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Arbeitgeber müssen ihre Stellenangebote auf das Suchverhalten in verschiedenen Situationen ausrichten. In der Mittagspause informieren sich Stellensuchende anders als abends auf dem Sofa. Bild: Haufe Online Redaktion

Fachkräfte mit Berufsausbildung zählen zu den begehrtesten Zielgruppen auf dem Stellenmarkt. Unternehmen müssen neue Wege gehen, um im Wettbewerb um die gesuchten Fachkräfte erfolgreich zu sein. Stellenmarkt-Experte Andreas Matthies gibt sieben Tipps für das Fachkräfte-Recruiting.

Änderungen im Bewerbungsverhalten führen zwangsläufig zu neuen Prozessen, so dass viele Unternehmen umdenken müssen. Wer heute nach geeigneten Fachkräften sucht, hat mit einer klassischen Anzeige in der Zeitung nur noch geringe Aussichten auf Erfolg. Auch im Umgang mit potenziellen Bewerbern machen Unternehmen häufig Fehler, die sich leicht vermeiden lassen.

Um in Zukunft die gesuchten Fachkräfte für das eigene Unternehmen zu gewinnen, empfiehlt sich ein zielgruppengerechtes Recruiting, das auf klassische Karriereversprechen verzichtet und die Kandidaten zur passenden Zeit am passenden Ort abholt. Mit folgenden sieben Tipps können Sie potenzielle Jobanwärter von Ihren Arbeitgeberqualitäten überzeugen.

Tipp eins: Erreichen Sie Fachkräfte mobil  

Auf dem Arbeitsmarkt findet eine drastische Verlagerung auf mobile Endgeräte statt. Das belegt eine Umfrage von Meinestadt.de unter Jobsuchenden: Als wichtigstes digitales Gerät landet das Smartphone mit 87 Prozent und großem Abstand auf dem ersten Platz.

Für jedes Unternehmen, das einen Fachkräftemangel frühzeitig verhindern will, stellt das eine zentrale Erkenntnis dar: Wer Fachkräfte mit einer Berufsausbildung statt einem Studium sucht, darf die mobile Jobsuche nicht außer Acht lassen, denn auf anderen Wegen werden nur noch magere zehn Prozent der Wechselwilligen erreicht. Für potenzielle Bewerber ist der schnelle und übersichtliche Zugriff auf die wichtigsten Informationen einer Stellenanzeige oft ausschlaggebend. Daher müssen Anzeigen für mobile Geräte optimiert werden, sonst ist die Absprungrate zu hoch. Ebenfalls wichtig ist ein geräteübergreifendes Design, das die Nutzbarkeit erhöht.

Tipp zwei: Gestalten Sie Stellenanzeigen, die in allen Situationen funktionieren

Moderne Personalbeschaffung besteht aber nicht nur darin, Anzeigendesigns für mobile Endgeräte zu optimieren. Arbeitgeber müssen ihre Stellenangebote auf das Informationsbedürfnis und vor allem auf das Suchverhalten des Bewerbers in verschiedenen Situationen ausrichten. Das sogenannte Candidate Focused Recruiting berücksichtigt deswegen, dass sich die Stellensuche je nach Situation verändern kann. Schließlich sucht es sich am Wochenende auf der heimischen Couch anders als im Wartezimmer beim Arzt, im Café oder etwa in der Mittagspause am Arbeitsplatz. Auch unter diesem Gesichtspunkt müssen zeitgemäße Stellenanzeigen so gestaltet sein, dass alle relevanten Informationen auf den ersten Blick direkt und unkompliziert für den Bewerber erfassbar sind. Nur so werden potenzielle Jobanwärter im passenden Moment mit den richtigen Argumenten überzeugt. Weiterführende Informationen zum Stellenangebot, zum Arbeitgeber oder zur Unternehmenskultur sind erst im zweiten Schritt relevant.

Tipp drei: Lernen Sie Ihre Zielgruppe kennen

Arbeitgeber, die auf der Suche nach nicht-akademischen Fachkräften sind, müssen ihre Zielgruppen kennen und sich fragen, was sie in den Augen potenzieller Bewerber attraktiv und interessant macht. Da hier besonders häufig auch kurzfristig nach Personal gesucht wird – beispielweise für das Saisongeschäft in der Gastronomie oder um plötzliche Ausfälle aufzufangen – spielen die klassischen „Karriereversprechen“ für Bewerber oft keine ausschlaggebende Rolle. Wichtiger sind andere Faktoren, wie etwa die Entfernung zum Arbeitsplatz, eventuelle Zuschüsse für Fahrtkosten und Kitaplatz sowie pünktliche Gehaltszahlung.

Tipp vier: Kommunizieren Sie mit Bewerbern auf Augenhöhe

Mit dem Wandel auf dem Arbeitsmarkt hat sich auch das Verhältnis zwischen Bewerber und Personaler geändert: Gut ausgebildeten Fachkräften steht der Arbeitsmarkt offen. Da diese Bewerber die größte Auswahl haben, sollten Personalabteilungen mit Bewerbern so umgehen, wie sie selbst behandelt werden wollen. Lange Wartezeiten, standarisierte Antworten oder ein unfreundlicher Umgang sorgen schnell dafür, dass Bewerber das Interesse verlieren und woanders – nämlich in einem Umfeld, in dem sie sich wertgeschätzt fühlen – nach einer geeigneten Stelle suchen.

Tipp fünf: Geben Sie schnelles Feedback

Dass in vielen Branchen der mobile Erstkontakt bereits zur täglichen Routine gehört, liegt nicht nur an der wachsenden Suche über die mobilen Endgeräte, sondern auch an Schnelligkeit und Effizienz, die Bewerbungen via App, Smartphone & Co bieten. Aktuelle Studien zeigen, dass über 80 Prozent der Bewerber die mobile Bewerbung für zeitgemäß halten. Über die Hälfte setzt sie sogar als Indikator eines innovativen Arbeitgebers voraus.

Meinestadt.de bietet seit 2016 die mobile Direktbewerbung via App an. Dabei können Arbeitgeber Bewerbern über die App bis zu fünf kurze Fragen stellen und so eine einfache Vorselektion qualifizierter Kandidaten durchführen. Durch die Direktbewerbung wird verhindert, dass gut geeignete Bewerber direkt beim Erstkontakt durch einen aufwendigen Bewerbungsprozess verloren werden. Stattdessen können Arbeitgeber schneller reagieren, geeignete Kandidaten frühzeitig erkennen und unpassenden Kandidaten mit einem Klick absagen. Kandidaten werden per Push-Benachrichtigung über den Status ihrer Bewerbung informiert.

Tipp sechs: Machen Sie Ihr Unternehmen sichtbar 

Da es laut Studien immer schwieriger wird, gute Fachkräfte zu finden, müssen Unternehmen in Zukunft noch stärker in eine gute Sichtbarkeit investieren. Nur wer sich strategisch dort präsentiert, wo potenzielle Arbeitnehmer auf der Suche sind, kann auch gefunden werden. Mit einem guten Arbeitgeberprofil im (mobilen) Netz präsent zu sein, ist für Unternehmen als erste Schnittstelle unerlässlich. Gerade im Mittelstand ist hier noch Nachholbedarf. Nur wenn die Reichweite etablierter Jobportale genutzt wird, können mittelständische Unternehmen verhindern, dass gute Fachkräfte immer nur auf die großen Global-Player aufmerksam werden.

Tipp sieben: Bilden Sie verstärkt in Kernberufen aus

Dem Fachkräftemangel muss aber noch viel früher entgegengewirkt werden. Aktuell blieben in Deutschland etwa 43.500 Ausbildungsstellen unbesetzt – Tendenz weiter steigend. Fehlen jetzt Azubis, mangelt es langfristig an Fachpersonal. Gerade in Kernbranchen wie technischen Berufen, Pflegeberufen oder in der Sanitärbranche, in denen der Mangel jetzt schon spürbare Folgen hinterlässt, müssen sich Unternehmen ihrer Verantwortung als Ausbilder wieder bewusst werden. Mittlerweile bildet nur noch jeder fünfte Betrieb mindestens einen Lehrling aus. Das ist deutlich zu wenig. Um auch bei Jugendlichen das Image der Berufsausbildung wieder zu stärken, müssen Unternehmen Anreize schaffen. Denn immer mehr junge Menschen ziehen ein Hochschulstudium einer Ausbildung vor. Erste Impulse, um dem Trend entgegen zu wirken, liefern neu geschaffene Ausbildungsberufe wie der E-Commerce Kaufmann, der ab 2018 angeboten wird.

Schlagworte zum Thema:  Recruiting, Fachkräfte, Mobile Recruiting

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