Arbeitswelt im Wandel 2025

Wie Geschlechterungleichheiten den Arbeitsschutz beeinflussen


Wie Geschlechterungleichheiten den Arbeitsschutz beeinflussen

Die neue Ausgabe 2025 der Reihe „Arbeitswelt im Wandel“ der BAuA enthält aktuelle Daten zu wichtigen Trends und Entwicklungen. Der thematische Fokus liegt in diesem Jahr auf den demografischen und geschlechtsspezifischen Entwicklungen, die auch maßgeblichen Einfluss auf den Arbeitsschutz der Zukunft haben könnten.

Der demografische Wandel der Gesellschaft und die geschlechtsbezogenen Unterschiede werden zunehmend wichtigere Themen des modernen Arbeitsschutzes. Grund genug für die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), in der neu erschienenen Ausgabe der Reihe „Arbeitswelt im Wandel“ genau wie bereits in der Ausgabe 2024 auf diese Problemfelder einen Schwerpunkt zu legen.

Wie unterschiedlich sind die Arbeitsbedingungen von Männern und Frauen tatsächlich noch? Welche gesellschaftlichen sowie arbeitsweltlichen Trends und Entwicklungen deuten darauf hin, dass sie unmittelbaren Einfluss auf den betrieblichen Arbeitsschutz haben bzw. haben werden? Und welche davon weisen entweder auf eine Zementierung oder aber einen Rückgang bestehender geschlechtsspezifischer Ungleichheiten in der Arbeitswelt und damit auch im betrieblichen Arbeitsschutz hin?

Berufswahl und Einkommen

Nach wie vor gibt es typische Männer- und Frauenberufe. Dabei verteilen sich die Frauen auf weniger Berufe als Männer. In den Top-5-Berufen bei den Frauen arbeitet über die Hälfte der Beschäftigten, in den Top-5-Berufen bei den Männern nur etwa ein Drittel.

Damit einher gehen direkt oder indirekt auch die Einkommensverhältnisse, da in technisch-naturwissenschaftlichen und häufig auch in handwerklichen Berufsgruppen, in denen Männer nach wie vor dominieren, zum Teil deutlich mehr verdient wird als in sozial-kulturellen und medialen Berufen, in den Frauen stärker vertreten sind. Die Berufswahl ist natürlich nur ein, wenn auch sehr wichtiger Faktor des „Pay Gaps“ zwischen Männern und Frauen. Die Einkommenssituation ist und bleibt ein wichtiger Faktor, für die individuellen Möglichkeiten von Menschen, um ihre Gesundheit zu verbessern.

Mehr Männer sind Führungskräfte

Ein anderer Grund des Pay Gaps ist die Verteilung von Führungspositionen. Männer sind weiterhin deutlich häufiger Führungskräfte. Lediglich jede fünfte Frau gibt an, eine Führungsrolle zu haben, bei Männern ist es fast jeder Dritte. Bei den Frauen ist etwa die Hälfte dabei für bis zu vier Mitarbeitende zuständig und je ein Viertel für fünf bis zehn bzw. für mehr als zehn Mitarbeitende. Bei männlichen Führungskräften verteilt sich die Führungsspanne hingegen etwas gleichmäßiger, wobei auch hier die meisten eine sehr kleine Führungsspanne angeben.

Mehr Überstunden bei Männern

Die stärkere Präsenz von Männern in Führungspositionen hat für diese aber nicht nur Vorteile. So liegt die Jahresarbeitszeit bei vollzeitbeschäftigten Frauen rund 5 % kürzer als die der vollzeitbeschäftigten Männer. Da Männer häufiger in Führungspositionen vertreten sind, die gewöhnlich auch längere Arbeitszeiten erfordern, leisten sie auch mehr Überstunden. Das mag gut für ihren Geldbeutel sein, aber oft nicht für ihre Gesundheit.

Arbeit am Wochenende

38 % der Frauen ohne Kind geben an, mindestens einmal im Monat am Wochenende zu arbeiten, bei Männern ohne Kind sind es etwas weniger (34 %). Bei Eltern ist das Verhältnis anders: Während deutlich weniger Frauen mit Kind angeben, dies zu tun (30 %), sind es bei Männern mehr (40 %) und damit auch deutlich mehr als bei den Frauen.

Frauen häufiger im Angestelltenverhältnis

Vier von fünf Frauen sind im Angestelltenverhältnis tätig, bei Männern sind es etwa zwei Drittel. Deutlich mehr Männer gibt es bei den Arbeitern im Angestelltenverhältnis und Selbstständigen mit Beschäftigten. Da Angestellte zumindest in mittleren und größeren Unternehmen zumeist von einem betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsmanagement profitieren, während dies Freiberufler in der Regel nicht tun, liegt hier ein leichter Vorteil bei den Frauen.

„Segregation“ steigert physische Belastung

In Berufen mit ausgeglichenem Geschlechterverhältnis wird seltener über körperlich belastende Arbeitsbedingungen berichtet als in anderen Berufsgruppen. In geschlechtersegregierten Berufen ist das weniger repräsentierte Geschlecht seltener durch körperliche Anforderungen belastet als das jeweils andere Geschlecht. So unterscheiden sich in Berufen mit hohem Männeranteil Frauen und Männer beispielsweise hinsichtlich des Hebens und Tragens schwerer Lasten (Männer: 33 %, Frauen: 29 %), in Berufen mit hohem Frauenanteil sind hingegen zum Beispiel Frauen häufiger als Männer vom Arbeiten mit den Händen (Frauen: 40 %, Männer: 27 %) betroffen.

Weniger Handlungsspielraum bei Frauen

In fast allen Berufsgruppen verfügen Frauen über weniger Handlungsspielräume als Männer. Besonders deutlich zeigt sich dieser Geschlechterunterschied in Berufen mit hohem Frauenanteil – mit einer Differenz von elf Prozentpunkten am Beispiel der Möglichkeit, selbst entscheiden zu können, wann Pause gemacht wird (Frauen: 55 %; Männer: 66 %). Einzige Ausnahme ist die selbstständige Planung und Einteilung der Arbeit in Berufen mit hohem Männeranteil. Hier geben Frauen (59 %) etwas häufiger als Männer (57 %) an, über diese Form der Selbstbestimmung zu verfügen.

Mehr Jüngere und Frauen sind Akademiker

Schließlich ein demografischer Aspekt, der dafür sprechen mag, dass in naher Zukunft (noch) mehr Beschäftigte von besseren und gesünderen Arbeitsbedingungen profitieren als bislang – und hierbei sogar noch mehr Frauen als Männer. Denn gut ein Drittel der Frauen zwischen 25 und unter 35 Jahren haben mittlerweile einen akademischen Abschluss. In der ältesten Gruppe (55 bis unter 65 Jahre) sind dies mit 16 % nur etwa halb so viele. Auch bei den Männern ist der Anteil in der jüngsten Altersgruppe mit 29 % höher als in der ältesten Gruppe (21 %), der Unterschied ist aber deutlich kleiner.


Schlagworte zum Thema:  Arbeitsschutz , Equal Pay