Die „Sustainable Business Gardener“-Methode
Resiliente Ökosysteme und erfolgreiche Unternehmen folgen den gleichen bewährten Prinzipien. Anhand von Analogien aus dem Gartenbau erklären die Autoren, wie Nachhaltigkeitsmanager Orientierung gewinnen, komplexe Themen verständlicher machen und die Transformation wirkungsvoll vorantreiben können.
Bewährt in der Natur – nachhaltig erfolgreich in Unternehmen
Unternehmen sind wie lebendige Ökosysteme, die gepflegt, genährt und achtsam entwickelt werden müssen. Nachhaltiger Unternehmenserfolg ist nur mit einem soliden Fundament möglich. „Wir brauchen keine Landschaftsbauer, die kommen, ein Projekt umsetzen und wieder verschwinden. Wir brauchen Gärtner, die täglich beobachten, pflegen und wachsen lassen“, sagt der „Sustainable Business Gardener“ Juergen L. Sommer, der jahrzehntelange Erfahrung in IT, Strategie und nachhaltiger Unternehmensführung verbindet und bewährte Gartenprinzipien auf moderne Geschäftsstrategien überträgt und Unternehmen zeigt, wie nachhaltiges Wachstum ökologisch sinnvoll und wirtschaftlich erfolgreich ist. Die persönliche Erfahrung der Gartentransformation bildet auch im Buch die Brücke zwischen natürlichen Prinzipien und unternehmerischer Realität. Kai Gondlach ergänzt den Praxisansatz um die Dimension der Zukunftsforschung und des Systemdenkens. Als Inhaber des Leipziger Zukunftsinstituts PROFORE verbindet er seriöse Trend- und Zukunftsforschung mit strategischer Weitsicht.
Gärten müssen vorausschauend geplant werden, dann werden sie besät oder bestellt, und schließlich bringen sie zu gegebener Zeit Früchte hervor. Wie Unternehmen benötigen sie gleichermaßen richtige Strukturen, Pflege und die Fähigkeit, sich anzupassen. Geschäftsführung und Nachhaltigkeitsbeauftragte werden bei diesem Ansatz als Hauptgärtner verstanden und Fachabteilungen als Spezialgärtner mit klaren Aufgaben. Für Nachhaltigkeitsmanager bedeutet das: „Ihre Rolle ist nicht die eines Projektmanagers, sondern die eines systemischen Begleiters“, so Sommer. Die Zeit getrennter Digitalisierungs- und Nachhaltigkeitsinitiativen ist nach Ansicht der Autoren vorbei. Neue Regularien (CSRD, CSDDD), technologische Entwicklungen (GenAI, Digital Product Passport) und Marktanforderungen (PCF-Standards) verändern die Rahmenbedingungen für Unternehmen permanent. Was heute gilt, kann morgen überholt sein wie im Garten: „Auch der Boden verändert sich. Nährstoffe werden verbraucht, pH-Werte verschieben sich, neue Schädlinge tauchen auf. Der gute und erfahrene Gärtner analysiert regelmäßig – und passt an. Er weiß, dass gesundes Wachstum starke Wurzeln benötigt und eine einmalige Bodenanalyse nicht ausreicht.“ Gleichzeitig müssen Legacy-Systeme modernisiert, Fachkräfte entwickelt und neue Geschäftsfelder erschlossen werden. Leider behandeln viele Unternehmen Digitalisierung und Nachhaltigkeit noch immer als konkurrierende Projekte – „und scheitern genau daran“. Zu den Herausforderungen von Unternehmen gehören zudem isolierte Betrachtungsweise von digitaler Transformation und Nachhaltigkeitstransformation sowie Verortung der Themen in unterschiedlichen Kompetenzbereichen. Auch die Probleme von Nachhaltigkeitsverantwortlichen werden benannt: „Die Geschäftsführung erwartet ESG-Compliance und messbare Fortschritte, gleichzeitig kämpfen Sie um Budgets, Ressourcen und Akzeptanz in der Organisation – während das Tagesgeschäft dominiert und Nachhaltigkeitsthemen zur „zusätzlichen Aufgabe“ werden.
Wachstum mit Wurzeln bedeutet:
- Tiefe vor Geschwindigkeit (zuerst ein stabiles Wurzelwerk aufbauen, dann in die Höhe wachsen)
- Kreisläufe (Ressourcen intelligent nutzen und regenerieren)
- Resilienz durch Vielfalt (verschiedene Geschäftsbereiche wie Mischkulturen anlegen)
- Respektieren von natürlichen Rhythmen (bewusste Gestaltung von Wachstums- und Konsolidierungsphasen).
Twin Transformation: Zur Verbindung von Digitalisierung, KI und Nachhaltigkeit
Bei der Twin Transformation dient die Digitalisierung als zentraler Hebel für das Erreichen von Nachhaltigkeitszielen – umgekehrt wird Nachhaltigkeit „als tiefgreifender Purpose“ und Gestaltungsrahmen für die digitale Transformation“ gesehen. Digitalisierung, KI und Nachhaltigkeit werden zu einem integrierten Ansatz für zukunftsfähige Unternehmensführung auf Basis von Systemdenken, Wertschöpfung und Governance verbunden.
Zu den Vorteilen einer systematischen Twin Transformation für Unternehmen gehören die Entstehung von organisationaler Agilität, die gleichzeitige Optimierung bestehender Prozesse und Aufbau neuer Geschäftsfelder (Ambidextrie), Attraktivität als Arbeitgeber, Erfüllung von Berichtspflichten (Transparenz), Compliance-Sicherheit, Effizienzsteigerungen und die Erschließung neuer Geschäftsfelder. Zudem kann die IT-Organisation die Emissionsbelastung durch effizientere digitale Technologien reduzieren. Zu weiteren Vorteilen gehören Kostensenkung durch Energieeffizienz, Prozessoptimierung und Automatisierung, die Skalierbarmachung der Kreislaufwirtschaft, geschärftes Marktprofil, effizientere Prozesse, Risikominimierung, Stärkung der Resilienz des Unternehmens und Einsparung von Ressourcen (durch Daten und Automatisierung), Schaffung einer fortwährenden Veränderungsbereitschaft, profitables, resilientes Wachstum sowie die Gewährleistung der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit.
Das Buch zeigt anhand ausgewählter Praxisbeispiele und Handlungsfelder, wie die Twin Transformation von Unternehmen effektiv umgesetzt werden kann. Es ist nicht nur eine wichtige Handreichung für Nachhaltigkeitsmanager – es unterstützt Unternehmen auch dabei, diese Verbindung strategisch, strukturiert und praxisnah umzusetzen. Enthalten sind konkrete Unternehmensbeispiele unterschiedlicher Branchen, fundiertes Wissen zu Stakeholder-Mapping, Marktanalyse, umsetzbare Strategien und praktische Anleitungen zur Twin Transformation mit ihren zentralen Handlungsfeldern, Modellen und Prinzipien sowie Checklisten und Tools zum Download. Zu den Hauptinhalten gehören:
- Traditionelle Gartenbaumethoden als Vorbild für nachhaltige Lösungen
- Nachhaltigkeit als Grundlage für eine zukunftsfähige Wirtschaft
- Prinzipien der nachhaltigen Unternehmensführung
- Die 7 Prinzipen des nachhaltigen Gärtnerns übertragen auf die Unternehmensführung
- Entwicklung und Umsetzung einer resilienten Strategie
Der praktische Rahmen bilden die sieben Prinzipien des nachhaltigen Gärtnerns. Sie zeigen, wie sich beide Transformationen gegenseitig verstärken statt blockieren – und wie Komplexität durch Systemdenken beherrschbar wird. Jedes Prinzip steht für ein Naturphänomen, das sich direkt auf die Unternehmenspraxis übertragen lässt. Die Autoren zeigen, wie nachhaltiges Wachstum entsteht: nicht durch Druck, sondern durch das Zusammenspiel der richtigen Bedingungen:
1. Strategische Planung – Anpassung an lokale Gegebenheiten
2. Bodenpflege & -erhaltung – Unternehmenskultur und Ethik
3. Samenkorn – Innovation als Wachstumstreiber
4. Nachhaltige Bewässerung – Ressourceneffizienz & Liquidität
5. Diversität – Resilienz und Balance
6. Schädlingsbekämpfung – Kooperation statt Konfrontation
7. Kompostierung – Kreislaufwirtschaft.
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Das Buch:
Juergen L. Sommer / Kai Gondlach: Wachstum mit Wurzeln. Strategien für Unternehmen, die nachhaltig und resilient wachsen wollen. Haufe, Freiburg, 2025.
Sie finden das Buch in der Buchhandlung Ihres Vertrauens, aber auch im Haufe Shop.
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