24.03.2015 | Krankenhauskeime

Krankenhäuser sollen gefährliche Keime melden

Multiresistente Keime erschweren Behandlung und müssen bekämpft werden.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Laut Regierung könnten die meisten Infektionsfälle in Krankenhäusern vermieden werden. Das Gesetz zur Krankenhaushygiene bewirkte aber wenig. Gröhe will nun gefährliche Krankenhauskeime mit einem Zehn-Punkte-Plan  bekämpfen. U. a. sollen die Meldepflichten für Krankenhäuser verschärft werden.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will den Kampf gegen gefährliche Krankenhauskeime intensivieren.

Meldepflichten für Krankenhäuser sollen verschärft werden

Dazu sollen die Meldepflichten für Kliniken bei Auftreten besonders gefährlicher Keime nach einem Zehn-Punkte-Plan verschärft werden. Die neuen Meldepflichten sollen noch vor der Sommerpause im Bundesrat abgestimmt werden, sagte Gröhe am 24.3.2015 in Berlin. Jeder nachgewiesene Erreger müsse künftig gemeldet werden.

Zudem solle entsprechendes Personal eingestellt und ausgebildet werden, sagte Gröhe. Hier gibt es nach Expertenmeinung noch erheblichen Nachholbedarf. Nicht nur Ärzte und Pflegepersonal in Krankenhäusern, sondern auch in Arztpraxen sollen zudem regelmäßig weitergebildet werden.

Antibiotika helfen nicht gegen multiresistente Keime

In Deutschland sterben pro Jahr zwischen 10 000 und 15 000 Menschen in den Kliniken, weil sie sich dort mit multiresistenten Keimen infiziert haben. Bisherige Maßnahmen brachten nicht den erhofften Erfolg.

Das Problem liegt unter anderem daran, dass solche Erreger eine hohe Resistenz gegen Antibiotika entwickelt haben. Hier gelte es, die Forschung zu intensivieren und neue Antibiotika zu entwickeln, erklärte Angeli. Da Antibiotika aber relativ preisgünstig sind, ist die Pharmaindustrie bei der Entwicklung neuer Produkte zurückhaltend.

Antibiotikaresistenz ist ein globales Problem

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) ist die Antibiotikaresistenz von Erregern ein globales Problem. In Europa seien Länder des Mittelmeerraumes wie Italien oder Griechenland besonders betroffen, unter anderem wegen der Zuwanderung aus Afrika. Laut Gröhe will Deutschland in diesem Kampf eine Vorreiterrolle einnehmen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bereits die Absicht geäußert, das Problem Antibiotikaresistenz im Rahmen der sieben wichtigsten Industrienationen (G7) aufgreifen zu wollen.

Regeln zur Krankenhaushygiene müssen umgesetzt werden

Laut Gesundheitsministerium infizieren sich jährlich im Krankenhaus 400 000 bis 600 000 Menschen. 2011 reagierte der Gesetzgeber unter anderem mit schärferen Regeln für Hygiene und Kontrolle. Denn im Krankenhaus oder auch ambulant eingefangene Infektionen durch resistente Erreger machten die Behandlung immer schwieriger. Gröhe sagte nun, diese Regeln seien gut. Sie müssten jetzt aber auch umgesetzt werden.

Die Techniker Krankenkasse (TK) forderte einen generellen Test von Risikogruppen bei der Aufnahme ins Krankenhaus. Bei planbaren Operationen können die Patienten dann vor der Aufnahme getestet und die Keime vor dem Krankenhausaufenthalt beseitigt werden, argumentierte die TK.

Antibiotikaeinsatz bei Tieren derzeit auf dem Prüfstand

Problematisch sind jene Erreger, die Resistenzen entwickelt haben. Das geschieht vermutlich unter anderem, weil Antibiotika in der Tiermast, aber auch bei Menschen zu häufig und nicht zielgenau verabreicht werden. Dadurch werden Antibiotika-empfindliche Bakterien abgetötet, während die Antibiotika-resistenten sich umso konkurrenzloser vermehren können. Der Bund überprüft zur Zeit alle Antibiotika auf ihre weitere Verwendbarkeit bei Tieren.

Schlagworte zum Thema:  Krankenhaushygiene, Infektion, Meldepflicht, Krankenhaus

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