Innovationen nutzen und als Recruiter überleben
Jünger, dynamischer und innovativer sollte der Recruiting Convent (#RC18) in seiner elften Auflage werden. Das war nicht nur der Wunsch von Professor Christoph Beck, der als Gründer der Veranstaltung den Generationswechsel einleitete. Er hatte bei Gero Hesse, Geschäftsführer von Territory Embrace und Blogger bei saatkorn.com, angefragt, ob er die Organisation künftig übernehmen wollte.
Das war auch das Anliegen von Gero Hesse, der nach reiflicher Überlegung zusagte und äußerliche sowie inhaltliche Veränderungen einleitete. „Wir wollen über den Tellerrand schauen und das Thema in seinem gesellschaftlichen Rahmen betrachten, also auch aus kabarettistischer, politischer oder philosophischer Perspektive“, sagte er.
Neue Blickwinkel, coole Location
Die Erweiterung der Blickwinkel gelang durch ein großes Aufgebot an bekannten Köpfen: Thomas Sattelberger, heute Mitglied des Bundestags für die FDP, und Dr. Sahra Wagenknecht, Fraktionsvorsitzende von Die Linke, lieferten sich ein Streitgespräch, das in einigen Themen wie Digitalisierung und Bildungspolitik überraschende Übereinstimmungen der Diskutanten offenbarte. Kabarettist und Physiker Vince Ebert gab Einblicke aus Sicht der Wissenschaft und Philosoph Richard David Precht machte deutlich, wie er die Zukunft der Arbeit sieht.
Aber auch äußerlich hat der Recruiting Convent einen spürbaren Wandel vollzogen: Die Themen von Arbeitgebermarken-Aufbau bis Online-Assessment fanden nicht mehr in den altehrwürdigen Mauern eines Schlosses oder Klosters statt, sondern in der Eventlocation Boui Boui Bilk in Düsseldorf – mit Streetfood und Barbecue als Teilnehmerverpflegung und mit T-Shirt und Sneakers anstatt Hemd und Krawatte.
Innovationen gepaart mit klassischem Handwerk
Als Motto hatten die Veranstalter „Innovate & Survive“ gewählt, denn Recruiting ist nicht nur digitale Spielerei, sondern auch altbewährtes Handwerk. „Wir wollen sowohl die jungen als auch die klassischen Themen abdecken“, so Gero Hesse. So kam es, dass neben Workshops zum Thema „Hacking Talent Sourcing“ oder zur Influencer-Strategie von Aldi Süd auch klassische Themen rund um Recruiting und Personalmarketing behandelt wurden.
Denn heute ist es so wichtig wie nie, kompetent und richtig mit potenziellen Kandidaten zu kommunizieren. Dazu gehört auch ein Vorstellungsgespräch, das auf Augenhöhe geführt wird. Doch da hapert es in vielen Fällen, wie Professor Christoph Beck in seinem Ausblick erläuterte: Schon heute versenden Hochschulabsolventen maximal fünf Bewerbungen, bis sie eine passende Stelle gefunden haben – ergab eine Befragung unter Studierenden und Absolventen. Gleichzeitig beschweren sich viele über die immer gleichen, teils absurden Fragen im Vorstellungsgespräch.
Queb als Mitveranstalter des #RC18
Mit dabei auf dem Recruiting Convent war auch wieder der Queb. Der Bundesverband für Employer Branding, Personalmarketing und Recruiting trat nicht nur als Mitveranstalter auf, sondern steuerte zahlreiche Referenten bei. Unter anderem erläuterte Kerstin Wagner, Leiterin Personalgewinnung der Deutschen Bahn, wie Talent Acquisition in Zeiten von disruptiven Technologien und digitaler Transformation aussehen kann. Dominik Hahn (Global Head of Talent Acquisition and Employer Branding bei der Allianz) und Nicole Goodfellow (Head of Global Recruiting, Talent Marketing & Talent Management Europa bei Infineon) zeigten, wie eine „Failure Culture“ das Intrapreneurship im Unternehmen fördert.
Queb-Award für die beste HR-Tech-Innovation 2018
Auch der Queb-Award 2018 wurde auf dem Recruiting Convent verliehen. 40 Bewerbungen von Start-ups, Unternehmen und Agenturen waren eingegangen und eine Jury hatte eine Shortlist von fünf HR-Tech-Innovationen erstellt. Diese wurden auf dem #RC18 in achtminütigen Elevator Pitches vorgestellt. Die Abstimmung der Teilnehmer brachte das Ergebnis: Der Gewinner des Queb-Awards 2018 für die beste HR-Tech-Innovation ist Bastian Lehmkuhl von der Deutschen Bahn.
Mit „Sourcing Automation“ hat er die Anzeigenschaltung automatisiert: Gibt es zu viele Bewerber auf eine Stelle, wird die Stellenanzeige automatisch deaktiviert, bis die Stelle entweder besetzt ist oder genügend Teilnehmer ausgeschieden sind und neuer Platz für Bewerber entsteht. Zudem berechnet „Sourcing Automation“ für jeden Recruiting-Kanal, welche Leistung er erbringt – mit Blick auf Kosten und Qualität pro Bewerbung.
Eine gute Arbeitgebermarke zahlt auf das Kaufverhalten ein
Übrigens: Dass das Arbeitgeberimage nicht nur das Bewerberverhalten beeinflusst, sondern auch das Kaufverhalten, bestätigte eine Untersuchung von Territory Embrace. Die repräsentative Online-Befragung von 1.013 Konsumenten hat sich anlässlich des #RC18 mit den Wechselwirkungen zwischen dem Image als Arbeitgebermarke und dem Kaufverhalten von Konsumenten in Deutschland beschäftigt.
Das Ergebnis: Fast jeder Vierte (24 Prozent) der Befragten würde auf jeden Fall ein Produkt boykottieren, wenn er wüsste, dass dahinter ein schlechter Arbeitgeber steht. 36 Prozent würden dies wahrscheinlich tun. Im Gegenzug sagten 67 Prozent, sie würden Produkte eines Unternehmens (häufiger) kaufen, wenn sie wüssten, dass dieses Unternehmen besonders viel für seine Mitarbeiter tut.
#RC19 Ende Mai unter dem Motto „Me, myself and I“
Damit lieferte die Untersuchung wichtige Argumente, sich auf dem #RC19 mit den Themen Recruiting, Employer Branding und Personalmarketing zu beschäftigten. Als Termin wurde der 22. und 23. Mai 2019 angekündigt. Wer sich bis Ende Juni 2018 anmeldet, kann zum „Schnäppchenpreis“ von knapp 1.000 Euro teilnehmen. Auch der diesjährige Recruiting Convent hat ähnliche Teilnehmerbeiträge aufgerufen – und er war ausverkauft.
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