Abziehbarkeit von Avalprovisionen
Das FG Mecklenburg-Vorpommern hat sich jetzt mit dieser Frage befasst. Im entschiedenen Fall betrieb der Kläger in den Streitjahren 2014 bis 2016 eine Tankstelle und erzielte Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Die Tankstelle hatte er von der A gepachtet und mit ihr einen Tankstellenpachtvertrag abgeschlossen.
Der Kläger hatte sich darin unter anderem verpflichtet, eine Sicherheit zu stellen. Zur Erfüllung dieser Verpflichtung schloss der Kläger mit der B-Bank einen "Kreditvertrag für Avalkredite". Darin heißt es u.a.: "Die Bank stellt dem Kreditnehmer einen Avalkredit zur Verfügung in Höhe von 45.000 EUR. Bis zur Höhe dieses Betrages wird die Bank im Auftrag und für Rechnung des Kreditnehmers gegenüber bzw. bei verschiedenen Gläubigern Bürgschaft leisten."
Der Kläger verpflichtete sich, für die Bereitstellung des Avals monatlich eine Provision und Kontoführungsgebühren zu zahlen. Die entsprechenden Avalzinsen bzw. Avalprovisionen betrugen
- für 2014: 2.026,54 EUR,
- für 2015: 1.824,00 EUR,
- für 2016: 1.824,00 EUR.
Auffassungen des Finanzamts und des Steuerpflichtigen
Das Finanzamt vertrat die Auffassung, dass es sich bei den Avalprovisionen um Schuldzinsen i.S.d. § 4 Abs. 4a EStG handele. Der Steuerpflichtige war dagegen der Meinung, eine Kapitalüberlassung liege nicht vor. Auch nach dem BMF-Schreiben v. 2.11.2018, IV C 6 - S 2144/07/10001 :007, handle es sich nicht um Schuldzinsen; denn Bürgschaften und die dafür gezahlten Entgelte seien dort nicht genannt.
Urteil des FG Mecklenburg-Vorpommern: Mit Darlehenszinsen vergleichbar
Das FG Mecklenburg-Vorpommern hat entschieden, dass Avalzinsen bzw. Avalprovisionen bei wirtschaftlicher Betrachtung den als Gegenleistung für ein Darlehen gezahlten Zinsen vergleichbar sind (Urteil vom 26.05.2021 - 3 K 199/20). Sind Avalzinsen wirtschaftlich mit Darlehenszinsen vergleichbar, so reicht das aus, um die Abziehbarkeit der Zinsen nach § 4 Abs. 4a EStG unter den dort genannten Voraussetzungen zu beschränken.
Revisionsverfahren beim BFH anhängig
Gegen das Urteil hat der Steuerpflichtige die zugelassene Revision eingelegt (Az beim BFH X R 15/21). Der Rechtsfrage, ob "Avalprovisionen" Schuldzinsen i.S.d. § 4 Abs. 4a EStG sind, kommt nach Auffassung des FG grundsätzliche Bedeutung zu. Ähnliche Fälle sollten offengehalten werden, bis die Entscheidung des BFH vorliegt.
-
Abgabefristen für die Steuererklärungen 2019 bis 2025
1.051
-
Begünstigte Versicherungsverträge vor dem 1.1.2005 in Rentenform
9002
-
Unterhaltsleistungen an über 25 Jahre alte studierende Kinder
47916
-
Neue Bagatellgrenzen für betrieblich genutzte Grundstücksteile
4462
-
Pflichtangaben für Kleinbetragsrechnungen
424
-
Feststellung des Grades der Behinderung für zurückliegende Zeiträume
390
-
Neuregelung des häuslichen Arbeitszimmers und der Pauschalen ab VZ 2023
368
-
Fallstricke bei der Erbschaftsteuerbefreiung des Familienheims
317
-
Behinderten-Pauschbetrag auch bei Pflegegrad 4 oder 5
284
-
Umsatzsteuer 2026: Wichtige Änderungen im Überblick
282
-
Was Steuerberater bei der Forschungszulage frühzeitig vom Mandanten wissen müssen
17.09.2026
-
Dezemberhilfe: Falsche Angaben zur Betroffenheit schließen Vertrauensschutz aus
16.09.2026
-
Teilfreistellungen bei Fonds und ETF im Betriebsvermögen
15.09.2026
-
Kindergeld bei Teilzeitbeschäftigung und anlassbezogener Freistellung eines Beamten
14.09.2026
-
Schätzung des Arbeitslohns bei Handwerkerleistungen
10.09.2026
-
Bürokratie und Energiekosten hemmen den Mittelstand
09.09.2026
-
Neustarthilfe: Ohne Endabrechnung bleibt die volle Rückforderung rechtmäßig
09.09.2026
-
Anzeige der Reinvestitionsabsicht bei Wohn-Riester-Vertrag
07.09.2026
-
Entlastungsbetrag für Alleinerziehende im Nestmodell?
04.09.2026
-
Überbrückungshilfen: Was eine gute Widerspruchsbegründung ausmacht
02.09.2026