenommen. Erfolgreiche Unternehmen behandeln Governance jedoch nicht als regulatorische Pflichtübung, sondern als integralen Bestandteil ihrer KI-Transformationsarchitektur. Modellvalidierung, Nachvollziehbarkeit von Entscheidungslogiken und klare Verantwortlichkeiten sind keine Hemmnisse, sondern ermöglichen erst eine nachhaltige Skalierung – nicht zuletzt im Lichte des EU AI Act.

Die Rolle des Controllings: Vom Zahlenlieferanten zum KI-Gestalter

Die vielleicht unterschätzteste Dimension ist jedoch die kulturelle. Unternehmen die in der Studie als „KI-Führer“ klassifiziert wurden, investieren systematisch in Weiterbildung, fördern Data Literacy und binden Mitarbeitende in den Transformationsprozess aktiv ein. Unternehmen die KI-Projekte erfolgreich vorantreiben möchten wird deshalb empfohlen anzuerkennen, dass der Mensch der entscheidende Erfolgsfaktor in diesem Kontext ist. So sind z.B. Weiterbildung- & Trainingsaktivitäten entlang der KI-Rollen der Mitarbeiter auszurollen.

Die Rolle des Controllings in der KI-Transformation sollte die des datengetriebenen Business Partner sein, der KI-Ergebnisse einordnet, Annahmen hinterfragt und strategische Implikationen bewertet. Wer als Mitarbeiter im Controlling die Algorithmen nicht versteht, kann ihre Ergebnisse nicht verantwortungsvoll nutzen.

Die Gesamtschau der Studie lässt einen klaren Schluss zu: KI-Transformation ist ein Organisationsprojekt. Technologie ist notwendig, aber nicht hinreichend. Erst wenn strategische Zielklarheit, standardisierte Umsetzungsprozesse, eine robuste Infrastruktur, verlässliche Governance-Strukturen und eine lernorientierte Kultur ineinandergreifen, entsteht nachhaltiger Erfolg bei der KI-Transformation.

Es lässt sich folgendes Fazit ziehen: Am Ende entscheidet nicht die eingesetzte Technologie über den Erfolg der KI-Transformation, sondern die Fähigkeit einer Organisation, sie strategisch zu steuern, prozessual zu verankern und kulturell zu tragen. Die Studie belegt dies eindrucksvoll: Das zugrundeliegende Strukturmodell erklärt mit einem R² von 0,78 einen außergewöhnlich hohen Anteil des Transformationserfolgs. Mit anderen Worten: Fast 80 Prozent des Erfolgs lassen sich durch die Qualität von Strategie, Umsetzung, technologischer Basis, Governance und Kultur erklären. KI-Wirkung entsteht also nicht zufällig – sie ist das Ergebnis eines konsistent gestalteten Management- und Steuerungssystems. Genau hier liegt die eigentliche Gestaltungsaufgabe – und die strategische Chance – für das die Transformation unterstützende Controlling.

Der Beitrag erschien erstmals im Controller Magazin, Ausgabe Mai 2026.


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