WWF-Bankenranking 2025: ING Bank ist „Vorreiterin“, die Berliner Volksbank „Nachzüglerin“
Wie bewertete der WWF die 15 deutschen Banken
Das WWF-Bankenranking 2025 des World Wide Fund for Nature (WWF) analysiert, wie systematisch deutsche Banken Nachhaltigkeit in ihrem Kerngeschäft integriert haben. Dabei werden nicht einzelne „grüne“ Produkte bewertet, sondern die Steuerungslogik der Banken: Strategien, Prozesse und Entscheidungen, die darüber entscheiden, wohin das Kapital fließt.
Grundlage des Rankings ist ein umfangreicher Fragebogen mit mehr als 50 Einzelkriterien, der durch die Auswertung öffentlicher Berichte und bankeigener Angaben ergänzt wird. Allerdings haben nicht alle der bewerteten Banken die gleiche Datenqualität oder sich bewusst gegen eine Teilnahme am Ranking entschieden. Die Ergebnisse, die detailliert im WWF-Bankenranking wiedergegeben werden, werden vom WWF in fünf Stufen eingeteilt: vom Nachzügler bis zum Visionär. Im Berichtsjahr erreichte keine der Banken die höchste Kategorie.
Bewertet wurden die Banken in drei Kategorien:
Governance: Hier wurde untersucht, ob es klare Klima- und Umweltziele innerhalb des Unternehmens gibt, wie verbindlich diese sind, ob sie messbar hinterlegt wurden und auf welcher Ebene die Verantwortung dafür liegt. Als Kriterium nennt der WWF zum Beispiel, in welchem Umfang Nachhaltigkeit im Vorstand, Aufsichtsrat und in Managementprozessen verankert ist und wie transparente Kontrollmechanismen die Umsetzung ökologischer Prinzipien unterstützen.
Finanzieren: Der WWF beleuchtete, wie Banken Klimaschutz und Biodiversität in die Kreditvergabe an Unternehmen und im Immobilienbereich einbeziehen. Werden Klima- und Naturrisiken von den Banken berücksichtigt? Gibt es besonders schädliche Aktivitäten und wie wird die Übergangsfinanzierung gesteuert? Der WWF betont in seinem Bericht, dass hierbei einer der größten Hebel für Unternehmen liegt.
Investieren: Wie Banken Klimaschutz und Biodiversität in Eigenanlagen, angebotenen Produkten und dem Investmentgeschäft einbeziehen, wurde für diesen Bereich analysiert. Zudem wurde bewertet, ob ökologische Risiken in Portfoliostrategien integriert sind oder ob nachhaltige Anlagen lediglich als Nischenprodukte existieren.
Der WWF kommt in seinem Bericht auf eine zentrale Zusammenfassung: Zwar werde der Klimaschutz zunehmend von den Banken berücksichtigt, doch Biodiversität bleibe in nahezu allen Instituten unterentwickelt. Natur- und Ökosystemaspekte fehlen laut WWF meist in Zielsystemen, Datenstrukturen und Risikobewertungen.
Darum liegt die ING Bank vorne
An der Spitze des WWF-Bankenrankings – und damit „Vorreiter“ – ist die ING Bank. Ausschlaggebend für den ersten Platz ist laut WWF vor allem die fortgeschrittene Integration von Klimazielen in Strategie und Steuerung. Im Bericht hebt der WWF die umfassend operationalisierte Klimastrategie der ING Bank hervor. Diese umfasse wissenschaftsbasierte Net-Zero-Ziele, sektorspezifische Transitionspläne, datengetriebene Steuerungsmechanismen sowie klare Maßnahmen zur Mitigation und Adaption in allen Geschäftsbereichen.
Sebastian Göb, Pressesprecher der ING Bank, betont: „Nachhaltigkeit ist auf Ebene der ING-Gruppe als eine zentrale strategische Säule verankert.“ Als Beispiel nennt er die private Baufinanzierung: „Wir geben unseren Kundinnen und Kunden unterschiedliche Anreize, um ihre Immobilien energetisch zu verbessern.“ Damit greife Nachhaltigkeit direkt in das Kreditgeschäft ein, wie der WWF im Bericht als entscheidend bewertet.
Gleichzeitig verweist die ING Bank selbst auf offene Baustellen. Biodiversität sei „ein Thema, das die gesamte Finanzbranche betrifft und herausfordert“. Es gehe darum zu verstehen, „wie sich Finanzentscheidungen auf die Vielfalt aller Lebewesen auswirken – und welche Auswirkungen Biodiversitätsverluste auf das Geschäft der Banken hat“, erklärt Sebastian Göb auf Anfrage. Der ING Bank zufolge fehle es branchenweit noch an „Metriken und Methoden, um Biodiversitätsrisiken effektiv steuern zu können“. Diese Einschätzung deckt sich mit der WWF-Analyse, die Biodiversität als größtes Defizit im Bankensektor identifiziert.
Die Berliner Volksbank ist Nachzügler – und kritisiert die Methodik
Am unteren Ende des WWF-Bankenrankings steht die Berliner Volksbank, die der WWF als „Nachzügler“ einordnet. Die Bank kritisiert auf Nachfrage die Methodik des WWF. Die Bewertung sei „vor allem auf große, teilweise EZB-beaufsichtigte Institute zugeschnitten“ und passe „nur teilweise“ zu einer regionalen Genossenschaftsbank, stellt Pressesprecher Mathias Paulokat klar. Die Berliner Volksbank habe sich deshalb „gegen eine aktive Teilnahme am diesjährigen WWF-Ranking entschieden“. Der WWF habe sie dennoch „auf Grundlage rein öffentlich zugänglicher Informationen bewertet“, was aus Sicht der Berliner Volksbank eine deutlich kleinere Datenbasis darstelle, und das Ergebnis beeinflusst habe. Zugleich betont Mathias Paulokat, dass Nachhaltigkeitsdaten „freiwillig und bereits teilweise gemäß europäischer Standards im nichtfinanziellen Bericht der Berliner Volksbank dokumentiert werden“.
Inhaltlich verweist der Pressesprecher auf laufende Aufbauprozesse. Nachhaltigkeit werde seit 2022/23 „konsequent in die bankbetriebliche Praxis integriert“, verbunden mit dem Ziel, „gemeinsam mit den Kundinnen und Kunden die Transformation in der Region Berlin-Brandenburg voranzubringen“.
150 Beraterinnen und Berater mit Nachhaltigkeits-Lehrgang
Neben Kritik an der Methodik des WWF nennt die Berliner Volksbank selbstkritisch Nachholbedarf bei „wissenschaftsbasierten Dekarbonisierungszielen für Kredit- und Anlagenportfolio“, eine „explizite Biodiversitätsstrategie“ sowie die „stärkere Integration von ESG-Kriterien in Vergütungs- und Investmentsteuerungssystemen“. Dafür sei laut Paulokat „ab 2026 eine konkrete Roadmap definiert“.
In der Kreditvergabe verweist die Berliner Volksbank auf den eingeführten VR-ESG-RisikoScore, der Nachhaltigkeitsrisiken bei Firmenkunden transparent machen soll. Ergänzend gelten interne Negativkriterien, die unter anderem „fossile Energieträger oder geächtete Waffen von der Finanzierung ausschließen“, betont Paulokat. Zudem hebt er die Rolle der Bank als Transformationspartnerin hervor: „Rund 150 Beraterinnen und Berater haben einen Zertifikatslehrgang Nachhaltigkeit absolviert“.
Darum besetzen explizit nachhaltige Banken nicht den Spitzenplatz
Die Triodos Bank und die GLS Bank gehören in Deutschland zu den Instituten mit der stärksten Nachhaltigkeitsausrichtung. Beide Banken sind auf nachhaltige Finanzierung spezialisiert und setzen ökologische und soziale Kriterien seit Jahren systematisch in ihrem Geschäftsmodell um. Trotzdem erreichen beide nicht den Spitzenplatz beim WWF-Bankenranking.
Bei beiden Unternehmen hebt der WWF hervor, dass Nachhaltigkeit integraler Bestandteil der Geschäftstätigkeit ist. Klima- und Umweltziele seien klar formuliert, in der Governance verankert und wirken sich direkt auf Kredit- und Investmententscheidungen aus. Das Kreditportfolio ist gezielt auf erneuerbare Energien, nachhaltige Landwirtschaft, soziale Infrastruktur und ökologische Unternehmen ausgerichtet.
Der WWF weist aber darauf hin, dass selbst spezialisierte Nachhaltigkeitsbanken vor der Herausforderung stehen, Biodiversität systematisch messbar und steuerbar zu machen. Zudem sei die Vergleichbarkeit mit großen Universalbanken nur eingeschränkt möglich, da Geschäftsmodelle, Größenordnung und regulatorische Anforderungen stark variieren.
Orientierungsrahmen für die Banken
Das WWF-Bankenranking 2025 kann Banken als Orientierungsrahmen dienen. Es analysiert – anhand von internen und externen Daten – wie weit Nachhaltigkeit bereits in Strategien, Prozesse und Entscheidungen integriert ist. Der Fokus liegt dabei nicht auf einzelnen Produkten, sondern darauf, ob Klima- und Naturrisiken bereits systematisch Teil der Banksteuerung sind.
Besonders deutlich wird der Handlungsbedarf beim Thema Biodiversität. Zwar werden Klimarisiken bereits zunehmend berücksichtigt, Natur- und Ökosystemrisiken werden hingegen kaum mit belastbaren Daten und Methoden analysiert.
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