22.05.2015 | Unternehmenskultur

Evernote als Vorbild: Wie man eine Start-up-Kultur fördert

Cristina Riesen erklärt, was eine Start-up-Kultur ausmacht und wie man sie mit 400 Mitarbeitern erhält.
Bild: Evernote

Sie sind hip und innovativ: Start-ups. Ihre Unternehmenskultur gilt vielen als Vorbild. Doch was genau macht diese Kultur aus und wie erhält man sie, wenn aus dem Start-up ein mehrerer hundert Mann starker Betrieb wird? Cristina Riesen, Managerin bei Evernote, gibt Antworten.

Personalmagazin: Evernote ist ein klassisches Technologie-Start-up. Was macht für Sie eine Unternehmenskultur im Start-up aus?

Cristina Riesen: Das wichtigste Merkmal sind für mich die flexiblen Strukturen. Die Mitarbeiter bei Evernote können arbeiten, wo sie gerade sind oder wo es für sie am besten passt. Sie können sogar entscheiden, welches die beste Tageszeit für sie ist. Ich glaube, dass es wirklich wichtig ist, Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, ihren Arbeitstag selbstbestimmt zu gestalten. Das Büro bietet dann sozusagen die Basis, wo alle ihre Ideen austauschen können. Die Start-up-Mentalität hat auch etwas damit zu tun, wie Entscheidungen getroffen werden. Es gibt weniger Abstimmungsschleifen, Entscheidungsprozesse sind kürzer, alle tragen Verantwortung.

Personalmagazin: Evernote wurde 2007 gegründet und ist seitdem auf inzwischen 400 Mitarbeiter angewachsen. Welche Herausforderungen gingen damit für Ihre Kultur einher?

Riesen: Es war nicht immer einfach und wir mussten die Richtung immer wieder überprüfen, quasi jeden Tag den Puls des Unternehmens messen. Vor allem war wichtig, dass alle aus dem Management auf einer Linie waren. Besonders in einem technischen Umfeld verändert sich die Umgebung sehr schnell, das Wachstum ist rasant und alles ist im Wandel. Natürlich gibt es da Wachstumsschmerzen. Ich denke, das muss man einfach akzeptieren - und vor allem eine gemeinsame Sprache finden. Team-Building spielt da eine Rolle, aber auch die Organisation von Teams. Ein Team sollte nur so groß sein, dass man ohne Probleme zusammen eine Pizza essen gehen kann, also im Idealfall aus nicht mehr als 20 Leuten bestehen. Flache Hierarchien und kleinere Teams verkürzen die Wege und machen die Abstimmung untereinander einfacher.

Personalmagazin: Der Evernote-CEO Phil Libin hat als Vision ein hundertjähriges Start-up ausgegeben. Wie kann man eine Start-up-Kultur erhalten?

Riesen: Die Vision eines 100-jährigen Start-ups beinhaltet zwei Aspekte. Zum einen wollen wir ein Produkt kreieren, das gut genug ist, um mindestens 100 Jahre bestehen zu bleiben, zum anderen beim Wachsen den Start-up-Charakter nicht verlieren. Das ist eine Herausforderung. Vor allem braucht es dafür die richtigen Leute. Man muss nicht nur Leute finden, die fachlich gut sind, sondern die auch diese Vision teilen. Und dann muss man ihnen den Weg frei räumen, ihnen Verantwortung geben. Für mich sind die drei kritischsten Faktoren, um die Start-up-Kultur zu erhalten: die richtigen Leute, eine produktive Arbeitsumgebung und die passende Technologie, die die Zusammenarbeit ermöglicht – bei uns ist das natürlich Evernote.

Personalmagazin: Welche Maßnahmen haben Sie dafür bereits ergriffen?

Riesen: Wir setzen alles daran, Hierarchien zu vermeiden. Bei uns fragt keiner um Erlaubnis oder muss ein Projekt mit drei Ebenen abstimmen. Wir wollen ein Umfeld ermöglichen, dass die Angst vor dem Scheitern nimmt. Dazu setzen wir auf Lernzyklen: Ideen dürfen entstehen, sich entwickeln, umgesetzt werden – und wenn sie nicht gut sind, dann geht es eben anders weiter. Unternehmensstrukturen sollten schlank sein: Zu viele Hierarchieebenen verkomplizieren die Dinge. Das Motto sollte sein: Gib jedem Einzelnen die Möglichkeit sich zu äußern. So werden Probleme, aber auch Lösungen viel schneller sichtbar. 

Cristina Riesen ist General Manager für die Region EMEA beim Unternehmen Evernote, das die gleichnamige Produktivitäts-App erstellt.

Das Interview führte Kristina Enderle da Silva, Redakteurin Personalmagazin.

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Schlagworte zum Thema:  Unternehmenskultur, Führung

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