Zusammenfassung

 
Überblick

Dieser Beitrag gibt Ihnen einen Überblick über den Einsatz digitaler Anwendungen zur Gesundheitsförderung. Dazu wird zunächst die Relevanz des Themas betrachtet und mit der Corona-Pandemie in Zusammenhang gestellt, welche sich als Beschleuniger für digitale Anwendungen aller Art herausgestellt hat. Anhand der beiden häufigsten Erkrankungen im Arbeitskontext (Muskel-Skelett-Erkrankungen sowie psychische Erkrankungen) werden dann Szenarien aufgezeigt. Sie erfahren, wie digitale Lösungen aussehen und wie ihr Wirkprinzip sein kann – jeweils aus präventiver Sicht wie auch zur Unterstützung, wenn ein Behandlungsbedarf vorliegt.

1 Corona treibt die Digitalisierung voran

Die seit vielen Jahren nur langsam voranschreitende Digitalisierung erfuhr durch die Corona-Pandemie in vielen Bereichen unseres Lebens unverhofft eine Beschleunigung. Technologien, bei deren Einführung oder Umsetzung vorher gezögert oder gar gehadert wurde, konnten nun kurzfristig als für die Ausnahmesituation passende (Not-)Lösungen erkannt und realisiert werden.

So blieb auch im betrieblichen Kontext den Verantwortlichen unter den neuen Gegebenheiten oft keine andere Wahl, als die Digitalisierungsbestrebungen zu forcieren. Als wohl bekanntestes Beispiel können die auf breiter Front ermöglichten Arbeiten im Homeoffice dienen.

Die neuen Technologien und Prozesse brachten zahlreiche geänderte oder neue Anforderungen für die Unternehmen mit sich. So wie es aus technischer Sicht galt, die von den Arbeitnehmern zu Hause verwendeten Rechner und Laptops sicher ans Unternehmensnetzwerk anzubinden, so war und ist auch das Betriebliche Gesundheitsmanagement bei der neuen Ausprägung der Arbeitsplätze gefordert.

Dabei bleiben die gesundheitlichen Probleme größtenteils dieselben, wie sie es im Büro und vor der Pandemie waren, auch wenn sie jetzt neue Auslöser und Ursachen bekommen haben. So ist es quasi unerheblich, ob Rückenprobleme, eine der 2 häufigsten Berufserkrankungen, von schlecht eingestellten Stühlen im Büro oder von ungeeigneten Sitzmöbeln, wie dem Küchenstuhl oder der Wohnzimmercouch, zu Hause kommen.

2 Der Wandel kam, um zu bleiben

Ende Juni 2021 lief die sog. Homeoffice-Pflicht der Bundesregierung offiziell aus. Mit ihr verpflichteten sich die Arbeitgeber nach einer Verordnung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales ihren Arbeitnehmern während der Corona-Pandemie, "sofern [dem] keine zwingenden betriebsbedingten Gründe entgegenstehen", Homeoffice zu ermöglichen.

Nun, wo wir nach eineinhalb Jahren den Umgang mit der Pandemie gelernt und mit Impfungen Gegenmittel etabliert haben, könnten wir die Umkehrbewegung einleiten und mit der Rückkehr ins Büro beispielsweise auch die mit dem Homeoffice eingeführten Prozesse und Technologien zurückfahren oder wieder ganz aufgeben. Damit würden verschiedene Probleme verschwinden oder zumindest reduziert werden. Auch das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) würde sich so wieder der ursprünglichen Themen und Probleme annehmen können.

Allerdings planen viele Unternehmen, ihren Mitarbeitern das Arbeiten im Homeoffice auch weiterhin – und zwar langfristig – zu ermöglichen. So hat sich laut dem Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) der Prozentsatz der Unternehmen, die aufgrund der bisherigen Pandemie-Erfahrungen planen, Homeoffice auch in der Zeit nach Corona einzusetzen, von bereits 64 % im Juni 2020 ein Jahr später sogar auf 74 % erhöht.[1]

Das wird auch durch den Wunsch der Beschäftigten unterstützt. In einer Umfrage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg sagte die Mehrheit der Befragten (61 %), dass sie die Arbeit im Homeoffice als hilfreich und wenig belastend wahrnehmen.[2]

Um den Umfang dieser Bewegung einzuschätzen, lohnt es sich, die Zahlen des Digitalverbandes Bitkom anzuschauen, nach denen rund 45 % aller in Deutschland Beschäftigten im Homeoffice arbeiten. Das sind rund 10,5 Mio. Arbeitnehmer dauerhaft und weitere 8,3 Mio. Arbeitnehmer zumindest zeitweise.[3]

Die Deutsche Welle (DW) berichtet in Ergänzung, dass über 80 % der Menschen, die ins Homeoffice mussten, sich dies für die Zukunft (mindestens auch teilweise) wünschen.[4]

Von Bundesarbeitsminister Heil ins Gespräch gebracht (und von Bündnis 90/die Grünen unterstützt) ist ein "Recht auf Homeoffice" vorerst nicht zu erwarten. Es sieht allerdings auch unabhängig von einer gesetzlichen Regelung nicht danach aus, als würde sich die Uhr wieder komplett zurückdrehen lassen. Neue Technologien und Prozesse sind eingeführt worden, Unternehmen und Mitarbeiter haben sich daran gewöhnt und so werden diese nicht mehr verschwinden.

3 Neue Anforderungen bestimmen das künftige BGM

In der Folge entstehen oder vielmehr bleiben verschiedene Arbeitsplätze für den Arbeitnehm...

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