07.05.2014 | Fehler bei Arzt- und Krankenhausbehandlung

Patienten wehren sich gegen Behandlungsfehler

Behandlungsfehler können schwerwiegende Folgen haben
Bild: Haufe Online Redaktion

Viele Patienten werden durch eine Operation auch tatsächlich geheilt. Doch es gibt auch die andere Seite: Immer mehr Patienten klagen über Ärztefehler. Ob nach Operationen, Zahnbehandlungen oder Geburtshilfe – Gutachter bestätigen rund jeden vierten Fall als Fehler!

Mehr als 26 000 Patienten haben im vergangenen Jahr wegen des Verdachts auf Behandlungsfehler Hilfe bei Gutachtern gesucht. Das sind deutlich mehr als im Vorjahr - die Patienten werden offensichtlich kritischer. In rund jedem vierten Fall wurde ein Fehler bestätigt. Trotz Verbesserungen sind die Risiken für die Patienten aus Sicht der Krankenkassen nach wie vor viel zu hoch.

Behandlungsfehler vermeidbar

«Viele Behandlungsfehler wären vermeidbar», sagte der leitende Arzt des Medizinischen Dienstes des Kassen-Spitzenverbands (MDS), Stefan Gronemeyer, bei der Präsentation der neuen MDS-Fehlerstatistik.

Ärzte- und Behandlungsfehler vielfach bestätigt

Allein die Prüfer im Kassen-Auftrag schrieben 2013 rund 14 600 Gutachten wegen Verdachts auf Fehler. Das sind gut 2000 mehr als im Vorjahr. Knapp 3700 Mal bestätigten die Gutachter des Medizinischen Diensts den Fehlerverdacht und erleichterten es den Betroffenen damit, Schadenersatz zu bekommen. Im Vorjahr waren es noch rund 3900 bestätigte Fehler. Bei den Gutachterstellen der Ärzteschaft gingen nach dpa-Informationen 2013 zudem rund 12 000 Anträge auf Gutachten ein. Auch hier wurde in rund jedem vierten der untersuchten Fälle ein Fehler festgestellt. Diese Zahlen sind noch nicht veröffentlicht. Wie viele Patienten sich direkt an Gerichte wenden, ist unbekannt. Die Dunkelziffer ist laut MDS zudem hoch.

Patientenrechtegesetz ermutigt zur Anzeige von Behandlungsfehlern

«Den Anstieg bei den Vorwürfen führen wir auf die Aufklärungsarbeit der vergangenen Jahre und die gestiegene öffentliche Aufmerksamkeit, aber auch auf das 2013 in Kraft getretene Patientenrechtegesetz zurück», sagte Gronemeyer. Patienten hätten seither mehr Anspruch auf Hilfe durch die Kassen. Rund sieben von zehn Vorwürfen richten sich gegen Krankenhäuser, ein Drittel gegen niedergelassene Ärzte.

Fehlermeldesystem zur Vermeidung von Behandlungsfehlern

Gronemeyer begrüßte neue Vorgaben für Fehlermeldesystemen in Kliniken und Praxen. «Derzeit ist festzustellen, dass Maßnahmen zur Vermeidung von Behandlungsfehlern nicht ausreichend umgesetzt sind», kritisierte er aber. Eine stärkere Sicherheitskultur gebe es nur in Ansätzen.

Ärzte und Krankenhäuser um Fehlervermeidung bemüht

Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery entgegnete, es werde alles zur Fehlervermeidung getan. «Angesichts von fast 700 Millionen Behandlungsfällen im ambulanten Bereich und mehr als 18 Millionen Fällen in den Kliniken jährlich bewegt sich die Zahl der festgestellten ärztlichen Behandlungsfehler im Promillebereich.» Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, betonte, alle Kliniken hätten Strategien zur Fehlervermeidung.

Schließung von Kliniken mit wenig Behandlungserfolg

Ab 26. Mai will eine Kommission aus Vertretern von Bund, Ländern und Koalitionsfraktionen eine Klinikreform aushandeln, die auf mehr Qualität abzielt. Ziele sind, Klinikabteilungen mit geringen Behandlungserfolgen schließen zu können und Kliniken stärker nach Qualität zu bezahlen. «Die Qualität muss für Patienten transparent und besser messbar sein», so der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn.

Weitere Informationen finden Sie im Haufe SGB-Office.

Schlagworte zum Thema:  Krankenhaus, Behandlungsfehler, Patientenrechtegesetz

Aktuell

Meistgelesen