Energiebeschaffung

Grüne Energie: wie Unternehmen Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit verbinden können


Energiebeschaffung: Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit

Steigende Energiepreise, ambitionierte Klimaziele und wachsender regulatorischer Druck zwingen Unternehmen zum Handeln. Nachhaltigkeit ist dabei längst kein „Add-on“ mehr, sondern Voraussetzung für zukunftsfähige Geschäftsmodelle. Gerade in der Energiebeschaffung treffen Ökonomie und Ökologie unmittelbar aufeinander.

Für Nachhaltigkeitsverantwortliche, Facility-Manager, Einkäufer:innen und CFOs bedeutet das: Strategien müssen ineinander greifen. Denn grüne Energie ist nicht nur eine Frage des Images, sondern zentral für ESG-Reporting, Wirtschaftlichkeitsnachweise und regulatorische Compliance.

Regulatorischer Rahmen und Marktdynamik

Die EU-Taxonomie, die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) sowie nationale CO2-Bepreisungen setzen klare Signale: Unternehmen müssen ihre Energieversorgung nicht nur dokumentieren, sondern aktiv steuern. Hinzu kommt eine zunehmend volatile Marktsituation durch geopolitische Krisen, volatile Börsenpreise und unsichere Lieferketten. Wer seine Beschaffung nicht strategisch aufstellt, riskiert Mehrkosten, Versorgungsunsicherheiten und Reputationsrisiken.

Praxisbeispiel: Strategische Energiebeschaffung im Vergleich

Ein aktueller Marktvergleich von wattline untersucht das Einsparpotenzial gemeinschaftlicher Energiebeschaffung. Analysiert wurden reale Vertragsdaten von rund 29.000 Unternehmen über einen Zeitraum von elf Jahren.

Im Durchschnitt lagen die Energiepreise der teilnehmenden Betriebe um etwa 10 Prozent unter dem marktüblichen Niveau. Selbst in den Jahren 2022 und 2023 – einer Phase stark gestiegener Energiepreise – konnten strategisch einkaufende Unternehmen ihre Stromkosten um durchschnittlich 39,5 Prozent gegenüber den durchschnittlichen Marktpreisen reduzieren.

Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass eine strukturierte und vorausschauende Beschaffungsstrategie selbst für kleine und mittlere Unternehmen spürbare Effekte haben kann. Der Marktvergleich liefert damit eine fundierte Entscheidungsgrundlage für Unternehmen, die über den Wechsel ihres Energiebeschaffungsmodells nachdenken.

Beschaffungsstrategien im Vergleich

Die Wahl der passenden Beschaffungsstrategie entscheidet über Kosten, Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit.

  1.  Standardliefervertrag
    Einfach, aber bei einem ungünstigen Einkaufszeitpunkt teuer. Die Energiepreise orientieren sich hier an aktuellen Marktentwicklungen, was in Hochpreisphasen zu deutlichen Mehrbelastungen führen kann.
  2.  Strukturierte Beschaffung (Tranche)
    Energie wird gestaffelt eingekauft. Vorteile: Risikodiversifizierung, Preisoptimierung durch Timing. Unternehmen sichern sich Teilmengen frühzeitig, während andere Teile flexibel eingekauft werden können.
  3.  Energie-Einkaufsgemeinschaften
    Durch Mengenbündelung erhalten Mitglieder Zugang zu Großhandelspreisen. Professionelle Marktbeobachtung reduziert Risiken und Aufwand. Besonders für Mittelständler ohne eigene Energiemarkt-Expertise bietet sich dieses Modell an. Die erzielbaren Einsparungen sind, wie der Marktvergleich zeigt, erheblich.
  4.  Power Purchase Agreements (PPAs)
    Power Purchase Agreements sind langfristige Verträge mit Anbietern von Ökostrom, etwa aus Wind- oder Solaranlagen. Sie ermöglichen stabile Preise über mehrere Jahre und verbessern die CO₂-Bilanz deutlich.
    Für das ESG-Reporting sind PPAs ein starkes Signal, erfordern jedoch Aufwand: Vertragsprüfung, Risikoanalyse und Bilanzierung müssen professionell gesteuert werden. Auch die Wahl des passenden PPA-Modells, direkt, virtuell oder über Versorger, sollte zur Unternehmensstruktur passen.
  5.  Hybride Modelle und Flexibilitätsnutzung
    Kombination aus strukturiertem Einkauf, PPAs, Spotmarktanteilen und Eigenerzeugung (zum Beispiel PV-Anlagen). Zusätzlich können Flexibilitäten genutzt werden, etwa durch Lastmanagement oder Speicher. Diese Modelle bieten hohe Effizienz, sind aber komplex in der Umsetzung.

Entscheidungskriterien für Unternehmen

Die Auswahl einer geeigneten Beschaffungsstrategie sollte auf einer fundierten Analyse beruhen. Zentrale Prüffragen sind:

  • Wie hoch ist der Energieverbrauch, wie sieht das Lastprofil aus?
  • Welche Risiken können durch langfristige Verträge abgefedert werden?
  • Welche Nachhaltigkeitsziele (z. B. Scope-2-Reduktion) sollen erreicht werden?
  • Welche internen Ressourcen stehen für Steuerung, Controlling und Reporting zur Verfügung?
  • Wie wirken sich gewählte Modelle auf ESG-Ratings und Nachhaltigkeitsberichte aus?

Eine strategische Energiebeschaffung ist kein Selbstzweck, sondern Teil der Unternehmenssteuerung. Aspekte wie Energieeffizienz gewinnen dabei an Bedeutung und können durch intelligente Beschaffungsmodelle aktiv gesteuert werden. Sie beeinflusst Budgetplanung, Investitionsentscheidungen und die Gesamtbewertung durch Investoren, Banken und Öffentlichkeit.

Rolle von Nachhaltigkeitsverantwortlichen

Nachhaltigkeitsverantwortliche spielen eine Schlüsselrolle bei der Transformation der Energiebeschaffung. Sie bringen die ESG-Perspektive in die operative Umsetzung und helfen, strategische Ziele mit wirtschaftlichen Anforderungen zu verbinden.

Ihre Aufgaben im Kontext Energie:

  • Übersetzen regulatorischer Anforderungen in operative Vorgaben
  • Definition von Zielbildern für nachhaltige Energie (zum Beispiel 100 Prozent Grünstrom bis 2030)
  • Aufbau von Kennzahlen und Messsystemen (zum Beispiel Scope-2-Monitoring)
  • Kommunikation mit Beschaffung, Technik und Controlling

Eine zentrale Aufgabe ist zudem das Stakeholder-Management: Wie erklärt man dem Einkauf die Vorteile von PPAs trotz Mehrkosten? Wie überzeugt man die Technik von der Integration erneuerbarer Eigenversorgung? Hier braucht es Zahlen, Praxisbeispiele und klare Argumentationslinien.

Fazit: Nachhaltigkeit lohnt sich

Grüne Energie ist mehr als ein Kostenblock, sie ist ein Schlüssel zur Zukunftsfähigkeit von Unternehmen. Durch gezielte, professionelle Beschaffungsstrategien lassen sich nicht nur Einsparungen realisieren, sondern auch regulatorische Anforderungen sicher erfüllen. Gleichzeitig stärken Unternehmen ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Marktverwerfungen und leisten einen substanziellen Beitrag zum Klimaschutz.


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