Weiterbildung zum Digital Transformation Manager

Viele Unternehmen suchen händeringend Experten, die ihr Geschäftsmodell in die digitale Welt überführen. Die Fahndung nach externen Fachkräften ist mühsam. Schneller und lohnender könnte die Weiterbildung von Mitarbeitenden in Schlüsselpositionen zu "Digital Transformation Managern" sein.

Laut einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitkom im Mai 2021 zweifeln nur noch zwölf Prozent der deutschen Unternehmen am wirtschaftlichen Nutzen der Digitalisierung für sich selbst. Aber überraschenderweise halten sich 50 Prozent der Unternehmen für Digitalisierungsnachzügler, weil sie davon ausgehen, die erforderlichen Mitarbeitenden nicht zu haben, um die Digitalisierung von Geschäfts- und Verwaltungsprozessen voranzutreiben. 

Außerdem geben die Befragten kleinlaut zu, dass dem Management die nötige Digitalkompetenz fehlt. Es gelte jetzt, so Bitkom-Chef Achim Berg, die Belegschaft und das Management umgehend zu qualifizieren und sich im Zweifelsfall externe Hilfe zu holen. 

Diese digitalen Kompetenzen sind gefragt

Hinweise darauf, welche Skills "Digital Transformation Manager" brauchen, ergibt ein Vergleich von Stellenausschreibungen, die in den gängigen Internetportalen zu finden sind. Unabhängig von Branche und Hierarchiestufe sollen die Digitalisierungsexperten ...

  • den geschäftlichen Nutzen der Digitalisierung erkennen und Digitalisierungsinitiativen vorantreiben, 
  • Ideen und Konzepte aus der IT und der Forschung in die entsprechenden Fachbereiche überführen und mit diesen weiterentwickeln können,
  • Digitalisierungsprojekte planen, strukturieren, steuern, durchführen können, 
  • Konzepte für funktionale Prototypen, MVP (Minimum Viable Product) und Pilotprojekte entwickeln und umsetzen können,
  • Werkzeuge zur Entwicklung von Geschäftsmodellen kennen und auch beherrschen,
  • mit internen und externen Partnern zusammenarbeiten die die Geschäftsführung beraten können.

Es geht also darum, digitale Kompetenzen in Change Management, Prozess- und Projektmanagement, Innovationsmanagement und Digital Leadership anzuwenden. Genau diese Anforderungen nehmen die verschiedenen Weiterbildungen zum "Management Digitaler Transformation" ernst. Projekt-, Prozess- und Changemanagement finden sich sowohl in viertägigen Seminaren wie auch in längeren Lehrgängen als Lehrstoff wieder. Dabei geht es weniger darum, diese Kompetenzen von Grund auf zu erlernen. Dafür ist die Zeit oft zu kurz. Vielmehr geht es um ein Gefühl für die Digitalisierung zu bekommen. 

Weiterbildungen zum Management digitaler Transformation

Das gilt auch für das wohl dienstälteste Angebot auf dem Markt, dem Qualifizierungsprogramm "Digital Transformation Manager" der Haufe Akademie in Freiburg. Etwa hundertmal wurde es bislang durchgeführt und dabei immer weiterentwickelt, berichtet Swen Heinemann, der es zusammen mit Dr. Marcus Disselkamp konzipiert hat. Um den maximal zwölf Teilnehmenden die verschiedenen Perspektiven der digitalen Transformation aufzuzeigen, geht man ähnlich wie beim Method Acting in die Situation "hinein". Vier Rollenbilder gibt es dabei: den Trendscout, den Business Joker, den Business Paten und den Change Agent. Der Trendscout findet neue Technologien wie Crispr, den 3D-Druck oder auch die Blockchain-Technologie und stellt vor, wie sich diese in das Geschäftsmodell eines Unternehmens transportieren lassen. 

Der Business-Joker wettet auf die Zukunft, indem er das Potenzial für das Geschäftsmodell des Unternehmens erkennt und holt den Business-Paten ins Spiel. Der wiederum ist als Entscheidungsträger dafür verantwortlich, sich einen Change Agent ins Boot zu holen, der die Umsetzung verantwortet. Immer wieder und für jede "Rolle" wird im Seminar diskutiert, welchen Auswirkungen die gemachten Schritte haben, wie sich zum Beispiel ein neues Geschäftsmodell rechnet, wie man Sponsoren findet oder welche Methode geeignet ist, um den Change zu begleiten, mit Widerständen und Ängsten umzugehen und sie abzubauen. 

Anwendungsfälle werden in Kleingruppen geübt und beraten. "Im Vorfeld sehen wir uns an, aus welchen Branchen und Firmen die Teilnehmenden kommen", sagt Swen Heinemann. So könne man individuell darauf eingehen, welche Auswirkungen die digitale Transformation auf sie hat und welche neuen Technologien wichtig sind. 

Kleine Lerneinheiten für digitale Weiterbildung

Die Herausforderung, dass Entscheider wenig Zeit haben für Qualifizierungen, hat viele Anbietende dazu bewegt, ihre modulare Weiterbildung zum "Digital Transformation Manager" in kleine Einheiten zu stückeln, die auch unabhängig voneinander gebucht werden können. Das "Forum für Führungskräfte" der Weka-Akademie, Wiesbaden, setzt auf drei eintägige Module im Abstand von einer Woche, das "TUM Institute for Lifelong Learning" bietet eine Reihe von acht zweitägigen Seminaren, die in sich abgeschlossen sind und deshalb einzeln gebucht werden können. Die "Steinbeis IFEM Augsburg Business School" teilt ihren Zertifikatskurs "Certified Expert of Digital Management" in fünf einzeln buchbare Seminare von jeweils zwei Tagen Dauer auf. In welcher Reihenfolge die Teilnehmenden die Seminare buchen, bleibt ihnen überlassen. 

Zertifikat für "Digital Transformation Manager"

Viele Anbieter bieten Kurse, bei denen (auf Wunsch) eine Prüfung absolviert werden kann. Wird ein anerkanntes Zertifikat gewünscht, kann es sich lohnen, in ein IHK-Zertifikat zu investieren oder in ein nach dem Standard EN ISO/IEC 17024 anerkanntes Zeugnis. Wer noch studiert oder noch studieren möchte und den Kurs möglicherweise anrechnen lassen will, hat ebenfalls eine Wahl.

Der Zertifikatskurs der Steinbeis-Ifem Augsburg Business School beispielsweise kann auf Master- und MBA-Studiengänge der Organisation angerechnet werden, die Leuphana Universität in Lüneburg vergibt Creditpoints, die ebenfalls auf einen anderen Studiengang angerechnet werden können. Die AKAD lockt mit einem Hochschuldiplom nach zwei Semestern Fernstudium und vier Klausuren, das Management Forum Starnberg mit einem Diplom schon nach vier Monaten. 

Digital sichtbar ist das Zertifikat der Haufe Akademie. Aktuell ist es das einzige, was auch als Open Badge konzipiert ist und als solches zum Beispiel in das persönliche Linkedin-Profil integriert werden kann. Der Vorteil: Die erlangte Kompetenzbescheinigung ist öffentlich sichtbar und der Inhalt mit einem Klick nachzulesen. 

Praktische Anleitung in Transformationsmanagement

Die digitale Transformation in den Unternehmen lebt auch vom Austausch und der engen Zusammenarbeit von Teams. Da es in vielen Weiterbildungsangeboten eher darum geht, digitale Transformation praktisch zu üben und zu erfahren, sind sie als Präsenzseminare konzipiert, haben während der Pandemie aber auch online stattgefunden. Fernlernanbieter wie AKAD und das DeLSt Deutsches eLearning-Institut setzen ganz auf das Online-Lernen. Bei WBS Training können die Teilnehmer in einer 3D-Welt mit Avataren auf dem Lernportal üben. Für Online- wie Präsenzseminare bieten einige Anbieter zudem Zusatzmaterialien an, die im Internet zur Verfügung stehen und auf die auch noch nach dem eigentlichen Training zugegriffen werden kann. Die Haufe Akademie beispielsweise arbeitet mit der Lerntransfer-App Everskill, andere erlauben den Zugriff auf ein Lernportal. Die meisten Weiterbildungen geben als Zielgruppe Führungskräfte an und sie richten  sich speziell an den Mittelstand. 

Ein "Digital Transformation Manager" kann alleine vielleicht ein kleines Unternehmen voranbringen, bei größeren reicht das nicht. So setzte bereits im Jahr 2019 die MTU Aero Engines in München 20 "Digital Transformation Manager" ein, die sich seitdem darum kümmern, wie sich Prozesse und das Geschäft verändern. 


Dieser Artikel ist erstmals in der Zeitschrift wirtschaft + weiterbildung 7-8/2021 erschienen. Dort finden Sie auch eine Übersicht mit den Weiterbildungsangeboten.


Das könnte Sie auch interessieren:

Weiterbildungsanbieter gehen von steigenden Umsätzen aus

Die drei wichtigsten Handlungsfelder von HR

"Lernen ist das neue Arbeiten" – Nachbericht Learntec-X-Change 2021

Personalmagazin plus "MBA-Programme 2021/2022": Transformation bestimmt den Markt