Europaparlament stimmt für Verbot von Greenwashing
„Umweltfreundlich“, „nachhaltig“ oder „klimaneutral“: Solche allgemeinen Umweltaussagen und irreführende Produktinformationen sollen nach dem Willen des EU-Parlaments künftig verboten werden, wenn sie nicht belegt werden können.
Erlaubt sind künftig nur noch Nachhaltigkeitssiegel, die auf anerkannten Zertifizierungssystemen beruhen oder von staatlichen Stellen eingeführt wurden. Bisher sind solche Siegel nicht immer vergleichbar und es ist oft nicht nachprüfbar, wie umweltfreundlich die Produkte tatsächlich sind.
Mit der Initiative „Empowering consumers for the green transition“ will die EU die Verbraucherinnen und Verbraucher besser vor irreführender Werbung schützen. Dazu werden auch eine Reihe problematischer Marketingpraktiken im Zusammenhang mit Greenwashing und geplanter Obsoleszenz von Produkten in die EU-Liste verbotener Geschäftspraktiken aufgenommen.
Haltbarkeit von Produkten soll verbessert werden
Künftig soll es verboten sein, bei technischen Produkten wie Waschmaschinen mit Haltbarkeitsangaben zu werben, wenn diese nicht nachgewiesen werden können. Außerdem sollen Produkte nur dann ausgetauscht werden müssen, wenn es wirklich nötig ist und nicht - wie bei Druckerpatronen - schon vorher dazu aufgefordert werden.
Bundesumweltministerin Steffi Lemke begrüßte die Entscheidung: Immer mehr Menschen wollten einen Beitrag zu mehr Umwelt- und Klimaschutz leisten, würden aber mit fragwürdigen Umweltversprechen in die Irre geführt. „Mit den neuen Regeln können sich Verbraucherinnen und Verbraucher in der EU künftig besser auf diese Angaben verlassen“, so die Grünen-Politikerin. Außerdem sei es nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für den Geldbeutel, wenn Produkte länger genutzt würden.
Schritt aus der Wegwerfkultur?
Die Berichterstatterin des Parlaments Biljana Borzan (S&D, HR) sagte: „Dieses Gesetz wird das tägliche Leben aller Europäer verändern! Wir werden von der Wegwerfkultur wegkommen, das Marketing transparenter machen und die vorzeitige Obsoleszenz von Waren bekämpfen. Die Menschen werden in der Lage sein, sich für Produkte zu entscheiden, die dank zuverlässiger Labels und Werbung langlebiger, reparierbarer und nachhaltiger sind.“
Hintergrund
Unterhändler des Europaparlaments und der EU-Länder hatten sich bereits zuvor auf diesen Schritt geeinigt. Damit das Gesetz endgültig in Kraft treten kann, müssen die Mitgliedsstaaten noch zustimmen. Dies gilt jedoch als Formsache. Die EU-Staaten haben dann zwei Jahre Zeit, die Richtlinie in nationales Recht umzusetzen.
Die heute beschlossene Richtlinie soll die sogenannte Green Claims Directive unterstützen, die derzeit im Ausschuss des Parlaments diskutiert wird. Diese wird spezifischer sein und die Bedingungen für die Verwendung umweltbezogener Angaben noch detaillierter ausarbeiten.
-
EmpCo-Richtlinie: Ein scharfes Schwert gegen Greenwashing
98
-
PPWR in der Praxis: Lieferantendaten und die nächsten Schritte für den Mittelstand
59
-
EU-Kommission verabschiedet überarbeitete Nachhaltigkeitsberichtsstandards
59
-
VSME wird zum VS – Kommission verabschiedet „Voluntary Standard“
49
-
ESG – Definition und Bedeutung für Unternehmen und Investoren
48
-
Von „grün“ zu gerichtsfest: Die EmpCo verändert die Nachhaltigkeitskommunikation
42
-
Wesentlichkeitsanalyse nach CSRD: ein dynamisches Projekt
11
-
Berufsfeld Nachhaltigkeit: Gehälter und Budgets im Sinkflug
10
-
CSRD Stakeholderanalyse: So gelingt die Einbeziehung von Interessengruppen
9
-
Warum ESG-Daten kein Unternehmen verändern
9
-
Biodiversität in der Bankenstrategie: Was ein neues Positionspapier über Ambition und Kennzahlen verrät
21.08.2026
-
Freiwillig, digital, kostenlos: DNK macht Nachhaltigkeitsberichterstattung zugänglich
20.08.2026
-
Nord, Ost, Süd, West: Wo schwitzen zum betriebswirtschaftlichen Risiko wird
19.08.2026
-
Value Chain Cap: Ablehnen dürfen heißt nicht ablehnen können
18.08.2026
-
Strategy? Policy? Strategie? - Was die ESRS-Übersetzungskorrekturen für die Praxis bedeuten
14.08.2026
-
Hitze hat einen Preis – 6,3 Milliarden Gründe jetzt zu handeln
12.08.2026
-
CBAM – wo Unternehmen heute stehen und was jetzt zu tun ist
06.08.2026
-
KI im Nachhaltigkeitsmanagement: Wo sie wirklich Mehrwert schafft
05.08.2026
-
Warum Reparierbarkeit zum Maßstab glaubwürdiger Kreislaufwirtschaftsstrategien wird
04.08.2026
-
Die größten Transformationsbarrieren – und warum Nachhaltigkeitsmanager:innen häufig die falschen Probleme lösen
03.08.2026