Serie: ESG in China

ESG in China: Was Unternehmen jetzt tun sollten


ESG in China: Was Unternehmen jetzt tun sollten

Die ESG-Regulierung in China wird verbindlicher. Wer früh handelt, kann nicht nur Sanktionen vermeiden, sondern auch Chancen nutzen. Warum jetzt der richtige Zeitpunkt ist, ESG-Compliance systematisch im Unternehmen zu verankern – und welche konkreten Maßnahmen dabei helfen.

Aufgrund der jüngsten Entwicklungen in China ist zu erwarten, dass die dortigen ESG-Vorschriften verbindlich standardisiert werden, sowohl für große Unternehmen als auch für KMU. Unternehmen, die ESG-Pflichten nicht einhalten, müssen nicht nur mit Sanktionen und Reputationsschäden rechnen, sondern im schlimmsten Fall auch mit dem Entzug der Geschäftslizenz.

Erweitertes Anwendungsfeld

Die neuen chinesischen ESG-Regelungen betreffen nicht nur Unternehmen mit Niederlassungen vor Ort, sondern möglicherweise auch europäische Unternehmen mit Liefer- und anderen Wertschöpfungsketten in China. Chinesische Unternehmen, die ESG-Informationen nach chinesischen Standards offenlegen (müssen), werden diese von ihren europäischen Geschäftspartnern, inklusive der Zulieferer und Kunden, einfordern.

Aber auch europäische Unternehmen werden umgekehrt ESG-Informationen von ihren chinesischen Geschäftspartnern verlangen, um ihre Offenlegungspflichten zuverlässig und konsistent erfüllen zu können. Dafür braucht es robuste Mechanismen der Informationsbeschaffung. Häufig stoßen deutsche Unternehmen unsere Erfahrung zufolge auf Herausforderungen, wenn sie die nötigen Informationen von ihren chinesischen Lieferanten einholen wollen. Ein häufiges Problem: Viele Lieferanten sind mit den ESG-Anforderungen nicht vertraut. Manche sind auch nicht in der Lage oder willens, die nötigten Informationen mitzuteilen.

Zusätzlich wirkt die CSDDD über die EU hinaus. Wenn das Risiko besteht, dass ESG-Standards nicht eingehalten werden, gehört es zu den Sorgfaltspflichten von Unternehmen, in ihrer globalen Wertschöpfungskette die notwendigen vertraglichen Zusicherungen einzuholen. Dazu gehört die Vereinbarung entsprechender Verpflichtungen mit direkten Geschäftspartnern, die die Einhaltung des unternehmenseigenen Verhaltenskodex sowie gegebenenfalls eines Präventionsplans sicherstellen. Diese vertraglichen Vereinbarungen werden entlang der Lieferkette hierarchisch nach unten weitergegeben. Deshalb wird sich die europäische Lieferkettenrichtlinie nicht nur auf Unternehmen auswirken, die unmittelbar in den Anwendungsbereich fallen, sondern auch indirekt auf solche in globalen Wertschöpfungsketten, einschließlich der Zulieferer in China. Die Folge: ESG-Vertragsverpflichtungen könnten zukünftig entlang der Wertschöpfungskette von europäischen OEMs über deren allgemeine Geschäfts- oder Lieferbedingungen oder individuelle Lieferverträge bis hin zu Rohstofflieferanten weitergegeben werden. Wer sie verletzt, riskiert nicht nur Vertragsstreitigkeiten, sondern auch erhebliche Schadensersatzansprüche. 

Konkrete Handlungsempfehlungen

Um ESG-Compliance systematisch zu verankern, empfiehlt sich eine klare ESG-Strategie mit folgenden Maßnahmen:

  1. ESG-Compliance-System einrichten – als Grundlage zur Einhaltung der ESG-Bestimmungen.
  2. „Tone from the Top“ etablieren – indem die Unternehmensleitung die unternehmensinternen Richtlinien klar und prägnant kommuniziert. Es gilt, deren Bedeutung für den Erfolg des Unternehmens hervorzuheben und spezifische Maßnahmen für die Zielerreichung zu skizzieren.
  3. Regelmäßige ESG-Schulungen – auf allen Unternehmensebenen, um das Bewusstsein der Mitarbeitenden zu schärfen und ESG-Prinzipien in täglichen Arbeitsabläufen zu verankern.
  4. Verantwortlichkeiten festlegen – indem man eine Person oder ein Team benennt, das über die nötige Überwachungs-, Durchsetzungs- und Fachkompetenz verfügt.
  5. Regelmäßige Compliance- und Risikoprüfungen durchführen – um frühzeitig Schwachstellen und Optimierungspotenzial zu identifizieren, auch in Bezug auf unternehmensinterne Prozesse, Praktiken und Richtlinien.
  6. Regelmonitoring etablieren – zum Beispiel mithilfe von Compliance-Software oder Tracking-Tools, die dabei unterstützen, aktuelle ESG-Vorgaben im Blick zu behalten und bei Bedarf Anpassungen vorzunehmen.
  7. Vertragsmanagementsystem einrichten – indem man Verträge mit Geschäftspartnern, einschließlich allgemeiner Geschäftsbedingungen und Verhaltenskodizes, prüft, bewertet und gegebenenfalls anpasst.
  8. Workshops für Lieferanten und Kunden organisieren – in denen man ihnen erläutert, warum die ESG-Konformität wichtig ist, und sie ermutigt, diese zu unterstützen, etwa durch korrekte und vollständige Informationen für europäische Kooperationspartner. Dabei können Unternehmen auch über die rechtlichen Konsequenzen der Nichteinhaltung von ESG-Anforderungen aufzuklären.
  9. Hinweisgebersystem einführen – für Mitarbeitende des Unternehmens, aber auch für Lieferanten und Kunden, um von ESG-bezogene Verstößen vor den zuständigen Behörden zu erfahren.

Fazit: Frühzeitiges Handeln lohnt sich

ESG-Konformität wird zum Schlüssel für wirtschaftlichen Erfolg in China – und gewinnt weiter an Bedeutung. Wer ESG-Best-Practices jetzt schon umsetzt, erfüllt nicht nur regulatorische Vorgaben, sondern kann auch Markenwerte steigern. Denn der chinesische Markt verändert sich: Konsumenten achten auch in China verstärkt auf ökologische und soziale Folgen ihrer Kaufverhaltens. Unternehmen mit transparenter ESG-Strategie können Vertrauen aufbauen, Markentreue fördern, leichter Investoren gewinnen – und sich so einen Wettbewerbsvorteil auf dem hart umkämpften chinesischen Markt sichern.

Unternehmen mit einem positiven ESG-Rating profitieren zudem von einem beschleunigten Genehmigungsverfahren und günstigerem Zugang zu Kapital. Denn Banken berücksichtigen ESG-Ratings auch als Kriterium bei der Kreditvergabe.

Wer ESG-Compliance in das schon bestehende unternehmensinterne Compliance-System integriert, kann außerdem den eigenen Status quo besser verstehen und potenzielle Risiken frühzeitig erkennen – und im Idealfall ganz vermeiden.

Unternehmen in der EU, die bereits die Anforderungen der CSRD als Teil ihrer ESG-Strategie erfüllen, haben einen Startvorteil. Ihre Tochtergesellschaften in China können bestehende Prozesse nutzen und müssen diese „nur“ an die zukünftigen ESG-Vorgaben in China anpassen. Es ist allerdings eine sorgfältige Analyse beider Rechtsvorschriften erforderlich – vor allem für Unternehmen mit komplexen, globalen Wertschöpfungsketten keine leichte Aufgabe.

Da ESG-Compliance ein langfristiger Prozess ist, sollten Unternehmen so früh wie möglich mit der Umsetzung beginnen.