Körperliche Inaktivität durch ständiges Sitzen am Schreibtisch schadet der Gesundheit. Bild: Haufe Online Redaktion

Bewegung und körperliche Aktivität am Arbeitsplatz werden durch die fortschreitenden Veränderungen unserer Arbeitswelt zur Seltenheit: Sitzende und damit bewegungsarme Tätigkeiten sind mittlerweile an fast jedem zweiten Arbeitsplatz in Deutschland Standard. Ergebnisse aus wissenschaftlichen Studien belegen, dass körperliche Inaktivität - insbesondere das lang andauernde Sitzen - ein Risiko für die Entstehung von muskuloskelettalen und kardiometabolischen Erkrankungen darstellt.

Mit der Verbreitung von arbeitsentlastenden Technologien und der zunehmenden Digitalisierung sind alltägliche Bewegungsanlässe im Beruf aber auch in der Freizeit zurückgegangen. Dabei ist unser Muskel-Skelett-System auf Bewegung und Belastungswechsel angewiesen.

Bedeutung von Bewegung für die Gesundheit

Bislang vorliegende wissenschaftliche Studien zeigen zweifelsfrei auf, dass das Risiko für das Auftreten eines Diabetes Typ 2, für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und auch für Muskel-Skelett-Erkrankungen durch körperliche Inaktivität steigt, insbesondere durch langandauernde Sitzzeiten. Regelmäßige moderat bis höher intensive körperliche Aktivität reduziert hingegen das Risiko dieser Erkrankungen.

Gesundheitsförderungsmaßnahmen konzentrierten sich deshalb in der Vergangenheit vorwiegend darauf, regelmäßige körperliche Aktivität entsprechend den internationalen Empfehlungen – mindestens 150 min pro Woche moderater bis höher intensive körperliche Aktivität- zu adressieren. Dadurch sollen dem Bewegungsmangel der Bevölkerung entgegengewirkt und die gesundheitsförderlichen Potenziale von Bewegung genutzt werden.

In jüngster Zeit richtet sich das gesundheitswissenschaftliche Interesse aber auch zunehmend darauf, das gesamte Spektrum körperlicher Aktivität (einschließlich Sitzzeiten) zu untersuchen und Maßnahmen zu entwickeln, die nicht nur die gesundheitsförderliche Aktivität fördern, sondern auch die Reduzierung und Unterbrechung von Sitzzeiten einbeziehen.

Identifikation von Interventionsmöglichkeiten

Vor diesem Hintergrund führt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin derzeit eine Pilotstudie zur objektiven Beschreibung von körperlichen Inaktivitätsmustern im betrieblichen Setting durch. Die Studie ist Teil eines Projektbündels zum Thema körperliche Inaktivität am Arbeitsplatz und hat eine voraussichtliche Laufzeit bis Ende Juli dieses Jahres.

Im Rahmen der Studie werden in Deutschland erstmals Messmethoden eingesetzt, die Aktivitätsmuster zuverlässig über einen längeren Zeitraum aufzeigen können und darüber hinaus Körperhaltungen und -bewegungen (wie Sitzen, Stehen, Gehen, Laufen, Treppen steigen etc.) identifizieren. Die an einer Stichprobe mit sitzenden Tätigkeiten durchgeführte Querschnittsstudie soll dabei die Bewertung von Interventionseffekten von Maßnahmen zur Steigerung der körperlichen Aktivität und der Reduzierung von Sitzzeiten am Arbeitsplatz verbessern.

Ungeachtet dieser Forschungsaktivitäten benötigen Unternehmen zunehmend fachliches Know-How, um personenbezogene Determinanten für körperliche Inaktivität identifizieren und daraus passgenaue Interventionsmöglichkeiten ableiten zu können. Infolgedessen gewinnt die Qualifizierung von Beratern und Dienstleistern, aber auch der im Unternehmen für BGM verantwortlichen Personen immer mehr an Bedeutung. Die nötigen Fachkompetenzen dafür vermittelt z. B.  der Lehrgang Gesundheitsexperte/in im Betrieb – Ergonomie und Rückengesundheit der BSA-Akademie.

Schlagworte zum Thema:  Bewegung, Betriebliche Gesundheitsförderung

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