Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau

Die Waldarbeit wird nicht sicherer – auch bedingt durch den Klimawandel


Waldarbeit wird nicht sicherer - auch bedingt durch Klimawandel

2024 gab es in der Forstwirtschaft 5.188 meldepflichtigen Unfälle. Das waren 5,6 % mehr als 2023. In Österreich ist derselbe Trend zu beobachten. Dort nehmen auch die tödlichen Unfälle stetig zu. Warum gehen die Unfallzahlen trotz des Einsatzes neuer Technologien nicht zurück? Droht eine Verschlechterung der Situation durch den Klimawandel?

Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) konnte im Juni 2025 für die meisten „grünen Berufe“ einen leichten bis stärkeren Rückgang der meldepflichtigen Unfallzahlen für 2024 vermelden. Ausnahme bildete erneut die Forstwirtschaft. Neben den Unfallzahlen aus den staatlichen, kommunalen und privaten Waldbesitzungen sind teilweise auch die „Selbstwerber“ eingeschlossen. Selbstwerber sind Personen, die Brennholz bei einem Waldbesitzer kaufen und im Wald selbst aufarbeiten, d. h. schneiden, entasten und abtransportieren. In der Berufsgenossenschaft sind diese allerdings nur dann versichert, wenn sie das dort erworbene Holz in einem eigenen landwirtschaftlichen Betrieb verwenden.

Vergleich zur Landwirtschaft

In der eigentlichen Landwirtschaft (Ackerbau, Viehzucht, Milchwirtschaft) ging die Zahl der meldepflichtigen Unfälle leicht auf 31.959 zurück (2023: 32.217). Die Zahl der tödlichen Unfälle sank deutlich auf 54 (2023: 73). In der Forstbranche dagegen kam es mit 5.188 meldepflichtigen Unfällen zu einem Anstieg von 5,6 % gegenüber dem Vorjahr. Mit 35 Todesfällen wurde immerhin ein Todesfall weniger als 2023 registriert. Die steigenden Unfallzahlen seien aber, so die Berufsgenossenschaft, deutlich geringer als noch vor 15 bis 20 Jahren. Dies liegt vor allem am zunehmenden Technikeinsatz, der allerdings mittlerweile an seine Grenzen gekommen ist. Teilweise wird die Technisierung sogar zu einem Problem, da die Zahl der Unfälle mit technischen Maschinen und Geräten mit einem Plus von 17 % deutlich zunahm. Weitere dominante Unfallursachen waren laut SVLFG herabfallende Baumteile sowie Stürze auf unbefestigten Wegen.

Tendenz noch stärker in Österreich

Im Nachbarland Österreich mit sehr ähnlichen Standortbedingungen und forstwirtschaftlichen Strukturen erreichte die Zahl der Todesopfer sogar einen neuen Rekord, er stieg zwischen 2019 und 2024 von 27 auf 43 Todesfälle. Von 2023 auf 2024 ergab sich eine Zunahme um 19 %.

Risikofaktor Besitzstrukturen

Neben den oben genannten Unfallursachen sind weitere Faktoren zu berücksichtigen. Die Waldbesitzstruktur ist in Südwestdeutschland und auch Teilen Hessens, Bayerns und Österreichs durch besonders viele Klein- und Kleinstprivatwälder geprägt. In diesen sind die Sicherheitsstandards nicht so hoch wie in den Wäldern des Staates, der Kommunen und der großen Privatwaldbesitzungen. Vor allem der Einsatz von Motorsägen und anderen technischen Geräten führt hier schnell zu Unfällen.

Gefährliche Hanglagen

Weiterhin muss in Mittelgebirgen und im Alpenraum oft in besonders steilen Hanglagen gearbeitet werden. Dort können technische Geräte und Maschinen aufgrund der topografischen Verhältnisse nur sehr eingeschränkt eingesetzt werden. Die Arbeit im steilen Gelände muss daher zum Großteil manuell durchgeführt werden. Dies kann insbesondere im Herbst und Winter sehr gefährlich sein. Für die Arbeit in Hanglage werden aktuell spezifische technische Lösungen entwickelt, welche in der Zukunft hoffentlich eine Verbesserung der Gefahrenlage bewirken könnten.

Ältere Alleinarbeiter besonders gefährdet

Ein weiterer wichtiger Faktor ist das Alter der Forstarbeiter. Für Deutschland liegen keine genauen Daten vor. In Österreich machen Personen über 60 Jahre etwa 45 % der Unfallopfer aus. Ältere Menschen sind vor allem im Kleinprivatwald im Einsatz, wo sie auch oft mit Motorsägen arbeiten. Besonders kritisch wird es für ältere Waldarbeiter, aber ebenso für alle anderen Altersgruppen, wenn sie allein im Wald sind. Die Unfallberichte zeigen, dass ein Großteil dieser Fälle vermeidbar gewesen wäre, wenn die Personen in einem Team von zwei oder mehreren Personen gearbeitet hätten. Bei der Arbeit im Team können die Forstarbeiter gegenseitig auf sich achtgeben. Im Notfall kann der verunfallten Person mit Erster Hilfe sofort beigestanden und schneller externe Hilfe anfordert werden.

Risiken durch Klimawandel

Die größte zukünftige Herausforderung für die Forstwirtschaft (nicht nur) mit Bezug zur Sicherheit ist aber der Klimawandel und seine Folgen. Aufgrund der zunehmenden Trockenheit und dem damit zusammenhängenden Schädlingsbefall werden immer mehr Bäume geschwächt. Dadurch sterben Äste, Zweige und andere Baumteile ab. Diese fallen insbesondere durch die bei der Sägearbeit ausgelösten Erschütterungen plötzlich und ohne Vorwarnung auf die Waldarbeiter herunter. Hinzu kommt: Ausgerechnet die vielleicht wichtigste strategische Antwort der Forstwirtschaft auf den Klimawandel, der sogenannte Waldumbau, bringt für den Arbeitsschutz eher zusätzliche Probleme. Im Rahmen des Waldumbaus sollen insbesondere die Monokulturen aus Fichten, Tannen und Kiefern sukzessive durch wärme- und trockenresistentere Baumarten wie z. B. mediterrane Eichen ersetzt werden. Denn was gut aus ökologisch-klimatologischen Gründen ist, ist für den Arbeitsschutz eher eine weitere Herausforderung. In strukturreichen Mischwäldern stehen alte Bäume direkt neben jungen, große neben kleinen. Forstarbeiter können sich in einem solchen unübersichtlichen Umfeld schlechter orientieren als in den wesentlich übersichtlicheren Monokulturen. Dort stehen die Bäume derselben Alters- und Größenkategorien in Reih und Glied, und die Forstarbeiter können sich mit den Kollegen verständigen – Faktoren, die für die Sicherheit im Wald aber von größter Bedeutung sind.

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