Umfrage zur Rückenbelastung: Ergonomie des Arbeitsplatzes entscheidend
Rückenbeschwerden am Arbeitsplatz entstehen zumeist durch eine Kombination arbeitsplatz- und branchenspezifischer Ursachen. Bei Büroarbeitsplätzen sind zumeist eine mangelnde und falsche Körperhaltung, wie langes Sitzen oder Stehen, verantwortlich für die Belastungen. In physisch anstrengenden Berufen handelt es sich zumeist um Fehlbelastungen, etwa das falsche oder häufige Heben schwerer Lasten, welche die Schmerzen im Rücken und Nacken auslösen. Auch Stress und psychische Belastungen können Verspannungen und in der Folge Rückenschmerzen verursachen.
AGR-Umfrage
Wie groß sind die Rückenprobleme und -belastungen für die Beschäftigten in Deutschlands Unternehmen aber wirklich? Wie ist es um eine rückenfreundliche ergonomische Gestaltung der Arbeitsplätze bestellt? Um darauf konkrete Antworten zu erhalten, hat die Aktion Gesunder Rücken e.V. (AGR) beim Meinungsforschungsinstitut YouGov eine Online-Umfrage beauftragt. Dafür wurden im September 2024 insgesamt 539 Arbeitnehmer aus jeder Altersgruppe in Unternehmen jeder Größenordnung und Branche befragt. Bei der Präsentation der Umfrageergebnisse Ende Januar 2025 meinte AGR-Geschäftsführer Detlef Detjen: „Die Zahlen sind alarmierend. Es ist höchste Zeit, der Rückengesundheit in der betrieblichen Gesundheitsförderung oberste Priorität einzuräumen, sonst riskieren wir eine ganze Generation mit immer wiederkehrenden oder sogar chronischen Rückenschmerzen.“
Ergebnisse zu Belastungen
Was sind nun die Fakten, die Detjen so besorgniserregend befand? Die Umfrage ergab, dass mehr als 80 % der Befragten mehrmals im Jahr unter Rückenschmerzen litten. Besonders betroffen war dabei der Schulter- und Nackenbereich. 73 % der Befragten hatten in den letzten 12 Monaten vor der Befragung Schmerzen in dieser Körperregion, 22 % davon sogar mehrmals pro Woche. Zwei Drittel berichtete zudem von Schmerzen im unteren Rücken (68 %). Von den befragten Personen mit Rückenschmerzen griffen viele zu schmerzstillenden Medikamenten, um ihre Rückenbeschwerden zu lindern (40 %), davon waren die Mehrzahl weiblich (59 %). Trotz ihrer Rückenprobleme betätigten sich nur rund zwei Drittel der Befragten (64 %) regelmäßig sportlich.
Ergebnisse Ergonomie am Arbeitsplatz
Ein ergonomischer Arbeitsplatz passt die Arbeitsmittel und die Arbeitsumgebung an den menschlichen Körper an, um Gesundheitsschäden und Beschwerden wie Verspannungen und Rückenprobleme vorzubeugen. Er ermöglicht eine neutrale Körperhaltung, dynamisches Sitzen und einen ständigen Wechsel von Sitzen und Stehen. Wie viele der Arbeitsplätze der Befragten waren derart gestaltet? Hatten die Beschäftigten in den aus ergonomischer Perspektive besser ausgestatteten Arbeitsstätten weniger Beschwerden und Belastungen? Es stellte sich heraus, dass rund 4 von 7 Arbeitsplätzen ergonomisch ausgestattet waren. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten gab an, dass ihr Arbeitsplatz ergonomisch gut ausgestattet ist (57 %). Im Vergleich der Tätigkeitsbereiche und Branchen zeigten sich vor allem die Büroangestellten zufrieden mit der Rückenfreundlichkeit ihrer Arbeitsumgebung (66 %).
Kaum private Investitionen
Für die Befragten, die über eine unergonomische Arbeitsumgebung klagten, war der Arbeitgeber hauptverantwortlich für die fehlenden Investitionen in dem Bereich (42 %). Daheim und für ihre Freizeit investierten die Befragten allerdings ebenfalls nur selten in ergonomische Geräte (Fitnessgeräte etc.), Kleidung (Schuhe etc.) und Möbel (verstellbare Stühle etc.). Lediglich 17 % der befragten Beschäftigten besaßen solche Produkte.
Ergonomie zahlt sich aus
Insbesondere in kleinen Unternehmen gibt es anscheinend noch viel Nachholbedarf: Je größer das Unternehmen, desto besser war die ergonomische Arbeitsplatzausstattung, so das Umfrageergebnis. Investitionen würden sich aber in jedem Fall lohnen. Denn eine Tatsache konnte die Umfrage besonders klar belegen: Ein ergonomischer Arbeitsplatz ist eine sehr effektive Investition in die Gesundheit der Beschäftigten. 28 % der befragten Beschäftigten waren frei von Beschwerden, an Arbeitsplätzen ohne ergonomische Ausstattung waren es lediglich 5 %.
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