Arzneimittelausgaben: Anstieg um fast 10 %
Die Arzneimittelausgaben sind im vergangenen Jahr um fast 10 % auf 33,3 Milliarden Euro gestiegen. Der Verband forschender Pharma-Unternehmen (vfa) begründete das deutliche Plus gegenüber den vorausgegangenen Jahren von 2,94 Milliarden Euro am 9.6.2015 in Berlin mit Sondereffekten. Dazu zählten teure Innovationen bei der Behandlung etwa von Hepatitis-C-Patienten, die gestiegene Zahl gesetzlich Krankenversicherter um rund 430.000 sowie die Rücknahme des erhöhten Herstellerabschlags und die höhere Apothekenvergütung.
Keine weiterer Kostenanstieg?
Wie aus dem neuen, vom IGES Institut erstellten Arzneimittelatlas weiter hervorgeht, kamen im vergangenen Jahr außergewöhnlich viele neue Medikamente auf den Markt. Dies habe die Therapien für Patienten verbessert. Das Institut rechnet damit, dass in den kommenden Jahren der Ausgabenanstieg wieder zurückgeht. In den Jahren vor 2014 betrug die durchschnittliche Zunahme 2 %.
Neue Medikamente hätten Patienten nicht erreicht
Vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer warnte vor einseitigen Einsparungen zulasten der Qualität bei der Versorgung der Patienten. Fischer wie auch der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) beklagten, dass neue Medikamente, die nach der Arzneimittelmarktreform (AMNOG) im Jahr 2011 wie verlangt einen Zusatznutzen nachweisen können, nicht in ausreichender Menge die Patienten erreichten.
Scheu der Ärzte vor geänderter Behandlungspraxis
Die Scheu der Ärzte vor einer umfassenden Änderung der Behandlungspraxis durch neue, bessere Medikamente sei nicht nachvollziehbar, erklärte Fischer. Denn das spare Kosten. Neue Hepatitis-C-Medikamente z. B. «beseitigen die Viren im Körper komplett und sparen so langfristig Geld».
Die Versorgung mit innovativen Arzneimitteln verschlechterte sich nach Ansicht des BPI in den vergangenen Jahren seit Einführung des AMNOG vielmehr. Das AMNOG habe zu allererst Kostensenkung im Blick, weniger die Versorgung mit Innovationen.
Verunsicherung der Ärzte bremse Fortschritt
Insbesondere die Verunsicherung der Ärzte, ob eine Verordnung neuer Arzneimittel erlaubt sei, bremse den Fortschritt in der Therapie aus, heißt es in einem Gutachten im Auftrag des BPI. Das Urteil «kein Zusatznutzen belegt» im Zusammenhang mit der AMNOG-Bewertung eines neu auf den Markt gebrachten Medikamentes sei nicht gleichbedeutend damit, dass es keinen Zusatznutzen gebe. Häufig fehle es einfach nur an einer ausreichenden Datenbasis für eine Bewertung.
Lanz: Über Größere Sparmaßnahmen nachdenken
Der Sprecher des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), Florian Lanz, erklärte: «Der rasante Anstieg bei den Arzneimittelausgaben zeigt, dass über größere und nicht über kleinere Sparmaßnahmen nachgedacht werden sollte. Mit der Absenkung des Herstellerabschlags zum Jahreswechsel 2013/2014 ist ein nennenswerter Teil des Ausgabenanstiegs von der Politik hausgemacht.»
Preise sollten ab Tag der Zulassung gelten
Bei den Preisverhandlungen für neue Medikamente sei man auf dem richtigen Weg. «Besser wäre es jedoch, wenn die verhandelten Preise nicht erst nach einem Jahr, sondern vom ersten Tag der Zulassung an gelten würden», bekräftigte Lanz die Position des GKV-Spitzenverbandes, die von den Pharma-Verbänden abgelehnt wird.
-
Wie wirkt sich Krankengeld auf die Rente aus?
1.048
-
Urlaub während Krankschreibung: Was ist zu beachten?
867
-
Neue Arbeitsverhältnisse
457
-
Einmalzahlungen und ihre Wirkung auf das Krankengeld
405
-
Entgeltfortzahlung und Krankengeld - unterschiedliche Berechnungen beachten
327
-
Die rechtmäßige Aufforderung durch die Krankenkasse
294
-
Bundeskabinett beschließt GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz mit Änderungen
283
-
Widerspruch gegen die Aufforderung der Krankenkasse zur Reha
201
-
Erste Fragen zur neuen AU-Bescheinigung
199
-
Arbeitsunfähigkeit am Ende der Beschäftigung
171
-
LSG verneint GKV-Anspruch auf Abnehmspritze bei Hormonstörung
11.05.2026
-
Landgericht Frankfurt untersagt irreführende Allergiemittel-Werbung
11.05.2026
-
Krankenhaus-Report 2026: Mehr als die Hälfte aller stationären Fälle ambulantisierbar
08.05.2026
-
Rentenerhöhung 2026 vom Bundeskabinett beschlossen
05.05.2026
-
Apothekenzahl sinkt weiter – Branche warnt vor Versorgungsengpässen
05.05.2026
-
Mehrheit der Deutschen lehnt Kürzungen bei der Pflegeversicherung ab
04.05.2026
-
Bundeskabinett beschließt GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz mit Änderungen
30.04.2026
-
Zwei Drittel der jungen Erwachsenen sprechen mit Chatbots über psychische Probleme
28.04.2026
-
Urteile zur gesetzlichen Unfallversicherung im Überblick
27.04.2026
-
Neue Notfallreform soll Patienten gezielter in passende Versorgung lenken
23.04.2026