Das große Netzwerktreffen im Phantasialand
Es war ein außergewöhnlicher Kongress, der eine Art Netzwerktreffen war. Im Freizeitpark Phantasialand in Brühl bei Köln wurde ein Tag lang über Herausforderungen im Management diskutiert. Es gab wohl einen großen Saal für die Eröffnungs- und Abschlussreden der Keynote Speaker, doch die Paneldiskussionen fanden mitten zwischen den Fahrgeschäften statt, die wegen der Winterpause noch nicht in Betrieb waren.
Next Champions 2019: Netzwerken im Phantasialand
Diese außergewöhnliche Umgebung machte den Charme der Veranstaltung aus, die Dr. Winfried Felser, Geschäftsführer der Netskills Solution GmbH organisiert hatte. Felser gehört in Social Media zu den Top-Influencern im Lande, wofür er mehrfach – unter anderem vom Personalmagazin – ausgezeichnet wurde.
Unsere fünf Learnings aus der Veranstaltung:
- Eine Managementkonferenz in den Freizeitpark Phantasialand zu legen, war ein Tabubruch und für viele zunächst befremdlich. Der Mut des Veranstalters hat sich aber ausgezahlt, die außergewöhnliche Atmosphäre ermöglichte inspirierende und lebendige Diskussionen und Gespräche. Es war keine durchgetaktete und fertige Veranstaltung, auf den Panels wurde laufend improvisiert und umgebaut – was die Teilnehmer meist nicht als „Missmanagement“ verstanden, sondern dem Barcamp-Charakter der Veranstaltung zuschrieben.
- „NextChampions“ unterschied sich von kommerziellen Kongressen dadurch, dass Winfried Felser sich nicht am Profit orientierte, sondern eine inhaltliche Mission verfolgte: Er wollte helfen, Wirtschaft und Gesellschaft zu transformieren. Dazu brachte er Managementlegenden wie Hermann Simon und Heribert Meffert, zwei FDP-Politiker wie den NRW-Wirtschaftsminister und den Bundestagsabgeordneten Thomas Sattelberger, zahlreiche Unternehmer und Manager, Berater und Social-Media-Aktivisten zum Netzwerken zusammen. Für Felser ist das Netzwerken kein Selbstzweck, sondern ein wichtiger Hebel für die Transformation. Aus Businesssicht mag der eine oder andere den Eifer und das Engagement des Veranstalters als „Spinnerei“ betrachten, doch offenbar ließen sich davon mehr Manager und Berater anlocken, als das vergleichbaren Businesskonferenzen gelingt.
- Inhaltlich wurden die aktuellen Fragen um die Gestaltung der Arbeitswelt diskutiert. Angesichts der geplanten Programme zur Kostenreduktion und drohendem Personalabbau in sechsstelliger Höhe allein bei DAX-Unternehmen steht die Bewährungsprobe für New Work und Agilität bevor. Vorreiter der Selbstorganisation zeigten sich davon überzeugt, dass eigenverantwortliche, vernetzte und engagierte Mitarbeiter Konzernen helfen, schwierige Zeiten nicht nur zu überstehen, sondern zukunftsfähig zu sein. Vertreter großer Industrieunternehmen befürchten allerdings, dass die Controller in wirtschaftlich schwierigen Zeiten vieles in Frage stellen werden.
- Vertreter klassischer Organisationsstrukturen und New Worker sowie Vorkämpfer für agile Organisationen reden miteinander. Wirklich verstehen tun sie sich aber nicht. Nach wie vor prallen Welten aufeinander, die nicht zu vereinbaren sind. Effiziente Prozesse, klare Entscheidungsstrukturen und ein Top-Management, das die strategische Richtung vorgibt seien die Grundlage für den Erfolg der Hidden Champions, so Professor Hermann Simon in seiner Keynote. Von Netzwerken und Selbstorganisation ist da keine Rede. Selbstorganisation und Agilität bedeuten nicht Führungslosigkeit. Was Führung in selbstorganisierten Einheiten aber tatsächlich heißt, bleibt umstritten. Einigen konnten sich alle darauf, dass Führung auf Vertrauen, Kompetenz und Freiwilligkeit beruhen sollte. Wie sich Führung aber strukturell abbilden lässt und ob das überhaupt nötig ist, ist unklar. New Worker haben große Schwierigkeiten mit dem Begriff „Folgen“.
- Während Thomas Sattelberger ein düsteres Bild der deutschen Wirtschaft und insbesondere der Automobilindustrie zeichnete, blickten die meisten Redner positiv in die Zukunft. Der NRW-Wirtschaftsmister Andreas Pinkwart sah zwar auch Defizite, aber sein Land insgesamt auf einem guten Weg. Hermann Simon, der den Begriff Hidden Champions zur Bezeichnung des deutschen Mittelstands erfunden hatte, sah die deutsche Wirtschaft bestens gerüstet. Er hob zahlreiche Innovationen von Mittelständlern hervor und verwies auf entsprechende Statistiken: 50 Prozent der Patente zum autonomen Fahren kommen aus Deutschland und bei der Digitalisierung im B2B-Umfeld sei Deutschland Weltmarktführer.
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