Gesetzgeber und Unternehmen haben viel Nachholbedarf im Bereich hybrider Arbeit
Beim hybriden Arbeiten (Hybrid Work) teilen Beschäftigte ihre Arbeitszeit zwischen dem Arbeitsplatz im Unternehmen und externen Arbeitsorten (z. B. dem Homeoffice) auf. Dies soll Flexibilität, eine ausgeglichenere Work-Life-Balance und damit eine bessere Gesundheit und gestiegene Arbeitszufriedenheit ermöglichen.
Studie des Bundestags
Mit Hilfe der Studie des Bundestags („Gesellschaftliche Auswirkungen hybrider Arbeitsformen“, TA-Kompakt 2) sollen die noch bestehenden Forschungslücken im Bereich hybrider Arbeit weiter geschlossen werden. Der aktuelle Forschungsstand im Bereich hybrider Arbeit liefert laut den Forschern zwar fundierte Einblicke in Hintergründe, Formen und Folgen dieser Arbeitsformen. Dennoch sei bislang kaum absehbar, wie sich Ausmaß und Gestaltung hybrider Arbeit der heutigen und zukünftigen Arbeitswelt weiterentwickeln werden. Wird sich die Arbeitswelt weiter in Richtung hybrides Arbeiten bewegen oder kommt es nach der Coronapandemie zu einer (fast) vollständigen Rückkehr zu den alten Strukturen?
Methodisches Vorgehen
Die Studie verwendet hybrides Arbeiten als Oberbegriff für die verschiedenen Arbeitsvarianten Homeoffice, Telearbeit und mobiles Arbeiten. Die Telearbeit wurde einbezogen, obwohl sie im Gegensatz zu den beiden anderen Arbeitsformen bereits vollständig durch die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) gesetzlich geregelt ist. Im Unterschied zum Homeoffice und mobilen Arbeiten bietet sie dem Arbeitnehmer jedoch keine Flexibilität bei der Wahl des Arbeitsortes.
Arbeitsschutz
Die Experten beantworteten auch Fragen zum Arbeitsschutz. Hierbei stimmt eine Mehrheit von 60 % der Experten der Aussage zu, dass hybride Arbeitsformen mit teilweise starken Risiken verbunden sind. Besonders scharf kritisierten einige die unzureichende gesetzliche Regulierung für Homeoffice und mobiles Arbeiten. Ein zentraler Kritikpunkt war, dass Arbeitgeber nur eingeschränkte Kontrollmöglichkeiten hinsichtlich der Einhaltung von Arbeits- und Ruhezeiten außerhalb des Betriebs haben und bei Verfehlungen kaum zur Verantwortung gezogen werden können. Die Verantwortung für Arbeitsschutz könne zudem leicht auf die Belegschaft abgeschoben werden. Damit entfielen konkrete Vorgaben und Schutzziele, die Arbeitgeber bei der Gestaltung von Arbeitsplätzen hinsichtlich Sicherheit und Gesundheit normalerweise berücksichtigen müssen: So sei z. B. bis heute nicht eindeutig geregelt, wer für die ergonomische Ausstattung des Homeoffice verantwortlich ist. Darüber hinaus glaubten 70 % der Experten, dass Beschäftigte beim hybriden Arbeiten leichter durch den Arbeitgeber überwacht werden können.
Anpassungen erforderlich
Nahezu alle Experten waren der Meinung, dass hybrides Arbeiten trotz bestehender rechtlicher und organisatorischer Defizite die Arbeitsform der Zukunft ist. Auch nach der Pandemie würden Homeoffice und mobiles Arbeiten mittel- und langfristig weiter ausgebaut werden, da der Wunsch nach zeitlich und örtlicher Flexibilität bei den Beschäftigten bereits zu groß ist. Aber nicht nur der Gesetzgeber müsse handeln, auch in den Unternehmen und Arbeitsstätten müsse noch viel getan werden, um den Wunsch der Arbeitsnehmer nach flexiblem Arbeiten nachzukommen. 98 % der Befragten stimmten der Aussage zu, dass noch viel mehr Veränderungen in der Arbeitsorganisation und der Führung notwendig seien, damit Teammitglieder problemlos örtlich und zeitlich flexibel arbeiten könnten. Bei hybrider Arbeit muss der Austausch von Wissen und Kompetenz zwischen Unternehmen und Beschäftigten noch besser organisiert werden als es bislang der Fall ist (96 % Zustimmung).
Weiterer Forschungsbedarf
Bei einigen Fragen wagten die Experten keine eindeutigen Prognosen. So sei offen, ob sich die bestehenden Unterschiede in der Verbreitung hybrider Arbeit zwischen einzelnen Branchen künftig zumindest angleichen werden. Lassen sich beispielsweise hybride Arbeitsformen in Tätigkeitsfeldern mit hohem Anteil von menschlicher Interaktionsarbeit (z. B. in Pflege-, Gesundheits- oder Sozialberufen) und in gewerblich-technischen Berufen überhaupt signifikant ausweiten? Gibt es bei solchen Tätigkeiten nicht vielmehr enge Grenzen für die Etablierung hybrider Arbeit? Es sei auch weiter offen, ob technologische Innovationen, beispielsweise in der Robotik oder als Mixed-Reality-Technologien, hier auf längere Sicht relevante Beiträge leisten können. Bei allen diesen Fragen bestünde noch viel Forschungsbedarf.
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