Resilienz-Sprints stärken Teams
Die Herausforderungen für Unternehmen und Beschäftigte werden durch Globalisierung, zunehmenden internationalen Wettbewerb und immer neue technischen Entwicklungen stetig größer. Das hat häufig auch Folgen für die psychische Gesundheit der Beschäftigten. Da die Unternehmen die äußeren Umstände kaum beeinflussen können, müssen sie das Problem der psychischen Belastungen intern angehen. Das Schlüsselwort in diesem Kontext ist Resilienz - die Stärkung mentaler und psychischer Fähigkeiten, um Herausforderungen zu meistern, neue Energie zu schöpfen und bei Veränderungen schnell inneres Gleichgewicht zu finden.
Konzept aus dem Agilitätsmanagement
Die Resilienzbildung setzt sowohl auf der individuellen als auch auf der gemeinschaftlichen Ebene an. Das Konzept stammt aus der Agilitätsmanagement-Lehre, in der Resilienz-Trainings bzw. -schulungen allerdings in erster Linie auf die Team-Resilienz fokussieren. Die Erkenntnis der Agilitätslehre: Widerstandskraft ist weder Zufall noch angeborenes Talent. Sie kann durch gemeinsames Denken und Handeln im Team entwickelt oder beeinflusst werden – sie ist damit genauso trainierbar wie alle anderen Fähigkeiten. Durch Team-Resilienz sollen sowohl die einzelnen Beschäftigten als auch die Arbeits- und Projektteams trotz hoher Belastungen produktiv bleiben können und gemeinsam immer besser mit schwierigen Situationen umgehen lernen. Eine Theorie, die durch die Neurowissenschaften zumindest teilweise bestätigt wird. Diese fand heraus, dass mentale Widerstandskraft oft so trainierbar ist wie ein Körpermuskel.
Neue Trainingsmethode
Unternehmen, die die psychische Widerstandskraft ihrer Beschäftigten durch Resilienz-Trainings verbessern wollten, setzten dabei zunächst, auf Seminare und Workshops. Doch dieser Ansatz, oft als Marathon-Methoden bezeichnet, erwies sich häufig als nur bedingt geeignet. Denn oft sind Seminare und Workshops zu theorielastig, ihre Moderatoren zu dominant, ihre Inhalte nicht praxisnah genug für die spezifischen Bedingungen vor Ort im Unternehmen und die Intervalle zwischen den Seminarblöcken zu groß. Als Alternative setzen die Betriebe seit einigen Jahren auf Resilienz-Sprints (Resilience Sprints). Mit ihnen sollen wesentlich gezielter und schneller die Fähigkeiten entwickelt werden, die für den Umgang mit Stress und Veränderungen nötig sind. So sportlich wie diese Methode klingt, ist sie in ihren Ursprüngen auch. Denn die Lernmethoden und Grundprinzipien wurden von der Agilitätslehre zumindest teilweise auch aus den Sprint-Trainings der Leichtathletik übernommen. Unter anderem aus diesen Erkenntnissen der Sportwissenschaft entwickelte die Agilitätsmanagementlehre den agilen Sprint, d. h. kurze, iterative Zeitzyklen, in denen das agile Projektmanagement (Scrum) flexible Antworten auf neue Herausforderungen entwickelt und Aufgaben umsetzt. Sprints sollen in diesem Kontext helfen, die Anpassungen möglichst schnell zu ermöglichen.
Grundelemente der Sprints
Eine weitere Inspirationsquelle für die Resilienz-Sprints sind die Stand-ups aus der Softwareentwicklung. Das bedeutet kurze, tägliche Meetings, bei denen das Entwickler-Team im Stehen den Fortschritt koordiniert, um Transparenz zu schaffen, alle Team-Mitglieder über den aktuellen Stand des Projekts zu informieren, Probleme frühzeitig zu erkennen und die Zusammenarbeit im Team zu verbessern. Genau wie diese dauern Resilienz-Sprints lediglich zwischen 15 und 30 Minuten, werden über einen Zeitraum von mindestens zwei bis vier Wochen und in der Regel einmal pro Tag durchgeführt – manchmal aber auch öfter. Die zwei bis vier Wochen gelten als der Mindest-Zeitrahmen, der benötigt wird, damit sich neue Verhaltens- und Denkweisen als Habits, also Gewohnheiten, verankern können. Die Inhalte der Resilienz-Sprints ähneln anderen Resilienz-Trainings, dabei stehen unter anderem Achtsamkeitsübungen und Stressfaktor-Analysen im Fokus.
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