Managed Services: Wenn’s brennt im Nachhaltigkeitsteam
Momentan justiert die EU ihre Nachhaltigkeitsregulatorik neu. Beeinflusst von globalen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen stellt das EU-Omnibus-I-Paket vor allem die CSRD und CSDDD auf den Prüfstand. Obwohl geplant ist, die Berichtspflichten zu lockern, bleibt die Erfassung von ESG-Daten im Unternehmen unverzichtbar. Dabei ist es nicht immer einfach, den Überblick zu behalten.
Das Verständnis und die Interpretation der sich rasant verändernden Regulierungen ist gerade für mittelständische Unternehmen eine große Hürde. Sie haben meist schlanke Teams und begrenzte Budgets, was ihnen die Zuweisung von Ressourcen für ESG-Initiativen erschwert. Stoßen Mittelständler an ihre kapazitären Grenzen, werden oftmals Managed-Service-Provider für einen Feuerwehreinsatz gerufen. Beispielsweise, wenn Mitarbeitende für die Erstellung der CO2-Bilanz und Scope-3-Emissionsberechnung fehlen. Oder, wenn sie es selbst nicht schaffen, ihre Lieferanten auf ESG-Kriterien zu prüfen und entsprechende Nachweise einzuholen.
Gesucht: Expertenwissen für den ESG-Bereich
Neben komplexen Berichtsanforderungen und begrenzten Ressourcen fehlt im Mittelstand häufig das notwendige Fachwissen. Es mangelt beispielsweise an Kompetenzen rund um ESG-Anforderungen und ESG-Frameworks. Auf dem Arbeitsmarkt lassen sich die benötigten Fachleute nur schwer finden. Dies bestätigt die Lünendonk-Studie 2025 zur aktuellen Nachfrage bei Managed Services: Demnach haben mehr als drei Viertel der befragten Unternehmen in Deutschland (76 Prozent) Schwierigkeiten, zeitnah die erforderlichen Fachkräfte zu finden.
Die Lösung ist die Auslagerung von ESG-Prozessen an einen externen Dienstleister. Ein beliebtes Vorgehen, so ein weiteres Ergebnis der Studie. Derzeit arbeiten drei Viertel der Unternehmen in Deutschland bei der Auslagerung von Prozessen mit einem oder mehreren Managed-Service-Providern zusammen. Neben HR, IT und Marketing besitzt der Bereich „Compliance & Risk“ das größte Potenzial für den Einsatz von Managed Services.
Praxis-Leitfaden für Managed Services
Doch worauf kommt es an, wenn Unternehmen einzelne Nachhaltigkeitsprozesse in die Hand von Dienstleistern geben? Der folgende Leitfaden bietet eine praktische Orientierung für Mittelständler, die ihre ESG-Strategie optimieren und zukunftssicher gestalten möchten.
Auslagerbare Prozesse identifizieren
Wenn die Zeit bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung drängt, kann es sinnvoll sein, bestimmte Prozesse auszulagern. Dieser Schritt reduziert Fehler und Inkonsistenzen in der ESG-Berichterstattung, da ein professioneller Partner die Überwachung und Kontrolle übernimmt. Aus den gesammelten Daten können wertvolle Erkenntnisse für die Unternehmensstrategie und Nachhaltigkeit gewonnen werden.
Durch die Implementierung standardisierter Prozesse und Workflows können Managed Services die Effizienz und Konsistenz des ESG-Reportings verbessern. Dies führt zu einer Reduzierung von Redundanzen und einer Verkürzung der Bearbeitungszeiten. In diesem Zusammenhang wünschen sich laut Lünendonk-Umfrage 83 Prozent der Unternehmen eine Beschleunigung der Automatisierung und Digitalisierung von Serviceprozessen.
Effektive Schnittstellen etablieren
Ein weiteres Augenmerk sollte auf der Modellierung, Etablierung und kontinuierlichen Verbesserung der Schnittstellen zwischen internen und externen Beteiligten liegen. Managed Services können Daten aus verschiedenen Quellen und Systemen automatisch sammeln, aufbereiten und für das ESG-Reporting über entsprechende Schnittstellen zentral bereitstellen. Dies reduziert den manuellen Aufwand erheblich und minimiert Fehler bei der Dateneingabe.
Aktuell gibt es hier noch Nachholbedarf. Laut der Lünendonk-Umfrage herrschen in vielen Unternehmen noch Silostrukturen. Trotz hoher Investitionen in die Digitalisierung werden Potenziale nicht vollständig ausgeschöpft. 76 Prozent der Befragten erklärten, dass Daten im Unternehmen verteilt in länder- und themenspezifischen Silos vorliegen und es unternehmensweit kein einheitliches Datenmanagement gibt.
Praxisorientiertes SLA- und Qualitätsmanagement
Auch die Qualitätssicherung sollte bei Managed Services im Vordergrund stehen. Klare Service Level Agreements (SLAs) gewährleisten, dass Dienstleister Anforderungen wie Verfügbarkeit und Reaktionszeiten erfüllen. Die Überwachung von Key Performance Indicators (KPIs), wie die Genauigkeit der ESG-Daten und die Einhaltung von Berichtsfristen, sichert die Prozessqualität.
Diese Maßnahmen garantieren, dass das Reporting pünktlich erfolgt und die benötigten Daten effizient bereitgestellt werden, was dazu beiträgt, dass ein Unternehmen seine Nachhaltigkeitsziele erreicht.
Integration innovativer Technologien
Zudem ermöglichen Managed Services die praktische Anwendung aktueller Technologien wie Automatisierung und Künstliche Intelligenz (KI). Fortschrittliche Services nutzen KI und Machine Learning, um Trends zu erkennen, Risiken vorherzusagen und effektivere ESG-Strategien zu entwickeln.
Dies begünstigt eine proaktivere sowie effizientere Herangehensweise an das ESG-Management. Außerdem ermöglichen sie eine effiziente Datenverarbeitung und -analyse und sparen Zeit, indem automatisierte und optimierte Abläufe den Berichterstattungsprozess beschleunigen.
Flexible Abrechnungs- und Preismodelle
Nicht zuletzt bieten Managed Services flexible Preismodelle, die auf die spezifischen Bedürfnisse des Mittelstands zugeschnitten sind. Outcome-basiertes Pricing berücksichtigt Technologie, Menschen und Prozesse. Die Kunden zahlen für konkrete Ergebnisse, was Transparenz und Effizienz fördert.
Volumen- und ergebnisorientierte Ansätze passen sich dynamisch an individuelle Anforderungen an, machen Dienstleistungen skalierbar und helfen, bestimmte ESG-Ziele zu erreichen. Dadurch können Nachhaltigkeitskennzahlen verbessert werden.
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