Spielt die Zertifizierung für Unternehmen noch eine Rolle?
Der März ist B-Corp-Monat. In diesem Rahmen rücken weltweit Unternehmen in den Fokus, die von B Lab für ihre sozialen und ökologischen Leistungen sowie für ihre Verantwortlichkeit und Transparenz zertifiziert wurden. Da Nachhaltigkeit zunehmend dokumentiert werden muss, insbesondere angesichts neuer EU-Vorschriften zur Vermeidung von Greenwashing, wird die Relevanz und Glaubwürdigkeit von Zertifikaten wie B-Corp auf die Probe gestellt.
Michael Stausholm, CEO und Gründer von SproutWorld erklärt, warum sein Unternehmen sich für die B-Corp-Zertifizierung entschieden hat, welche praktischen Auswirkungen sie hatte und ob sie auch heute noch sinnvoll ist.
Warum SproutWorld B-Corp wurde
Für SproutWorld war die B-Corp-Zertifizierung ein logischer nächster Schritt. Bereits 2015/2016 kam B-Corp Nordics auf uns zu. Damals war das Konzept in Europa noch relativ unbekannt, während es in den USA bereits etabliert war. Wir betrachteten Unternehmen wie Patagonia und Ben & Jerry’s als Vorbilder und prüften eingehend, ob eine Zertifizierung für uns sinnvoll ist. 2020 entschieden wir uns schließlich, die Bewerbung einzureichen.
Der Zertifizierungsprozess war umfassend und detailliert. Vorbereitung und Dokumentation dauerten mehrere Monate, und die offizielle Anerkennung ließ weitere 16 Monate auf sich warten. Für uns war es ein bedeutender Moment, als wir als B-Corp Nr. 60 in den Nordics und eines der ersten Unternehmen in Dänemark anerkannt wurden. Heute verlangt die EU-Richtlinie „Empowering Consumers for the Green Transition“ (ECGT) eine unabhängige Prüfung, um sicherzustellen, dass Nachhaltigkeitsansprüche glaubwürdig und überprüfbar sind.
Kontinuierliches Engagement
Rezertifizierungen sind kein Selbstläufer. Im September 2024 erreichten wir eine noch höhere Punktzahl als bei unserer ersten Zertifizierung, und auch die nächste Rezertifizierung muss nun vor September 2026 erfolgen. Diese stärkere Kontrolle durch Dritte ist ein positiver Schritt: Sie kostet zwar Zeit und Ressourcen, stärkt aber die Glaubwürdigkeit der Zertifizierung erheblich.
Die B-Corp-Zertifizierung wirkt. Sie wird in den USA weit anerkannt und gewinnt auch in Europa zunehmend an Bedeutung. Sowohl Geschäftskunden als auch Verbraucher sehen das Siegel als vertrauenswürdige Bestätigung dafür, dass ein Unternehmen verantwortungsbewusst handelt. Gleichzeitig fordert sie ein kontinuierliches Engagement: Nachhaltigkeit ist kein einmaliger Erfolg, sondern ein fortlaufender Prozess. Für uns bedeutet B-Corp nicht nur Marketing, sondern die formale Bestätigung unserer Werte. „Sei das Beste für die Welt, nicht das Beste in der Welt“ ist ein Leitgedanke, der uns im Alltag leitet.
Nachhaltigkeit darf nicht nur ein Verkaufsargument sein; sie muss messbar, nachvollziehbar und glaubwürdig sein. Verbraucher, Unternehmen und Regulierungsbehörden verlangen Transparenz und Dokumentation. Nur so bleibt Nachhaltigkeit relevant und ernstzunehmend.
Verantwortung sichtbar machen
SproutWorld hat inzwischen über 85 Millionen pflanzbare Bleistifte in mehr als 80 Länder verkauft. Die B-Corp-Zertifizierung ergänzt unser Geschäftsmodell, indem sie unsere Verantwortung gegenüber Gesellschaft und Umwelt sichtbar macht.
Weltweit gibt es fast 9.600 zertifizierte B-Corporations in 102 Ländern — darunter 2.100 in Europa, 100 davon in Skandinavien. Unternehmen, die Nachhaltigkeit ernst nehmen, müssen heute mehr tun, als nur Produkte zu verkaufen. Die Art und Weise, wie ein Unternehmen strukturiert ist, wie es agiert und wie es seine Werte nach außen trägt, ist mindestens genauso entscheidend. Die B-Corp-Zertifizierung ist dafür ein verlässlicher Maßstab — und gerade in Zeiten wachsender Regulierungen wichtiger denn je.
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