In der Folge entstehen oder vielmehr bleiben verschiedene Arbeitsplätze für den Arbeitnehmer parallel bestehen – im Büro, mobil im Café und Coworking-Center oder zu Hause im Homeoffice. Die nach der Pandemie wiedergewonnene Freiheit wird einen variablen und mit immer kürzerem Vorlauf ausgeführten Wechsel zwischen diesen Arbeitsplätzen aufkommen lassen. Als hybrides Arbeiten bezeichnet, wird dies zukünftig die Komplexität der Anforderungen an das BGM steigern. Das geschieht dann noch in Erweiterung der heute bereits unterschiedlichen Ausprägungen, wie beispielsweise Schichtarbeit, Außendienst oder Büroarbeit.

So ist es verständlich, dass die Arbeitgeber anfangen, den Überblick und die Kontrolle über die Arbeitsumgebungen ihrer Mitarbeiter zu verlieren. Professor Dr. Bertolt Meyer, der Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der Technischen Universität Chemnitz lehrt, betont, "Führung in der digitalisierten Arbeitswelt muss sich weiterentwickeln. Führung auf Distanz erfordert ein anderes BGM, das die Menschen dort erreicht, wo sie sind".[1] Das neue BGM braucht also eine ortsunabhängige Ausprägung, mehr noch als bisher.

Für die Arbeitnehmer wird derweil das Prinzip Eigenverantwortung zwangsläufig auch für die betrieblichen Gesundheitsthemen wichtiger. Die Unternehmen werden sie zu deren Übernahme motivieren, aber auch dabei unterstützen müssen.

Die beiden heute zahlenmäßig stärksten Krankheiten im betrieblichen Umfeld, psychische Probleme mit rund 30 % und Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparates mit rund 21 %, werden durch das Homeoffice ggf. noch verstärkt:[2]

Laut einer für die DAK vom Forsa-Institut im Februar 2021 durchgeführten Studie[3] bewegen sich 44 % der im Homeoffice Beschäftigten "deutlich weniger" als früher. Während 7 % der Befragten mehr als 5 kg zugenommen hatten, sind es bei einem Drittel mindestens 3 kg. Das hat Auswirkungen auf die Gesundheit: 32 % der Befragten haben häufiger Rückenschmerzen.

Als beruflich bedingter Auslöser oder zumindest Verstärker der Rückenprobleme sind eine falsche Ausstattung zu Hause bei den Beschäftigten sowie die geringere Bewegung naheliegende Probleme, die es zu lösen gilt. Fehlende Arbeitsplatzbegehungen im Homeoffice können die Schwachstellen folglich nicht aufdecken.

Noch schwieriger zu handhaben ist in diesem Kontext aktuell die Steigerung der psychischen Probleme und Krankheiten. Neben der (wirtschaftlichen) Unsicherheit durch die Corona-Pandemie ist auch die im Homeoffice schwerer zu vollziehende Trennung zwischen Arbeits- und Privatleben einer der potenziellen Auslöser. Eingeschränkte soziale Kontakte verstärken diese Problematik, bei der virtuelle Gespräche und Meetings keine Abhilfe leisten.

Als Folge zählte beispielsweise die Krankenkasse KKH in einer bundesweiten Untersuchung ihrer Versichertendaten rund 304.000 attestierte Fehltage für depressive Episoden und rund 284.000 Fehltage für kurzzeitige depressive Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen.[4] Im ersten Halbjahr 2021 lagen die krankheitsbedingten Fehlzeiten psychischen Ursprungs mit 19 % auf dem zweiten Platz direkt hinter den wegen Rückenschmerzen.

Die daraus entstehenden Anforderungen an das BGM der Zukunft sind ebenso mannigfaltig wie die Arbeitsplätze selbst.

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