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Wie sich Großkonzerne eine Frischzellenkur verpassen

Bild: Haufe Online Redaktion

Deutsche Konzerne investieren Milliarden Euro in Start-ups, um ihr Innovationstempo zu beschleunigen. Viele der Investments bleiben jedoch hinter den Erwartungen zurück, wie das manager magazin in seiner Mai-Ausgabe berichtet. Was hilft, wenn Konzernstrukturwelt und Start-up-Mentalität aufeinanderprallen?

Die großen deutschen Konzerne scheuen weder Mühen noch Kosten, um sich in die Welt der Start-ups einzukaufen. Kleine innovative Weltveränderer sollen den Konzernen neue Innovationskraft und Dynamik verleihen. So haben deutsche Großunternehmen weltweit bereits mehr als fünf Milliarden Euro für Gründerunternehmen locker gemacht. Drei Konzernriesen sind dabei besonders aktiv:

  • Deutsche Telekom: 1,7 Mrd. EUR an Beteiligungen (Venture Capital & Private-Equity-Fonds)
  • SAP: 1,4 Mrd USD (zwei Fonds plus ein Start-up-Programm) für 130 Investments und 2700 unterstützte Start-ups
  • Siemens: 800 Mio. EUR in 180 Investments

Zwei Welten prallen aufeinander

Wenn sich Konzern und Start-up näherkommen, führt dies nicht selten zu Problemen. Die jungen Weltveränderer treffen auf prozessorientierte Mitarbeiter in Konzernstrukturen, was häufig zu einem fehlenden Verständnis für das Gegenüber führt. Nicht selten klagen die jungen Wilden über sich permanent verändernde Anforderungen, wechselnde Ansprechpartner und jede Menge Abstimmungszyklen. Selbst in eigens eingerichteten Start-up-Labs passen die Mentalitäten aus den beiden Lagern häufig nicht zusammen. Wie lassen sich diese so verschiedenen Kulturen aber dennoch im Interesse beider Parteien vereinen?

Wie Konzern- und Start-Up-Welt zu vereinen sind

Die Zusammenführung der verschiedenen Kulturen sollte bestenfalls mit der klaren Unterstützung von ganz oben geschehen. Mit der Überzeugung, dass beide Parteien zum gemeinsamen Erfolg beitragen, erhöht sich letztlich auch die Fairness im Umgang miteinander. So gehen manche Konzerne mittlerweile neue Wege, um keine unnötigen Konflikte zu provozieren und den Start-ups ausreichend Entfaltungsmöglichkeiten zu lassen.

SAP lässt seinen Neuzugängen ausreichend Freiheit, um sich eigenständig zu entwickeln – in einem grob vorgegebenen Rahmen. Auch wichtige Entscheidungen werden kurz und knackig auf 3 Folien dargestellt und an den CEO gespielt, der dann in wenigen Tagen entscheidet.

BMW setzt auf eine „Startup Garage“. Zunächst werden die Start-ups auf ihre Passung zum Konzern durchleuchtet. Schließlich bekommen die Start-ups eine spezifische Lieferantennummer, die sie im Konzern als wichtigen Gesprächspartner ausweist.

Gemeinsam erfolgreich

ProSieben Sat.1 Media und der Online-Shop Amorelie verdeutlichen, wie eine zielführende Zusammenarbeit letztlich zum Erfolg führen kann. Im März 2015 hat die Sendergruppe ihre Minderheitsbeteiligung auf eine 75%-Beteiligung aufgestockt. Seitdem wird regelmäßig in der Sache gestritten, man profitiert aber vom gegenseitigen Know-how und Amorelie unter anderem auch von der Finanzkraft der neuen Mutter. Der Erfolg gibt dem gemeinsamen Weg Recht: Seit der Übernahme haben sich die Erlöse von Amorelie verdreifacht.

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Schlagworte zum Thema:  Innovationsmanagement, Startup, Unternehmenskultur

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